Ein lautes Wusch und die Drohne katapultiert in der Luft. Mit 100 Stundenkilometern schießt das Fluggerät von einer kurzen Rampe in den Himmel. Die Abschussrampe steht auf einem kleinen Geländefahrzeug am Feldrand in der Grafschaft im Kreis Ahrweiler. An der Fernsteuerung steht Michael Kügelgen. Eigentlich braucht die Drohne die gar nicht, sie fliegt im Einsatz selbstständig zum Angriffsziel. Für Testflüge steuert Kügelgen auch mal selbst.
Bis zu 5.000 Drohnen im Monat
Die Drohnen haben rund zwei Meter Spannweite und tragen bis zu fünf Kilo Last. Die Drohnen gibt es in verschiedenen Varianten. Blackteq produziert nach eigenen Angaben rund 500 Drohnen im Monat, bald sollen es 5.000 sein. "Das ist eine Forderung von der Ukraine. Die hätten lieber, glaube ich, noch mehr", sagt Kügelgen.
Blackteq wirbt mit "Loitering Munition", umgangssprachlich Kamikaze-Drohnen. Sie fliegen ins Zielgebiet und warten dort auf den Angriffsbefehl. Sie können sowohl zur Aufklärung oder Störung genutzt werden oder mit Kampfmitteln bestückt werden. Wofür die Ukraine die Drohnen dann genau einsetze, wisse er aber nicht, sagt Kügelgen. "Den Einbau im Nutzlastkompartment, das wird in der Ukraine vorgenommen. Wir liefern praktisch nur die Flugkörper." Das Nutzlastkompartment ist der Laderaum der Drohne, in dem zum Beispiel der Sprengstoff verbaut wird.
Auch die Bundeswehr und weitere NATO-Staaten hätten Interesse angemeldet, sagt er. Er steht hinter seinem Produkt. "Wenn man fest mit den Füßen auf der westlichen Seite steht und hinter der NATO steht, dann denke ich, ist es auch sinnvoll und legitim, dass man versucht, denen das beste Werkzeug an die Hand zu geben." Damit ist er nicht allein. Mehr und mehr junge Firmen drängen in den Rüstungssektor. Der Bund steckt jährlich 100 Milliarden in Verteidigung. Auch die deutsche Autoindustrie nimmt Rüstungsprojekte an.
Vom Maschinenbau zum Drohnen-StartUp
Die Branchenerweiterung ist für viele Firmen gerade in wirtschaftlich schweren Zeiten willkommen. Bei Michael Kügelgen liegt der Wechsel noch näher. Fliegen war schon immer sein Leben. Mit sieben Jahren baute er sein erstes Modellflugzeug mit Funksteuerung. Dann folgten Drachenflieger und Motorflugzeuge. In den 1980er Jahren entwickelte er schon beim Luftfahrtkonzern MBB Drohnen, für das Militär. "Nur damals gab es da keinen Markt", sagt er.
1993 gründete er in Grafschaft die Maschinenbaufirma MK-Technology. Jahrezehnte lang entwickelt er Spezialanlagen für Kunststoff und Metallfeinguss. Baut unter anderem Anlagen für SpaceX. Jetzt stehen Drohnen im Mittelpunkt der meisten Kriege. Und er wurde gefragt, ob er nicht wieder Drohnen bauen könne. "Zuerst habe ich mich ein bisschen gesträubt", sagt Kügelgen. "Aber irgendwann habe ich gedacht: Ja, warum nicht? Alles, was ich so um mich herum sehe, das fand ich nicht so überzeugend. Dann zeigen wir das, was wirklich technisch möglich ist und versuchen ganz oben am Möglichen zu kratzen."
Startrampe auf dem Geländewagen
Im Frühjahr dieses Jahres gründet er zusammen mit einem Geschäftspartner das Drohnen-Startup Blackteq. Bei Kügelgen beginnt die Entwicklung jeder neuen Drohne im Garten hinter seiner Firma. Mit kleinen Modellen aus Pappe. Daran testet er Steuerung und Schwerpunkt. "Und wenn das stimmt, dann trauen wir uns, das in Groß zu bauen", sagt er.
Besonders stolz ist Kügelgen auf das Startsystem. "Es ist eine sehr kompakte Einheit, die geländegängig ist und die überall hingefahren werden kann. Und dieser Launcher ist in unter einer Minute einsatzklar", sagt er. Mit Druckluft werden die Drohnen in den Himmel katapultiert. Eine Startbahn gibt es an der Front nicht. Gebaut werden die Launcher in seiner Maschinenbaufirma.
Neue Entwicklungen und Zukunftsideen
Kügelgens neuster Prototyp ist eine turbinenbetriebene Drohne. Sie soll mit bis zu 400 km/h in ihr Angriffsziel schießen können. Sein StartUp soll durch den Auftrag aus der Ukraine jetzt auf rund 60 Mitarbeiter wachsen, gibt er an. Und er denkt über eine neue große Fertigungshalle in der Grafschaft nach.