Nach dem islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin laufen auch beim Organisationsteam des CSD Kaiserslautern die Vorbereitungen für die Veranstaltung im September unter veränderten Vorzeichen. In anstehenden Gesprächen mit der Stadt will das Orga-Team nach eigenen Angaben unter anderem dafür werben, dass Poller zur Verfügung gestellt werden, wie sie auch beim Weihnachtsmarkt eingesetzt werden.
"Lautern ist lauter als Hass"
Von der Veranstaltung abrücken will das Team aber auf keinen Fall. "Wir werden dem nicht weichen", sagt Pfarrerin Claudia Kettering, die den CSD in Kaiserslautern mitorganisiert. Gerade jetzt komme es darauf an, sichtbar zu bleiben und sich den Platz in der Gesellschaft nicht nehmen zu lassen. Als mögliches Motto für den diesjährigen CSD werde derzeit "Lautern ist lauter als Hass" diskutiert.
„Was gestern passiert ist, macht mich fassungslos“ Diese Stars finden deutliche Worte nach dem Anschlag auf den CSD
Der Anschlag auf den CSD in Berlin schockt SWR3Land. Stars wie Sarah Connor, Ikkimel und Bill Kaulitz drücken ihre Trauer und das Mitgefühl für Betroffene auf Instagram aus.
Der erste CSD in Kaiserslautern im vergangenen Jahr sei trotz einer kleinen Gegendemonstration friedlich verlaufen und von großer Solidarität geprägt gewesen. Umso wichtiger sei es jetzt, dass auch Menschen außerhalb der queeren Community ihre Solidarität zeigten.
Bedrohungsgefühl für queere Menschen in Kaiserslautern "größer geworden"
Der Anschlag hat die queere Community in ganz Deutschland dennoch tief getroffen - auch in Kaiserslautern. Überraschend komme die Entwicklung allerdings nicht, sagt Kettering: "Wir spüren einen raueren Ton und beschäftigen uns natürlich auch damit, dass es demokratiefeindliche und vielfaltsfeindliche Kräfte in unserer Gesellschaft gibt, für die queere Menschen ein großes Hassziel sind. Wir als queere Community spüren diese Bedrohungslage schon lange."
Warnung vor Instrumentalisierung
Religiöser Fanatismus müsse ernst genommen werden, sagt Kettering. Gleichzeitig dürften queere Menschen und Menschen mit Migrationsgeschichte nicht gegeneinander ausgespielt werden. Sie sieht allerdings die Gefahr, dass der Anschlag vor allem von rechten Parteien politisch instrumentalisiert wird. "Wir wehren uns ganz stark dagegen, dass so eine furchtbare Tat politisch instrumentalisiert wird", sagt sie. "Das Spiel werden wir nicht mitmachen." Stattdessen seien mehr Investitionen in Demokratiebildung, Präventions- und Jugendarbeit nötig. Menschenfeindliche Ideologien dürften keinen Platz in der Gesellschaft haben.
Schlabbeflicker-Festival Pirmasens: Keine zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen
Auch in Pirmasens hat der Anschlag bei der Stadtspitze für Betroffenheit gesorgt. Für das Schlabbeflicker-Festival am kommenden Wochenende sehen Stadt und Polizei derzeit allerdings keinen Anlass, das bereits abgestimmte Sicherheitskonzept zu erweitern. Die Zufahrten werden unter anderem mit Betonblöcken, Wasserbehältern und mobilen Fahrzeugsperren gesichert. Das Konzept werde fortlaufend an die aktuelle Lage angepasst, teilt die Stadt mit.