Florian Schulz hat 2021 zusammen mit einem Freund eine First Responder-Gruppe in Miehlen im Rhein-Lahn-Kreis gegründet. Als Reaktion darauf, dass sein Opa plötzlich zusammengebrochen war. "Und allein die 10 Minuten, bis der Rettungswagen aus Nastätten hier war - das war schon echt lang. Das hat sich angefühlt wie eine halbe Stunde."
First Responder oft schneller als der Rettungsdienst
Eigentlich muss ein Rettungswagen in Rheinland-Pfalz nach einem Notruf nach 15 Minuten am Einsatzort sein - bezogen auf die reine Fahrtzeit. Doch gerade im ländlich geprägten Norden des Landes kann das eine Herausforderung sein. Laut Innenministerium war im Jahr 2024 der Rettungsdienst bei Notfalleinsätzen im Durchschnitt zwar nach etwas mehr als sieben Minuten da. Trotzdem investieren viele Kommunen freiwillig in First Responder-Strukturen. So wie die Ortsgemeinde Miehlen.
Laut Schulz sind hier die First Responder formell an den nächstgelegenen DRK-Ortsverein angegliedert: "Ansonsten dürfte die Leitstelle uns nicht alarmieren." 88 Mal sei das im vergangenen Jahr in Miehlen passiert.
First Responder zählen nicht zum Rettungsdienst
Laut Innenministerium muss die sogenannte Organisierte Erste Hilfe in Rheinland-Pfalz bei den Rettungsorganisationen angegliedert sein. Dies gewährleiste eine "landesweit einheitliche Grundlage für die Hinterlegung der entsprechenden Einheiten in den integrierten Leitstellen", heißt es auf eine SWR-Anfrage. Weitere Regelungen, die für ganz Rheinland-Pfalz gelten, sucht man aber vergebens.
Keine einheitlichen Regeln in Rheinland-Pfalz
Die Organisierte Erste Hilfe ist laut Gesetz kein Teil des öffentlichen Rettungsdienstes. Deshalb gibt es landesweit auch keine einheitlichen Vorschriften über die Ausbildung oder die Ausstattung der Ersthelfer: Darüber entscheidet jede Kommune selbst. Sie organisieren den Einsatz der First Responder in Absprache mit den Rettungsorganisationen und finanzieren sie auch. Denn die Krankenkassen zahlen nur für den öffentlichen Rettungsdienst.
Kommunen tragen die Kosten für First Responder
Die 2.000-Seelen-Gemeinde Miehlen beispielsweise hat ihren First Respondern 2021 eine Anschubfinanzierung von 10.000 Euro zur Verfügung gestellt. "Weiterhin haben wir ein jährliches Budget, das die Grundversorgung sichert", erklärt Gruppenleiter Andreas Retzel. Zusätzliche Ausgaben finanziere ein Förderverein aus Spenden.
Auch andere Kommunen haben den Wert der First Responder für die Rettungskette längst erkannt. So finanziert etwa die Verbandsgemeinde Puderbach schon seit 2013 eine First Responder-Gruppe mit jährlich 10.000 Euro und in der VG Wallmerod läuft seit Oktober 2025 eine entsprechende Testphase. Hier lässt der Haushalt bis zu 18.000 Euro pro Jahr zu, verteilt auf drei Gruppen. "Das ist es auch wert", urteilt Klaus Lütkefedder (CDU), Bürgermeister der VG Wallmerod.
Innenministerium: First Responder sind wichtige Ergänzung
Auch das Innenministerium in Mainz erkennt an: "First Responder-Einheiten leisten einen sehr wichtigen Beitrag ... bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes." Allerdings sieht man im Ministerium offenbar keine Notwendigkeit, die Kommunen finanziell zu entlasten und das System zu standardisieren.
In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es: "Die Einrichtung eines Ersthelfersystems ist eine freiwillige Aufgabe der kommunalen Selbstverwaltung." Man stehe dabei im Austausch mit den Kommunen. Fragen nach einer möglichen künftigen Förderung durch das Land lässt das Ministerium aber unbeantwortet.
First Responder Miehlen wünschen sich klarere Leitlinien
Dabei wünschen sich die First Responder selbst durchaus mehr Einheitlichkeit. Gerade der Aufbau von neuen Gruppen stelle eine große Herausforderung dar, berichtet Florian Schulz aus Miehlen. So habe es schon einige Anfragen aus Nachbarorten gegeben, die das Konzept übernehmen wollten: "Ich denke, wenn es da einheitliche Regeln geben würde, dann wäre das Ganze natürlich einfacher."