Acht Uhr im Pfälzerwald bei Trippstadt (Kreis Kaiserslautern). Ende Juni: Noch sind es 23 Grad, doch die Temperaturen sollen steigen – und das nicht nur an einem Tag. Die zunehmende Hitze durch den Klimawandel ist eine Belastung für den Wald. Auch deshalb steht in diesen Tagen eine Gruppe Waldexpertinnen und -experten schon früh vor den Bäumen und wirft professionelle Blicke in deren Baumkronen.
Doch was sehen sie dort oben? "Die Baumkrone ist ein Spiegelbild der Wurzel und auch des Zuwachses", sagt Friedrich Engels von der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft. "Und die Baumkrone ist natürlich der Baumteil, den wir am einfachsten und am schnellsten beurteilen können", so Engels, der die Gruppe der Baumbeobachter durch den Wald führt.
Forst-Teams untersuchen Bäume in RLP
Vor einer Kiefer sagt er: "Bei diesem Baum haben wir im Vorfeld 20 Prozent Nadelverlust festgestellt." – "Oh, ich wäre bei 15 Prozent gewesen", sagt einer der Teilnehmenden. Ein anderer ist von fünf Prozent ausgegangen. Aus diesen unterschiedlichen Einschätzungen wird später ein gemeinsamer Wert gebildet, der zeigt, wie vital der jeweilige Baum ist. Die Nadeldichte ist das Hauptkriterium, sie diskutieren allerdings auch Blüten, Schäden und Befruchtung der Bäume.
Die Fachleute aus allen Bundesländern sind nach Trippstadt gekommen, um sich auf gemeinsame Maßstäbe zu einigen, damit später alle denselben Waldzustand sehen, wenn sie in die Kronen blicken. An markierten Übungsbäumen diskutieren sie, ab wann eine Krone als deutlich gelichtet gilt, wie Trockenstress, Borkenkäfer, Raupenfraß oder Pilzbefall richtig eingeordnet werden und welche Schäden noch als "normaler" Konkurrenzkampf der Bäume im Wald gelten.
Warum Förster aus ganz Deutschland nach Trippstadt kommen
Diese Abstimmungsrunde ist so etwas wie der Probelauf für die große Waldzustandserhebung im Sommer: Was hier im Pfälzerwald festgelegt wird, nutzen später die Forst-Teams in allen Bundesländern, wenn sie tausende Probebäume beurteilen. Ziel ist, dass der Waldzustandsbericht am Ende des Jahres vergleichbare Zahlen liefert – über Jahrzehnte hinweg und auch über Ländergrenzen hinaus. "Der Grundzustand, den wir erheben, ist eigentlich mehr ein Signal an die Öffentlichkeit und auch an die Politik", so Engels.
Der Trend sei seit Mitte der 80er Jahre, dass die Baumkronen ausdünnen. "Wir konnten aber auch beobachten", so Engels, "dass - wenn günstige Witterungsbedingungen sind, kein Insektenbefall, kein Pilzbefall - sich dann die Bäume durchaus auch wieder erholen können." Durch neue Zweige und neue Blätter würden die Bäume dann wieder dichter.
Der Wald in RLP: Erholt er sich langfristig?
Der Waldzustandsbericht vergangenes Jahr zeigte, dass der Wald in Rheinland-Pfalz sich nach sieben schwierigen Jahren erstmals leicht erholt. Buche und Eiche stehen wieder besser da und der Anteil geschädigter Bäume sank von 87,5 auf 81,4 Prozent.
Waldzustandsbericht 2025 des Umweltministeriums Dem Wald in RLP geht es nach sieben Jahren wieder besser
Der Wald in Rheinland Pfalz hat sich 2025 erstmals seit Jahren leicht erholt. Das zeigt der neue Waldzustandsbericht, den Klimaschutzministerin Katrin Eder (Grüne) in Mainz vorgestellt hat.
Genau deshalb sind Engels die langfristigen, einheitlich erhobenen Daten wichtig: Nur sie können zeigen, ob sich der Wald langsam stabilisiert oder ob der Stress weiter zunimmt.
Waldzustandsbekundung 2026 startet im Juli
Nach der Tagung in Trippstadt üben die jeweiligen Landes-Teams die Einschätzung noch einmal mit ihren eigenen Aufnahmekolonnen, bevor sie in den Wäldern die Bäume begutachten. In Rheinland-Pfalz sollen die Bäume in diesem Jahr von Mitte Juli bis Mitte August begutachtet werden. Die Ergebnisse werden anschließend ausgewertet, an das Umweltministerium gemeldet und fließen in den Waldzustandsbericht ein, der zum Jahresende erscheinen soll.