Warum Dialekt besser als Hochdeutsch ist, darüber muss der Sprachwissenschaftler Michael Werner nicht lange nachdenken: "Sprache stiftet Identität und schafft Nähe. Das leistet der Dialekt besser als Hochsprache." Dafür reiche schon aus, wenn nur wenige Worte auf die eine bestimmte Art und Weise gesprochen werde. "Man weiß sofort: Ah, der kommt von dort und da komme ich auch her."
Unterschiede zwischen Westpfälzer Dialekten werden geringer
Man könnte sagen, Michael Werner ist Dialekt-Ultra - er hat seine Magisterarbeit über das Pfälzische geschrieben und anschließend über pfälzische Dialektvarianten, die im Ausland gesprochen werden, promoviert. Über und mit Dialekt zu sprechen hält der Sprachwissenschaftler für sehr wichtig. "Sonst wird der Dialekt langsam verschwinden." Gleichzeitig betrachtet er diese Entwicklung auch nüchtern: "Die Menschen werden immer mobiler, alles wird internationaler." Das seien normale Entwicklungen. "Sprache steht nie still."
Diese Entwicklungen gehen auch am Pfälzischen nicht vorbei. "Eigentlich gibt es in der Pfalz rund 1.000 Orte, das heißt rund 1.000 Dialekte", sagt der Sprachwissenschaftler. "Aber die unterscheiden sich teilweise nur noch graduell." Deutliche Unterschiede gebe es aber nach wie vor zwischen dem Vorderpfälzischen und dem Westpfälzischen. "Der Grund ist natürlich der Pfälzerwald", erklärt Werner. Die räumliche Trennung habe die beiden Varianten des Pfälzischen stark auseinanderdriften lassen - eine historische Entwicklung, die aber bis heute anhält.
Pfälzisch ist nicht gleich Pfälzisch: Varianten im SWR Studio Kaiserslautern
Erklärung zum Video: In der Redaktion des SWR Studios Kaiserslautern werden verschiedene Varianten des Pfälzischen Dialekts abgebildet. Im Video präsentieren wir einen der sogenannten Wenkersätze. Der Sprachwissenschaftler Georg Wenker hat diese Sätze Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt - sie eignen sich besonders gut, um lautliche und grammatikalische Unterschiede zwischen Dialekten zu erfassen.
Kabarettist aus dem Donnersbergkreis spielt mit dem Pfälzer Dialekt
"Es hat was Ehrliches", sagt Ramon Chormann über den Pfälzer Dialekt. Chormann ist Kabarettist und nutzt seinen Dialekt auch, um Menschen zum Lachen zu bringen. "Die Pfälzer haben so viele unterschiedliche Färbungen. Damit kann man gut im Programm spielen", sagt er. Chormann stammt ursprünglich aus der Ortsgemeinde Bischheim im Donnersbergkreis. Inzwischen tritt er vor allem in seinen eigenen Theatern in Kirchheimbolanden und Mainz auf.
"Ich finde es wichtig, dass man sich nicht schämt, wenn man Dialekt spricht", sagt Chormann. Vielmehr solle man sich trauen, zu zeigen, wo man herkomme. Wie der Sprachwissenschaftler Michael Werner befürchtet auch er, dass der Dialekt womöglich verloren geht. "Es wäre schade, wenn in ein paar Jahren mit gewissen Worten, Redewendungen und auch der Kultur niemand mehr etwas anfangen kann." Vom Hochdeutschen hält auch er nicht viel: "Das klingt aufgesetzt."