Philipp Gresch organisiert den diesjährigen CSD mit, ist selbst schwul und schon lange ein Mitglied bei Schwuguntia. Der Verein will das queere Leben in Mainz sichtbar und erlebbar machen.
Der 44-Jährige sagt, sich offen als queere Person zu bewegen rufe eigentlich bei allen in der Community Unwohlsein hervor.
Pöbeleien wegen Händchenhalten
Als weißer Cis-Mann, der auch noch relativ groß sei, habe er selbst noch nicht so viel an Anfeindungen miterlebt, erzählt er. An eine Situation erinnert sich der Mainzer aber noch sehr gut.
Er kam mit Freunden von einer Veranstaltung in Köln und lief händchenhaltend durch die Stadt. Dann wurden sie von einer Gruppe Männer angepöbelt.
"Obwohl wir nicht wenige Leute waren, sind wir sofort auseinandergegangen und haben aufgehört Händchen zu halten", erinnert sich Philipp Gresch. "Das war schon ein Moment, der mich sehr erschreckt hat", sagt er.
Anfeindungen und Angriffe auf Dragqueens
In seiner Freizeit tritt der 44-Jährige auch als Dragqueen auf. "Ganz viele Queens haben schon Anfeindungen erlebt. In Frankfurt ist es schon passiert, dass mehrere Artists verprügelt worden sind", sagt Gresch.
Er kenne außerdem Kollegen, die nicht mehr mit dem Bus oder Zug fahren, sondern nur noch mit dem Taxi. Auch im Internet schlage den Dragqueens Hass entgegen.
Dieses Unwohlsein, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen als offen queere Person, das ist eigentlich in der ganzen Community da.
"Das Thema Sicherheit ist generell ein großes Thema", sagt Gresch. Bei CSDs gebe es immer wieder Pöbeleien. Von Freunden und Freundinnen aus Thüringen und Sachsen-Anhalt habe er gehört, dass Pöbeleien, Störaktionen und Gewalt auf den CSDs dort sehr stark zunähmen.
Queerfeindliche Angriffe auf Christopher Street Day
Auch am vergangenen CSD-Wochenende in Frankfurt am Main kam es laut Polizei zu zwei queerfeindlichen Angriffen. Ein 62-jähriger Mann, der mit seinem Partner Händchen gehalten hatte, wurde von einem Unbekannten mit einer Glasflasche geschlagen.
In dem zweiten Fall wurden laut Polizei Flaschen auf eine queere Bar geworfen. Es sei niemand verletzt worden, aber eine Glasscheibe beschädigt worden, so die Polizei.
Angriff auf Schauspieler in Mainz
"In Mainz ist es auch schlimmer geworden, im Vergleich zu vor fünf oder acht Jahren. Aber es ist noch verhältnismäßig ruhig", schätzt Philipp Gresch die Lage ein. Aber Angriffe und Beleidigungen auf die LGBTQIA+ Community gebe es auch in Mainz.
2023 wurde zum Beispiel der Schauspieler Carl Grübel laut Polizei von einem Mann mit homophober Einstellung beleidigt und mit der Faust ins Gesicht geschlagen. "Das war wirklich sehr übel", erinnert sich Philipp Gresch.
Queere Rechte erleben eigentlich eher wieder einen Rückschritt.
"Man weiß nicht, wohin das sich noch entwickelt." Queere Rechte entwickelten sich eher wieder zurück, so der 44-Jährige. In den letzten Jahrzehnten habe man das Gefühl gehabt, man könne die Rechte ausbauen, hin zu einer echten Gleichberechtigung.
Jetzt habe sich in der Community längst die Erkenntnis durchgesetzt, dass man das Erreichte verteidigen müsse.
CSD in Mainz nicht speziell gesichert
Zwar sei man wegen des Christopher Street Days in Mainz mit der Polizei in Kontakt, sagt Gresch. Aber speziellere Sicherheitsvorkehrungen als bei anderen Veranstaltungen oder Demonstrationen gebe es nicht.
"Respekt, Anstand und Würde"
"Wenn ich eine utopische Forderung an die Gesellschaft hätte, dann würde ich mir schon wünschen, dass es wieder mehr Werte in der Gesellschaft gibt. Respekt, Anstand und Würde. Dass das alles eine größere Rolle spielt", sagt Philipp Gresch.