Der mutmaßlich islamistisch motivierte, tödliche Anschlag beim Christoper Street Day in Berlin - er hat Patricia Pederzani nicht wirklich überrascht. Die Transfrau ist die Queerbeauftragte in Koblenz und erlebt jeden Tag, dass das gesellschaftliche Klima queeren Menschen gegenüber rauher wird, auch in Koblenz. Bundesweit habe sich die Gewalt gegenüber Lesben, Schwulen und anderen sexuell diversen Minderheiten seit 2021 verachtfacht, sagt Pederzani. Das belege die Statistik.
Und das spüre die queere Community auch in Koblenz, so die Queerbeauftragte: Deshalb sei der CSD Mitte August in Koblenz nicht nur "eine Spaßveranstaltung, sondern auch ein politischer Protest. Es ist eine Sichtbar-Machung um etwas dafür zu tun, dass sich die Gesellschaft weiter öffnet und mehr abkehrt von Hass und Gewalt, die leider gerade immer stärker werden."
Offene und versteckte Gewalt in Koblenz nimmt zu
Natürlich sei man in Koblenz nicht an dem Punkt angekommen, dass queere Menschen auf offener Straße verprügelt würden. Aber es gebe offene und versteckte Gewalt - etwa Behörden, die Betroffenen das Leben unnötig schwer machten, wie sie sagt. Aber auch Diskriminierung, obzöne Gesten oder Beleidigungen und Beschimpfungen im Alltag und im Internet gehörten dazu.
Sie und ihre Partnerin hätten beispielsweise schon immer geguckt, "wo wir Händchen halten und uns küssen. Das hat sich nicht geändert, das hat sich zuletzt aber verstärkt", berichtet Patricia Pederzani. Insgesamt erlebe sie, dass queere Menschen weniger akzeptiert würden, als noch vor ein paar Jahren.
Weniger Menschen solidarisieren sich
Ähnliche Erfahrungen macht auch Patrick Zwiernik. Er ist homosexuell, sitzt für die Grünen im Koblenzer Stadtrat und gehört ebenfalls zum Orga-Team des Christopher Street Days in Koblenz. Er erlebe, dass Umstehende heute weniger oft eingreifen und sich solidarisieren, wenn queere Menschen beleidigt und beschimpft werden. Das habe sich deutlich geändert im Vergleich zu früher.
Auch die digitale Gewalt nehme zu: Zwiernik erzählt, dass er nach der Mahnwache in Koblenz am Sonntagabend ein Video gepostet hat. In kürzester Zeit hätten rund 140 Hasskommentare darunter gestanden. "Das ist inzwischen normaler Alltag", bedauert er. "Da sind Profile mit dabei, bei denen die Menschen mit ihren Familien abgebildet sind, mit ihren Arbeitgebenden. Also Menschen, die meinen, das wäre richtig so mit ihren Klarnamen zu formulieren." Er werde jeden Hasskommentar bei der Polizei zur Anzeige bringen.
Organisatoren des CSD: "Nur gemeinsam sind wir stark"
Deshalb wünschen sich sowohl Pederzani als auch Zwiernik, dass möglichst viele Menschen zum CSD nach Koblenz kommen. Auch sogenannte "Allies", also Menschen, die selbst nicht zur queeren Community gehören. "Denn nur gemeinsam sind wir stark", sagen beide. "Nur gemeinsam können wir für eine freie, demokratische Grundordnung einstehen." Auch dafür stehe der CSD. 2025 waren nach Angaben der Organisatoren etwa 2.500 Menschen dabei.
CSD-Motto in Koblenz: "Two rivers: one love!"
In Koblenz wird ab dem 13. August drei Tage lang der Christopher Street Day gefeiert - unter anderem mit einem Straßenfest rund um die Liebfrauenkirche und einer Demonstration am Samstag durch die Koblenzer Innenstadt. Beim Christopher Street Day setzen sich Lesben und Schwule und andere queere Minderheiten gegen Diskriminierung und Ausgrenzung ein. Und sie feiern ihre Vielfalt bei einem großen Umzug.
Behörden und Organisatoren reden über Sicherheitsmaßnahmen
In Berlin war am Samstag bei einem vermutlich islamistisch motivierten Terroranschlag auf den CSD in Berlin eine Frau getötet und 29 Menschen verletzt worden. Die Koblenzer Polizei sagte dem SWR, seitdem stehe man im engen Kontakt mit den Organisatoren der Koblenzer Pride-Woche und beobachte die Lage. Noch wisse man aber nicht, ob die Sicherheitsmaßnahmen rund um den CSD in Koblenz verschärft werden oder nicht. Das sei vermutlich erst in der Woche vor dem Christopher Street Day klar.