Was Hobbygärtner für die Artenvielfalt tun können

Expertin aus Winningen erklärt: So wird der Garten zum Paradies für Wildbienen

Wildbienen haben es schwer. Aber mit wenig Aufwand kann man ihnen helfen. Birgit Kaczmarek aus Winningen erklärt, wie sich Garten oder Balkon in ein Paradies für sie verwandeln.

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Jeder kann Wildbienen helfen

Wildbienen sind unverzichtbare Bestäuber - doch viele Arten kämpfen ums Überleben. Birgit Kaczmarek aus Winningen widmet sich in ihrem naturnahen Wildbienengarten seit Jahren dem Schutz dieser Insekten. Gemeinsam mit der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz und dem Bistum Trier bietet sie dazu einen Kurs an. Darin erklärt sie, wie jeder mit seinem Garten oder Balkon einen wertvollen Beitrag leisten kann.

"Man muss kein Biologe sein, um Wildbienen zu helfen", sagt sie. Mit ein paar durchdachten Schritten könne jeder den Tieren eine kleine Oase schaffen - im Garten, auf dem Balkon oder sogar auf der Fensterbank.

Birgit Kaczmarek hat drei verschiedene Bruthilfen in den Armen, um sie den Teilnehmern des Wildbienenkurses zu präsentieren.
Beim Wildbienenkurs der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz und von Birgit Kaczmarek waren knapp 30 Teilnehmer.

Welche Pflanzen helfen Wildbienen am meisten?

Kaczmarek steht in ihrem Innenhof. Um sie herum sitzen 30 Teilnehmer des Wildbienen-Kurses. "Wer früh im Jahr mit der Bepflanzung beginnt, sichert vielen Wildbienen das Überleben." Frühblüher wie Krokusse, Blausterne, Lerchensporn oder Traubenhyazinthen seien besonders wichtig. Und auf Wildblumenwiesen im Garten, würden sich die Tiere besonders wohlfühlen.

Eine Gemeine Löcherbiene sitzt auf einer gelb-schwarzen Blüte eines sogenannten Rauen Sonnenhuts.
Eine Gemeine Löcherbiene sammelt ihre Pollen nicht an den Beinen, sondern am Bauch. Deshalb wird sie auch Bauchsammlerbiene genannt.

Generell lasse sich das ganze Jahr über viel für sie tun. Im Sommer seien Kräuter wie Basilikum, Rosmarin, Dost (Oregano) oder verschiedene Minze-Arten hervorragend geeignet, um die Insekten anzulocken. Im Herbst schwört Kaczmarek auf die Fetthenne. So versorge man die Wildbiene das ganze Jahr über durchgängig mit Nahrung. Sie rät Nisthilfen im Garten oder auf dem Balkon anzubringen, um den Insekten etwas Gutes zu tun.

Warum ist meine Nisthilfe leer?

"Oft liegt es am Standort oder Material", weiß Kaczmarek. Ein gute Nisthilfe sollte gen Süden ausgerichtet sein, damit die Tiere viel Sonne abbekommen. Die Röhren müssten glatt sein und dürften keine scharfen Kanten haben, sonst bestehe die Gefahr, dass die Wildbienen sich die sensiblen Flügel in den Röhren kaputt machen. Außerdem sollten sie mindestens acht Zentimeter tief gebohrt sein. Wie lang die Röhren sein müssen, ist abhängig davon, welche Wildbienenart sich einnisten soll.

Zwei verschiedene Nisthilfen für Wildbienen. Auf der einen steht, sie sei geeignet, auf der anderen, sie sei ungeeignet.
Nisthilfe ist nicht gleich Nisthilfe - bei der Qualität kommt es vor allem auf die Verarbeitung an. Damit sie im Wind nicht wackeln, müssen sie fest angebracht werden.

Ohne Blüten in Reichweite ziehen die Wildbienen weiter.

Nisthilfen müssten zudem fest angebracht sein. Sie dürften im Wind nicht wackeln. Wichtig sei auch, dass es darin trocken sei und sie aus hochwertigem Material bestehen. Ein weiterer Faktor sei das Nahrungsangebot in der Nähe. "Ohne Blüten in Reichweite ziehen die Wildbienen weiter", so Kaczmarek.

Was unterscheidet Wildbienen von Honigbienen?

"Wildbienen machen keinen Honig", erklärt Kaczmarek. Außerdem lebten sie nicht in großen Völkern und hätten keine Königin zu versorgen. Die meisten Wildbienen seien Einzelgänger. Sie legten ihre Eier in hohlen Pflanzenstängeln, Erdlöchern, Mauerritzen oder Nisthilfen ab, oft in direkter Nachbarschaft zum Menschen. Es gebe über 600 verschiedene Wildbienenarten in Deutschland. Darunter Mauer-, Mörtel-, oder Blattschneiderbiene, aber auch verschiedene Hummel-Arten.

Kaczmarek erkennt viele Bienenarten schon am Summen, erzählt sie. "Sie leisten einen enormen Beitrag zur Bestäubung." Häufig seien sie dabei sogar effizienter als Honigbienen. Die meisten Honigbienen leben als Nutztiere bei Imkern und bilden große Staaten. Die wildlebende Honigbiene kommt in Deutschland nur noch sehr selten vor.

Sind Wildbienen gefährlich – können sie stechen?

Wildbienen haben zwar einen Stachel, sagt Kaczmarek, aber er sei sehr weich. Er könne die menschliche Haut gar nicht durchdringen. Außerdem seien sie ausgesprochen friedlich. "Sie leben allein und haben keinen Staat zu verteidigen. Deshalb stechen sie nur in absoluten Ausnahmesituationen", beruhigt Kaczmarek. Auch an Nisthilfen können sie gefahrlos aus nächster Nähe beobachtet werden.

Ich habe nur einen Balkon – was kann ich tun?

Auch hier gibt es viele Möglichkeiten: "Verzichten Sie auf Geranien und Zierpflanzen ohne Nährwert", empfiehlt Kaczmarek. Stattdessen seien einheimische Wildblumen, Petersilie oder Salbei hervorragend geeignet, um Wildbienen anzulocken.

"Ein kleines Schälchen mit Wasser und Steinen helfe den Wildbienen im Sommer, ihren Durst zu stillen", fügt sie hinzu. Auch ein Balkon eigne sich für eine Nisthilfe. Ein zusätzlicher Schutz vor Vögeln, etwa durch ein kleines Gitter, schützt die Brut vor hungrigen Meisen oder Spechten.

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