Suliman Belal floh 2015 aus seiner Heimat Syrien, weil er dort aufgrund der Wehrpflicht gezwungen wurde, mit einer Waffe Menschen zu töten, erzählt er. Er floh vor dem Hunger, der Angst und davor, dass er sich dort nie frei äußern konnte. Inzwischen lebt er schon zehn Jahre in Kirchheimbolanden. Auch wenn es das Assad-Regime nicht mehr gibt, lebt er bis heute in Angst.
SWR-Aktuell: Wie ist die Situation in Syrien ein Jahr später?
Suliman Belal: Die einzige Sache, die positiv ist, ist dass Assad weg ist. Da laufen immer noch Assad-Anhänger frei herum, die viele Leute getötet haben und die verantwortlich sind. In Syrien gibt es immer noch so viel Hass und Hetze. Es kommt zu Angriffen und Massakern unter den verschiedenen Gruppen. Aktuell haben wir dort auch eine Übergangspolitik - und viele Leute wissen nicht, wie es politisch überhaupt weiter geht.
"Mutter in Syrien wiedersehen" Syrer in der Region Kaiserslautern: Freude über Ende des Assad-Regimes
Viele Syrerinnen und Syrer in Deutschland haben sich glücklich über den Sturz des Assad-Regimes gezeigt. Auch in Kaiserslautern haben am Sonntag rund 150 von ihnen gefeiert.
SWR-Aktuell: Sie haben Familie in Syrien - wie geht es ihnen dort?
Belal: Wenn man die aktuelle Sicherheitslage mit der zu Zeiten des Assad-Regimes vergleicht, hat sie sich natürlich verbessert. Mein Bruder hatte früher riesige Angst, dass sie ihn zur Armee einberufen. Das ist jetzt nicht mehr so. Meine Mutter hat mir erzählt, dass sie jetzt bis zu 18 Stunden Strom am Tag haben. Die Gehälter werden erhöht. Die Menschen die dort leben, sind jetzt viel freier als früher. Mein Vater durfte früher nicht einmal das Dorf verlassen, weil verschiedene Gruppen alles kontrolliert haben. Heute geht das. Auch die Grenzkontrollen sind entspannter. Dazu muss ich aber zu all den positiven Sachen sagen, dass ich mich immer noch nicht traue, meine Meinung frei zu sagen. Sobald ich dieses Gefühl habe, kann ich mich einfach nicht freuen.
SWR-Aktuell: Wollen Sie trotzdem irgendwann wieder zurück?
Belal: Früher wusste ich genau, sobald ich nach Syrien komme, werden sie mich einkassieren. Eben weil ich die Wehrpflicht verweigert habe. Heute weiß ich, dass mir das dort nicht mehr passieren wird. Es gibt keinen Assad mehr. Trotzdem hab ich mir mein Leben hier aufgebaut und ich schmeiße das nicht alles weg. Das kann ich einfach nicht.
Ich wünsche mir, dass die Syrer, die jetzt zurück nach Syrien gehen, all das Positive von hier mitnehmen."
SWR-Aktuell: Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft?
Belal: Ich wünsche mir, dass die Syrer, die jetzt zurück nach Syrien gehen, all das Positive von hier mitnehmen. Dass wir uns, egal welche politische Meinung wir haben, akzeptieren und respektieren. Die Syrer, die zurückgehen, sollen in Syrien zeigen, dass Deutschland uns das beigebracht hat. Mein Traum wäre auch, dass ich mit meinen deutschen Freunden irgendwann nach Syrien reisen kann. Ich will Ihnen all das Schöne in meiner Heimat zeigen - ohne, dass wir Angst haben müssen.