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Boxclub Pirmasens: Ukrainer und Russen trainieren gemeinsam

In Pirmasens fliegen zwischen Ukrainern und Russen schonmal die Fäuste – allerdings friedlich. Denn sie trainieren gemeinsam im Boxclub.

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"Ok, jetzt in Kampfposition stehen." Boxtrainer Sergej Mermis steht in der Mitte der Sporthalle des Hugo Ball-Gymnasiums in Pirmasens. Dort erklärt und zeigt er die ersten Übungen. Um ihn herum eine bunt gemischte Boxtruppe aus etwa 30 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

2022 von Cherson in die Südwestpfalz

Trainer Sergej kommt aus Cherson in der Ukraine. Er ist 2022 mit seiner Frau und den beiden kleinen Söhnen von dort vor dem Krieg in die Pfalz geflohen. Er sieht keinen Grund, warum er andere Menschen hassen sollte, sagt er. "Ich weiß nicht, warum. Für mich ist das eine Katastrophe. Aber das Leben geht weiter."

In der Sporthalle des Hugo Ball-Gymnasiums Pirmasens wird geboxt.
Sergej Mermis (links im Bild) kommt aus der Ukraine, Vitali Litz stammt aus Russland. Beide trainieren Sportler aus einem Dutzend Nationen beim Boxclub Pirmasens.

Boxclub Pirmasens mit russischen und ukrainischen Trainern und Sportlern

Sergej Mermis trainiert die Sportler im Pirmasenser Boxclub gemeinsam mit mehreren deutschen und einem weiteren ukrainischen Trainer – und mit Vitali Litz. Der ist nicht nur der Vereinsvorsitzende, sondern stammt aus Russland und ist als sogenannter Aussiedler vor fast 30 Jahren mit seinen Eltern aus Belgorod nahe der ukrainischen Grenze in die Südwestpfalz gekommen.

Gute Stimmung beim Boxclub Pirmasens

Und er sagt, dass im Boxclub nicht danach geschaut wird, wer aus welchem Land kommt. "Wir sind Menschen, die jetzt hier sind, in Deutschland, und wir müssen uns verständigen, das ist meine Einstellung." Und verstehen tun sich Sportler und Trainer gut. Der 15-jährige Roman aus der Ukraine sagt, dass sie sich gegenseitig so behandeln würden, wie sie auch selbst behandelt werden wollen. "Jeder ist hier gut mit dem anderen. Das gefällt mir."

Für mich kommt Menschlichkeit an erster Stelle

Trainer Sergej Mermis sieht das genauso. Sie seien alle Menschen, sagt er, egal aus welchem Land. Immerhin sind in Pirmasens an diesem Abend Kinder und junge Leute aus elf Nationen beim Training. Die Freude am Boxen verbinde sie alle, sagt Mermis. "Wenn er ein guter Mann oder eine gute Frau ist – warum muss ich ihn dann hassen? Für mich kommt Menschlichkeit an erster Stelle."

Boxtrainer: Kein Verständnis für Kriegshandlungen

Zudem seien sich Ukrainer und Russen ziemlich ähnlich, sagt Sergej Mermis. Viele Ukrainer sprächen russisch, im Grenzgebiet gebe es viele ukrainisch-russische Paare und Religion und Mentalität seien ebenfalls gleich. Daher kann er auch nicht verstehen, warum Ukrainer und Russen gegeneinander kämpfen. "Wir kämpfen, warum? Für was? Für Putin? Oder für Selenskyj? Nein, es sind einfach politische Sachen."

In der Sporthalle des Hugo Ball-Gymnasiums Pirmasens wird geboxt.
Sergej Mermis zeigt die Trainingsübungen. Bild in Detailansicht öffnen
In der Sporthalle des Hugo Ball-Gymnasiums Pirmasens wird geboxt.
Sergej Mermis (3. von rechts) mit einem Teil seiner Boxer in der Pirmasenser Sporthalle. Einige trainieren auch in der Leistungsgruppe und nehmen an Meisterschaftskämpfen teil. Bild in Detailansicht öffnen
In der Sporthalle des Hugo Ball-Gymnasiums Pirmasens wird geboxt.
Zwei junge Sportler des Boxclubs Pirmasens beim Sparring. Hier zählen nur Sport und Respekt. Politik bleibt vor der Halle. Bild in Detailansicht öffnen
In der Sporthalle des Hugo Ball-Gymnasiums Pirmasens wird geboxt.
Roman (links im Bild) fühlt sich wohl im Boxclub Pirmasens. Er sagt: "Jeder ist hier gut mit dem anderen. Das gefällt mir." Bild in Detailansicht öffnen
In der Sporthalle des Hugo Ball-Gymnasiums Pirmasens wird geboxt.
Schattenboxen ist Teil des Trainings im Boxclub. Bild in Detailansicht öffnen

Keine Politik in Pirmasenser Boxhalle

Politik ist im Boxclub Pirmasens grundsätzlich kein Thema. Denn dort geht es um sportliche Leistung und um Respekt. Auffällig ist, dass jeder Sportler, der die Halle betritt, die Anwesenden per Handschlag begrüßt. Egal wie alt oder sportlich erfahren. "Das ist eine Pflicht. Wenn du bei uns in die Halle kommst, sagst du jedem "hallo", gibst die Hand." Das gebiete der Respekt, sagt Vitali Litz. Und diesen Respekt würden die Jugendlichen auch außerhalb der Halle anwenden.

Der Sport tut den ukrainischen Trainern gut.

Auch wenn Politik in der Boxhalle eigentlich keinen Platz hat, würde der Krieg in der Ukraine doch manchmal Thema, so der Vereinschef. Denn, so erzählt Vitali Litz, er merke schon, wenn es den beiden ukrainischen Trainern im Team nicht so gut gehe, weil beispielsweise deren Heimatstadt bombardiert worden sei. "Das sind schon traurige Momente, aber bei beiden merke ich auch, der Sport tut ihnen gut, die lenken sich ab. Die bringen hier etwas in die Gesellschaft ein, bringen den Jungs und Mädels etwas bei."

Glücklich in der Südwestpfalz

Sergej Mermis und seine Familie sind in der Südwestpfalz und im Boxclub Pirmasens richtig angekommen. Denn dort wurden sie gut aufgenommen, freut sich Mermis. Die Deutschen seien von Anfang an sehr freundlich gewesen. "Frieden ist das Beste, das Menschen im Herzen haben können."

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SWR

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