Zurück zum Auenwald

Warum das Moosalbtal in der Südwestpfalz radikal umgebaut wird

Tausende gefällte Bäume und umgesiedelte Fische: Das Ufer der Moosalbe in der Pfalz wird aktuell auf links gedreht. Was das für Artenvielfalt und Hochwasserschutz bedeuten könnte.

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Von Autor/in Verena Lörsch

Die Bagger sind angerollt und haben Erde weggeschafft. Erde, die vom Volumen her zehn olympische Schwimmbecken füllen könnte. Dazu kommen 3.000 gefällte Bäume und unzählige Fische, die umgesiedelt werden mussten. Es ist ein Großprojekt, dass im Moosalbtal in der Südwestpfalz aktuell Form annimmt.

Fluss früher begradigt: Moosalbe soll wieder mäandern können

Auf knapp zwei Kilometern wird die Moosalbe renaturiert, der Fluss wieder in Schleifen gelegt - so, wie es früher einmal war. Ganz früher. Denn damit, wie das Tal in den vergangenen Jahrzehnten aussah, wollte man sich in der Verbandsgemeinde (VG) Waldfischbach-Burgalben nicht mehr zufrieden geben.

Einst war der Fluss auf dem Stück zwischen Steinalben und Burgalben begradigt worden, verlief schnurgerade zwischen Bahndamm und Radweg entlang. Und an den Ufern? "Es war ein reiner, ganz dunkler Nadelholzbestand, da kam kaum Sonne rein", erinnert sich Revierförster Christoph Wagner, während er das Tal entlang läuft.

Naturschutzmaßnahmen im Moosalbtal.
Für die Renaturierung mussten laut dem zuständigen Förster zunächst 3.000 Bäume weichen, um später durch neue Laubbäume ersetzt zu werden. Bild in Detailansicht öffnen
Renaturierungsmaßnahmen im Moosalbtal.
Die Renaturierungsmaßnahmen im Moosalbtal sind bereits halb fertiggestellt. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Auenwald so wie auf diesem Stück der Moosalbe schwebt der Gemeinde auch für das zwei Kilometer lange Stück vor, auf dem aktuell renaturiert wird.
Ein Auenwald so wie auf diesem Stück der Moosalbe schwebt der Gemeinde auch für das zwei Kilometer lange Stück vor, das aktuell renaturiert wird. Bild in Detailansicht öffnen
Naturschutzmaßnahmen im Moosalbtal.
Baumstämme gefällter Bäume und zusammengebundenes Holz am Ufer sollen dazu beitragen, dass sich im Fall von Hochwasser Treibholz darin verfängt. Bild in Detailansicht öffnen
Naturschutzmaßnahmen im Moosalbtal.
Das Moosalbtal wird auf fast zwei Kilometern renaturiert. Bild in Detailansicht öffnen
Renaturierung im Moosalbtal.
An den Hängen im Moosalbtal sieht man rechts die bereits im vergangenen Jahr neu gepflanzten Bäume und links die, die dieses Jahr gesetzt wurden. Bild in Detailansicht öffnen
Die Arbeiten im Moosalbtal bedürfen vieler Absprachen mit unterschiedlichen Fachbereichen, erklärt der zuständige Bauingenieur der Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben, Jochen Könnel (links).
Die Arbeiten im Moosalbtal bedürfen vieler Absprachen mit unterschiedlichen Fachbereichen, erklärt Bauingenieur Jochen Könnel (links). Bild in Detailansicht öffnen
Renaturierungsmaßnahmen im Moosalbtal.
Renaturierungsmaßnahmen im Moosalbtal. Bild in Detailansicht öffnen
Naturschutzmaßnahmen im Moosalbtal.
Das Wurzelwerk der gefällten Bäume soll am Ufer verbleiben, um Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu bilden. Bild in Detailansicht öffnen
Renaturierungsmaßnahmen im Moosalbtal.
Nach der Renaturierung der Moosalbe soll laut der Verbandsgemeinde auch der Radweg im Tal erneuert werden. Bild in Detailansicht öffnen
Renaturierungsmaßnahmen im Moosalbtal.
Renaturierungsmaßnahmen im Moosalbtal. Bild in Detailansicht öffnen
Ziel der Renaturierung im Moosalbtal sei es laut dem Bürgermeister, dass der Fluss in Schleifen verläuft und so an manchen Stellen schneller, an anderen langsamer verläuft. So schaffe man mehr Lebensraum für unterschiedliche Lebewesen.
Ziel der Renaturierung im Moosalbtal sei es laut dem Bürgermeister, dass der Fluss in Schleifen verläuft, an manchen Stellen schneller, an anderen langsamer. So schaffe man mehr Lebensraum für unterschiedliche Lebewesen. Bild in Detailansicht öffnen
Die Nadelhölzer im Moosalbtal sind früher manchmal auf den Bahndamm gefallen, erinnert sich Revierförster Christoph Wagner.
Die Nadelhölzer im Moosalbtal sind früher manchmal auf den Bahndamm gefallen, erinnert sich Revierförster Christoph Wagner. Bild in Detailansicht öffnen
Naturschutzmaßnahmen im Moosalbtal.
Naturschutzmaßnahmen im Moosalbtal. Bild in Detailansicht öffnen

Rechts und links von der Moosalbe habe es "eigentlich kein Leben" gegeben, sprich: ein schlechter Lebensraum für Tiere und Pflanzen in dem Tal. Daher sei es dem Förster auch nicht schwer gefallen, an die rund 3.000 Nadelhölzer die Axt anzulegen. Schließlich würden die Bäume durch neue Laubbäume ersetzt. Für ihn sei das umfangreiche Projekt einmalig in seiner beruflichen Laufbahn.

Schon jetzt habe Wagner gut 1.700 neue Bäume am Hang des Moosalbtals gesetzt, weitere sollen noch im Bereich des Flussbetts dazu kommen.

So sah das Moosalbtal vor der Renaturierung 2023 aus: Außer dunklen Nadelhölzern wuchs nur wenig entlang des damals begradigten Flusses, erinnert sich der zuständige Revierförster.
So sah das Moosalbtal vor der Renaturierung 2023 aus: Außer dunklen Nadelhölzern wuchs nur wenig entlang des damals begradigten Flusses, erinnert sich der zuständige Revierförster. Bürgermeister Felix Leidecker

Im Flussbett sind die Erdarbeiten für die Renaturierung in vollem Gange. Auf ein paar hundert Metern ist der Fluss bereits in große Schleifen gelegt worden. So soll das Wasser an verschiedenen Stellen unterschiedlich schnell fließen, erklärt VG-Bürgermeister Felix Leidecker (CDU). Davon erhoffe er sich, einen Lebensraum für unterschiedliche Arten zu schaffen.

Damit sich möglichst viele Tiere und Pflanzen im Moosalbtal ansiedeln, sind am neuen Ufer viele der gefällten Baumstämme und Wurzeln verbaut. Ein große zusammengebundene Holzplattform im Fluss, die auch eine moderne Kunstinstallation sein könnte, soll außerem dem Hochwasserschutz dienen. Dort soll sich Treibgut verfangen.

Am dritten Tag ist der Bagger versunken.

Dass die Arbeit im Flussbett auch Tücken mit sich bringt, weiß der zuständige Bauingenieur der VG, Jochen Könnel zu berichten: "Am dritten Tag ist der Bagger versunken und musste dann von einem anderen Bagger wieder gerettet werden." Für die Baggerfahrer sei bei der Arbeit nah am Fluss daher Fingerspitzengefühl gefragt.

Im Zuge der Bauarbeiten im Flussbett der Moosalbe ist bereits ein Bagger eingesunken, sodass dieser von einem anderen Bagger herausgezogen werden musste, so berichtet Jochen Könnel, der zuständige Bauingenieur der Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben.
Im Zuge der Bauarbeiten im Flussbett der Moosalbe ist bereits ein Bagger eingesunken, sodass dieser von einem anderen Bagger herausgezogen werden musste, so berichtet Jochen Könnel, der zuständige Bauingenieur der Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben.

Landschaftsbau-Unternehmen gräbt im Flussbett Auto aus

Auch hätten die großen Erdarbeiten schon so einiges an Abfall zu Tage befördert, einmal sogar die Überreste eines Autos samt Motorblock, so der Bauingenieur. Insgesamt seien die 24.000 Kubikmeter Erde, die im Tal ausgehoben wurden, aber in einem guten Zustand. Der Boden habe teilweise auf einem nahegelegenen Feld verteilt werden können.

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Bei dem Großprojekt im Moosalbtal seien viele verschiedene Fachbereiche involviert gewesen. Der Bauingenieur kann die Gutachten, die für Tier-, Natur- und Artenschutz anzufertigen waren, kaum noch zählen. Ein aufwendiges Verfahren sei auch für die Umsiedlung der Fische vonnöten gewesen.

Dank Elektroschock: Fische konnten umziehen

Immer wenn ein neuer Flussarm fertig ist, müssten – bevor der alte Flussarm zugeschüttet wird – alle Fisch umziehen. Dafür sei ein zertifizierter Elektrofischer vorbeigekommen. "Die Fische kriegen dann einen kleinen Stromschlag, zappeln ein bisschen an der Oberfläche", berichtet Könnel.

"Dann holt man die mit dem Köcher raus und verfrachtet die an eine andere Stelle." Das Vorgehen habe ihn zunächst irritiert, es sei aber die schonenste Möglichkeit, die Tiere "umziehen" zu lassen.

Noch ein halbes Jahr könnte ins Land ziehen, bis der Fluss auf dem Teilabschnitt komplett in Schleifen gelegt ist. Dann will die VG sich im kommenden Jahr noch den Radweg vornehmen. Der dürfte nach den aufwenden Bauarbeiten dahin sein, mutmaßt Bürgermeister Leidecker.

Moosalbe soll so wie vor 100 Jahren aussehen

Die gute Nachricht aus Sicht seiner Verbandsgemeinde: Die Gesamtkosten von etwa 2,5 Millionen Euro werden fast ausschließlich über Förderprogramme getragen. "Wir wollen hier die Natur in einen Zustand zurückversetzen, den der Mensch vor über 100 Jahren verändert hat", so der Bürgermeister.

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Leidecker will vor Ort zeigen, dass "Natur- und Umweltschutz hier bei uns im Pfälzerwald nicht mit Belastung einhergeht, sondern mit einem Mehrwert für uns alle."

Wie könnte dieser Mehrwert aussehen? Dem Bürgermeister schwebt vor, dass mit dem Ende der Arbeiten im kommenden Jahr nach und nach das Tal zu einem "Kleinod" wird. Sitzbänke entlang des Radwegs sollen dazu einladen, im Moosalbtal "abzuschalten" und die Natur zu genießen.

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