Ob häusliche Gewalt, Stalking oder sexuelle Übergriffe: Wer Opfer einer solchen Straftat geworden ist, kann sich an den Weißen Ring wenden. Die Opferhilfeorganisiation kümmert sich um die Menschen, denen Gewalt angetan worden ist. Unabhängig davon, ob die Tat zur Anzeige gebracht worden ist oder nicht. Im kommenden Jahr wird die Organisation bereits 50 Jahre alt.
Immer weniger Ehrenamtliche
Der Weiße Ring sucht händeringend nach neuen Ehrenamtlichen. Während der Corona-Zeit und auch altersbedingt ist die Zahl an ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Das erklärt Hardy Betz im Interview mit dem SWR. Der pensionierte Polizist ist bereits seit 15 Jahren ehrenamtlich für den Weißen Ring tätig und leitet die Außenstelle im Donnersbergkreis.
Leiter bei Autounfall gestorben
Im Sommer diesen Jahres ist der Leiter der Außenstelle in Kusel bei einem Autounfall tödlich verunglückt. Betz übernimmt seitdem die Leitung auch kommissarisch in Kusel. Er sagt, als er vor 15 Jahren beim Weißen Ring angefangen hat, waren bundesweit etwa 5.000 Freiwillige für die Organisation im Einsatz. Inzwischen sind es noch knapp 3.000.
Viele Außenstellen des Weißen Rings im ganzen Land sind unbesetzt
In Rheinland-Pfalz gibt es aktuell 26 Außenstellen des Weißen Rings. Zehn davon sind aktuell unbesetzt. Darunter Baumholder, Trier oder Idar-Oberstein. Grund: Es gibt keine Mitarbeitenden. In den meisten anderen fehlen auch Helfer. Je nach Region bräuchte der Verein sieben oder acht Ehrenamtler, die sich um die Opfer von Straftaten kümmern. Von diesen Mitarbeiterzahlen sind die meisten Stellen aber weit entfernt. Das bedeutet laut Betz, dass sich die Arbeit auf die restlichen Ehrenamtlichen verteilt, die das hohe Aufkommen kaum noch bewältigen könnten.
Fünf Anrufe jede Woche beim Weißen Ring im Donnersbergkreis
Die Zahl der Straftaten steige seit Jahren kontinuierlich an. Inzwischen erreichen den Weißen Ring im Donnersbergkreis wöchentlich rund fünf Anrufe von Menschen, die Hilfe brauchen. Das sei deutlich mehr als noch vor zehn Jahren.
Das Mindeste, dass die Mitarbeiter den Opfern von Straftaten anbieten können, ist ein Gespräch. Manchmal reiche schon ein einfaches Telefonat, so Betz. Oftmals kommt es dann aber noch zu Treffen, um die Menschen persönlich zu betreuen.
Auch hilft die Organisation dabei, Opfern kurzfristige Termine bei Psychologen oder Rechtsanwälten zu besorgen. Auf Wunsch wird den Opfern auch geholfen, kurzfristig anderswo unterzukommen, in Frauenhäusern beispielsweise. Und wer durch eine Straftat in eine finanzielle Notlage geraten ist, kann sich auch an den Weißen Ring wenden. Die Organisation kümmert sich darum, mit Sofortmaßnahmen den Menschen auszuhelfen, so Betz weiter.
Empathie: Das Wichtigste, was Ehrenamtliche mitbringen müssen
Wer sich ehrenamtlich für den Weißen Ring engagieren möchte, ist herzlich willkommen, erklärt Hardy Betz lächelnd. Es gebe nur wenige Voraussetzungen. Menschen, die in der Opferhilfe arbeiten wollen, müssen mindestens 18 Jahre alt sein und ein einwandfreies Führungszeugnis besitzen. Und das Wichtigste, das die Menschen mitbringen müssen, sei Empathie.
"Mitfühlen, aber nicht mitleiden! Das ist ganz wichtig bei der Arbeit im Weißen Ring.
Für alles Weitere gibt es ein breites Ausbildungsangebot innerhalb der Organisation. Niemand werde im Regen stehen gelassen. Neben zahlreichen Weiterbildungsangeboten seien auch immer noch erfahrene Mitarbeiter da, die den Neuen zur Seite stehen.
Neben Mitarbeitern fehlt es auch an Geld
Der Weiße Ring finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Manchmal bekommt die Organisation von Gerichten auch ein Bußgeld zugewiesen. Das heißt: Wenn ein Angeklagter beispielsweise dazu verurteilt worden ist, ein Bußgeld zu zahlen, kann das Gericht festlegen, an welche wohltätige Organisation dieses Bußgeld gehen soll.
Das ist laut Betz in den letzten Jahren aber auch seltener geworden. Hin und wieder bekäme die Organisation auch Geld von Verstorbenen vermacht. Das Gros des Geldes käme aber über Spenden und daran mangele es ebenfalls. Darunter leide dann vor allem das Hilfsangebot für Opfer.