"Wir waren damals einfach zu früh"

Drohnen aus der Grafschaft für die Ukraine - Rüstungs-Startup startet durch

Schon vor 40 Jahren hat Michael Kügelgen Drohnen gebaut. Damals gab es keinen Markt dafür. Jetzt starten seine Prototypen über den Feldern in Grafschaft und kämpfen in der Ukraine.

Teilen

Stand

Von Autor/in Fabian Janssen

Ein lautes Wusch und die Drohne katapultiert in der Luft. Mit 100 Stundenkilometern schießt das Fluggerät von einer kurzen Rampe in den Himmel. Die Abschussrampe steht auf einem kleinen Geländefahrzeug am Feldrand in der Grafschaft im Kreis Ahrweiler. An der Fernsteuerung steht Michael Kügelgen. Eigentlich braucht die Drohne die gar nicht, sie fliegt im Einsatz selbstständig zum Angriffsziel. Für Testflüge steuert Kügelgen auch mal selbst.

Drohnen in der Grafschaft
Die Drohne wird für den Testflug über der Grafschaft vorbereitet.

Bis zu 5.000 Drohnen im Monat

Die Drohnen haben rund zwei Meter Spannweite und tragen bis zu fünf Kilo Last. Die Drohnen gibt es in verschiedenen Varianten. Blackteq produziert nach eigenen Angaben rund 500 Drohnen im Monat, bald sollen es 5.000 sein. "Das ist eine Forderung von der Ukraine. Die hätten lieber, glaube ich, noch mehr", sagt Kügelgen.

Blackteq wirbt mit "Loitering Munition", umgangssprachlich Kamikaze-Drohnen. Sie fliegen ins Zielgebiet und warten dort auf den Angriffsbefehl. Sie können sowohl zur Aufklärung oder Störung genutzt werden oder mit Kampfmitteln bestückt werden. Wofür die Ukraine die Drohnen dann genau einsetze, wisse er aber nicht, sagt Kügelgen. "Den Einbau im Nutzlastkompartment, das wird in der Ukraine vorgenommen. Wir liefern praktisch nur die Flugkörper." Das Nutzlastkompartment ist der Laderaum der Drohne, in dem zum Beispiel der Sprengstoff verbaut wird.

Ein Mann fliegt eine Drohne über eine Rasenfläche.
Michael Kügelgen testet das Rohmodell einer Drohne im Garten seiner Firma. Hier werden der Schwerpunkt und erste Flugeigenschaften ausgelotet, bevor der große Prototyp gebaut wird. Bild in Detailansicht öffnen
Der neuste Prototyp ist eine Turbinenbetriebe Drohne
Der neuste Prototyp ist eine turbinenbetriebe Drohne. Der Schornstein auf der Abschussrampe fängt die Hitze und die Abgaße beim Start auf. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Mann steht neben einer Drohne auf einer Startrampe.
Die Turbinendrohne wird für einen Testlauf des Antriebs vorbereitet. Bild in Detailansicht öffnen
Drohne auf Fabrikgelände auf einer Abschussvorrichtung.
Beim Turbinentest muss Kügelgeln Gehörschutz tragen. Leise ist die rund 400 km/h schnelle Drohne nicht. Bild in Detailansicht öffnen
Drohnenkörper auf einem Stapel
Mehrer Drohnenkörper liegen montierbereit in der Entwicklungshalle. Bald sollen 5.000 davon im Monat produziert werden. Bild in Detailansicht öffnen
Werkshalle eines Drohnenherstellers.
Mehrere Jahrzehnte Fluggeschichte sind in Kügelgens Entwicklungshalle zu sehen. Vom ersten Flugmodell, dass er mit sieben gebaut hat, über eine Drohne aus den 80gern hin zu den neusten Prototypen des Startups. Bild in Detailansicht öffnen
Prototyp einer Drohne
Der Prototyp einer seiner Drohnen Bild in Detailansicht öffnen

Auch die Bundeswehr und weitere NATO-Staaten hätten Interesse angemeldet, sagt er. Er steht hinter seinem Produkt. "Wenn man fest mit den Füßen auf der westlichen Seite steht und hinter der NATO steht, dann denke ich, ist es auch sinnvoll und legitim, dass man versucht, denen das beste Werkzeug an die Hand zu geben." Damit ist er nicht allein. Mehr und mehr junge Firmen drängen in den Rüstungssektor. Der Bund steckt jährlich 100 Milliarden in Verteidigung. Auch die deutsche Autoindustrie nimmt Rüstungsprojekte an.

Vom Maschinenbau zum Drohnen-StartUp

Die Branchenerweiterung ist für viele Firmen gerade in wirtschaftlich schweren Zeiten willkommen. Bei Michael Kügelgen liegt der Wechsel noch näher. Fliegen war schon immer sein Leben. Mit sieben Jahren baute er sein erstes Modellflugzeug mit Funksteuerung. Dann folgten Drachenflieger und Motorflugzeuge. In den 1980er Jahren entwickelte er schon beim Luftfahrtkonzern MBB Drohnen, für das Militär. "Nur damals gab es da keinen Markt", sagt er.

1993 gründete er in Grafschaft die Maschinenbaufirma MK-Technology. Jahrezehnte lang entwickelt er Spezialanlagen für Kunststoff und Metallfeinguss. Baut unter anderem Anlagen für SpaceX. Jetzt stehen Drohnen im Mittelpunkt der meisten Kriege. Und er wurde gefragt, ob er nicht wieder Drohnen bauen könne. "Zuerst habe ich mich ein bisschen gesträubt", sagt Kügelgen. "Aber irgendwann habe ich gedacht: Ja, warum nicht? Alles, was ich so um mich herum sehe, das fand ich nicht so überzeugend. Dann zeigen wir das, was wirklich technisch möglich ist und versuchen ganz oben am Möglichen zu kratzen."

Startrampe auf dem Geländewagen

Im Frühjahr dieses Jahres gründet er zusammen mit einem Geschäftspartner das Drohnen-Startup Blackteq. Bei Kügelgen beginnt die Entwicklung jeder neuen Drohne im Garten hinter seiner Firma. Mit kleinen Modellen aus Pappe. Daran testet er Steuerung und Schwerpunkt. "Und wenn das stimmt, dann trauen wir uns, das in Groß zu bauen", sagt er.

Besonders stolz ist Kügelgen auf das Startsystem. "Es ist eine sehr kompakte Einheit, die geländegängig ist und die überall hingefahren werden kann. Und dieser Launcher ist in unter einer Minute einsatzklar", sagt er. Mit Druckluft werden die Drohnen in den Himmel katapultiert. Eine Startbahn gibt es an der Front nicht. Gebaut werden die Launcher in seiner Maschinenbaufirma.

Der neuste Prototyp ist eine Turbinenbetriebe Drohne
Der neuste Prototyp ist eine turbinenbetriebe Drohne. Der Schornstein auf der Abschussrampe fängt die Hitze und die Abgaße beim Start auf.

Neue Entwicklungen und Zukunftsideen

Kügelgens neuster Prototyp ist eine turbinenbetriebene Drohne. Sie soll mit bis zu 400 km/h in ihr Angriffsziel schießen können. Sein StartUp soll durch den Auftrag aus der Ukraine jetzt auf rund 60 Mitarbeiter wachsen, gibt er an. Und er denkt über eine neue große Fertigungshalle in der Grafschaft nach.

Ahrtal
Im Ahrtal erproben rund 60 Telnehmende aus Europa den Katastrophenschutz.

Teilnehmer aus Europa probten Ernstfall Ahrtal-Übung: Wie Drohnen und Satelliten den Katastrophenschutz verändern könnten

In Bad Neuenahr-Ahrweiler und in Mayschoß waren rund 60 europäische Teilnehmer, um den Katastrophenschutz im Ahrtal zu erproben. Das Szenario orientierte sich an der Flut 2021.

Koblenz
Die neue Schutzhülle um den havarierten Reaktor von Tschernobyl aus der Luft

40 Jahre nach dem Reaktor-Unglück Drohnenangriff auf Tschernobyl: Koblenzer Firma will beschädigte Schutzhülle reparieren

Die Schutzhülle, die den Tschernobyl-Reaktor abschirmt, wurde durch einen Drohnenangriff im vergangenen Jahr schwer beschädigt. Eine Koblenzer Firma soll Abhilfe schaffen.

SWR4 am Freitag SWR4

Altenahr
Das sogenannte SHERP-Fahrzeug ist besonders geländegängig und kam jetzt auch bei einer Übung im Ahrtal zum Einsatz.

Forscher setzen neue Technik ein Hochwasserschutz: Hightech-Roboter und Drohnen im Ahrtal getestet

An der Ahr haben Forscher drei Wochen lang den Ernstfall in einem realistischen Hochwasserszenario geprobt. Dabei wurden Drohnen und Roboterfahrzeuge eingesetzt.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RLP

Koblenz
Eine männliche Hand hält ein Handy mit dem grünen Logo von WhatsApp auf dem Display

Neues Angebot des SWR Studios Koblenz Nachrichten aus der Region Koblenz jetzt auf WhatsApp lesen

Das SWR Studio Koblenz ist jetzt auch auf dem Messenger-Dienst WhatsApp aktiv. Dort finden Sie regionale Nachrichten aus dem Ahrtal, von Mosel und Rhein, dem Taunus und Westerwald.

SWR4 RP am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Fabian Janssen
Foto von Multimediareporter Fabian Janssen

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!