Was die Menschen in Göllheim bewegt

Weniger Gäste in Restaurants, teures Eigenheim: Die Folgen steigender Kosten in der Pfalz

Steigende Kosten in vielen Bereichen machen den Menschen in der Westpfalz zu schaffen. So fehlt es an Gästen in den Restaurants und von Bauplätzen springen Interessenten ab. Beispiele am Donnersberg.

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Von Autor/in Sebastian Stollhof

Nach der Bundestagswahl hatten wir gefragt, welche Themen die Menschen in der Westpfalz am meisten bewegen. Auf Platz eins landete, dass alles, was man zum Leben braucht, teurer wird. Ein Thema, das wir nun von verschiedenen Seiten beleuchten möchten. Das unter anderem mit einer Vor-Ort-Aktion am 17. Juni in Wolfstein. Zuvor waren wir in einer Gemeinde im Donnersbergkreis unterwegs.

In der knapp 4.000-Einwohner-Gemeinde Göllheim lässt es sich gut leben. Blick auf den Donnersberg, Autobahnanschluss, ein historischer Ortskern, Supermärkte, eine große Sport- und Freizeitanlage, verschiedene Wanderwege für Klein und Groß, ein Kulturkarree oder ein Geo-Park - all das gibt es hier. Viele Jahre herrschte auch eine rege Nachfrage nach Bauplätzen oder auch Gewerbeflächen. Doch inzwischen hat sich die Situation geändert. Die Ortsgemeinde spürt etwas, von dem andere auch berichten. Salopp gesagt: Das Geld sitzt nicht mehr so locker.

Einer, der das zu spüren bekommt, ist Süleyman Cetinel. Er ist Chef des Restaurants und Hotels "Goldenes Ross" im Ortskern von Göllheim. "Die Kosten für die Produkte, aber auch die Personalkosten sind immens gestiegen", sagt er. Umgekehrt könnten es sich die Menschen aber auch nicht mehr leisten, regelmäßig essen zu gehen. Das höre er immer wieder.

Restaurant am Donnersberg kämpft ums Überleben

Die Folge für Cetinel: "Wir kämpfen jeden Monat ums Überleben", sagt er. Wenn er nun seine Preise aber den allgemeinen Steigerungen anpasse, würden noch weniger kommen. Seine Kritik richtet sich an die Politik: "Der Staat schenkt einem nichts." So solle er nun fast alle Corona-Hilfen zurückzahlen. "Ich habe privat aber schon alles, was ich habe, in das Restaurant gesteckt."

Süleyman Cetinel musste im Hotel und Restaurant "Goldenes Ross" in Göllheim die Öffnungszeiten reduzieren. Aufgeben ist für ihn aber keine Option.
Süleyman Cetinel musste im Hotel und Restaurant "Goldenes Ross" in Göllheim die Öffnungszeiten reduzieren. Aufgeben ist für ihn aber keine Option.

Dazu komme noch ein immer größer werdender Dokumentations-Aufwand. Aufgeben ist für ihn jedoch keine Option. Die Öffnungszeiten habe er aber erst einmal reduzieren müssen. "Wir arbeiten sieben Tage die Woche, wir sind froh über jeden Gast, unter dem Strich bleibt aber nichts mehr hängen, weil die Kosten so gestiegen sind", sagt Cetinel. Seine Hoffnung ist, dass die angekündigte Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie von 19 auf sieben Prozent kommt. Er befürchtet aber: "Bis das dann soweit ist, sind andere Sachen wieder gestiegen." Dann sei da noch die immer schwierigere Suche nach Personal.

Steigende Kosten: Firmen verschieben Erweiterung in Göllheim

Die Sorgen der Gastronomen kennt auch Ortsbürgermeister Dieter Hartmüller (CDU). Süleyman Cetinel sei da mit seinem "Goldenen Ross" kein Einzelfall. Der Ortsbürgermeister erzählt zudem von Senioren, die früher gut von ihrer Rente leben konnten, nun aber nur noch gerade so über die Runden kommen.

Dieter Hartmüller kennt das Thema steigende Kosten auch auf der Ebene der Ortsgemeinde Göllheim. "Bei kommunalen Projekten sind die Kosten kaum kalkulierbar, da sie sich fast alle verteuern - und das oft erheblich", sagt er.

Erst 250 - dann nur noch wenige Interessenten für Bauplätze

Vor den Zinserhöhungen habe sich die Ortsgemeinde vor Bauplatzanfragen kaum retten können. So sei die Entscheidung gefallen, ein neues Baugebiet zu schaffen. Die Nachfrage sei mit 250 Interessenten für 47 Bauplätze riesig gewesen. "Wir hatten damals gedacht, dass wir Plätze verlosen müssen", erzählt der Ortsbürgermeister.

Doch die Erschließung des Baugebietes habe sich wegen manch bürokratischer Hürde in die Länge gezogen. Und nun, wo gebaut werden könnte, ist das Interesse deutlich zurückgegangen. Für Hartmüller eine Folge steigender Zinsen und Baupreise. Zehn Plätze habe die Ortsgemeinde bislang verkauft. "Und damit sind wir mit Blick auf die aktuelle Situation sehr zufrieden", gesteht der Ortschef.

Der Traum vom Eigenheim im Heimatort am Donnersberg platzt

Zwei, die eigentlich in ihrem Heimatort bauen wollten, sind die Töchter von Thomas Peter. Die Vorfreude sei groß gewesen, erzählt Peter, der bei der Verbandsgemeindeverwaltung in Göllheim arbeitet, im Ort unter anderem als Vorsitzender des Turn- und Sportvereins engagiert ist. Doch diese Vorfreude ist längst der Ernüchterung gewichen.

Thomas Peter (links) im Gespräch mit Ortsbürgermeister Dieter Hartmüller. Peters Töchter hätten gerne im Neubaugebiet von Göllheim gebaut. Doch steigende Kosten haben den Traum vom Eigenheim im Heimatdorf platzen lassen.
Thomas Peter (links) im Gespräch mit Ortsbürgermeister Dieter Hartmüller. Peters Töchter hätten gerne im Neubaugebiet von Göllheim gebaut. Doch steigende Kosten haben den Traum vom Eigenheim im Heimatdorf platzen lassen.

Erst habe es sich gezogen, bis das Baugebiet erschlossen werden konnte, nun sei der Traum vom Eigenheim im Heimatdorf wegen der gestiegenen Kosten ausgeträumt. Thomas Peters Rechnung: 2011, als letztmals ein Baugebiet in Göllheim entstand, lagen die Grundstückspreise bei 135 Euro für den Quadratmeter, nun liegen sie je nach Grundstück bei über 300 Euro.

Auch Gemeinde kämpft mit steigenden Kosten

"Selbst wenn man nichts Besonderes will, liegt man heute schnell bei 500.000 Euro für ein Haus. Dazu die Kosten für den Bauplatz, das ist nicht mehr zu stemmen", erzählt Peter. Der Ortsgemeinde macht er da keinen Vorwurf. Auch Hartmüller erklärt, dass der Gemeinde bei den Grundstückskosten die Hände gebunden seien, verschiedene Auflagen und steigende Kosten für die Erschließung seien der Grund für die Erhöhung.

Abhilfe versucht Göllheim damit im Neubaugebiet zu schaffen, dass auch Doppelhäuser gebaut werden können, die man beispielsweise auch wieder in verschiedene Wohnungen unterteilen könne. So könnten zumindest Kosten reduziert werden.

Firmen verschieben Neubau-Pläne in Göllheim

Denn grundsätzlich gebe es in der Ortsgemeinde weiterhin vor allen Nachfragen nach Wohnungen. Der Ortsbürgermeister hofft, dass ein Investor ein geplantes Mehrfamilienhaus mit 17 barrierefreien Wohnungen baut. "Das hätte schon vor zwei Jahren geschehen sollen", sagt Hartmüller. Doch die Preisentwicklung und bürokratische Hürden hätten dafür gesorgt, dass das Projekt auf Eis liegt.

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Wie auch manche Gewerbeansiedlung oder vorgesehene Erweiterung von Unternehmen in Göllheim. Steigende Kosten würden eben auch den Firmen zu schaffen machen. Im historischen Ortskern versuche die Gemeinde seit Jahren so manches zu bewegen - mit Hilfe eines so genannten Städtebau-Förderprogrammes. "Private Hausbesitzer können hier im Sanierungsgebiet einen Zuschuss von bis zu 30.000 Euro erhalten und eine Steuerermäßigung", erläutert Hartmüller. Seit zwei Jahren gebe es dafür aber kaum noch Nachfragen.

Weniger Bürokratie und mehr Geld für Gemeinden gefordert

Für den Ortsbürgermeister steht fest: "Diese Überbürokratisierung zermürbt und kostet unsäglich viel Geld und Zeit." Sein Wunsch: Die Kommunen sollten Fördergelder direkt erhalten und entscheiden, was damit passiert. Das verbunden mit einer besseren finanziellen Ausstattung der Städte und Gemeinden.

Denn eigentlich würde Dieter Hartmüller viel lieber über die schönen Seiten von Göllheim reden. Davon jedenfalls gibt es einige - das betonen auch Gastronom Süleyman Cetinel und Sportvereins-Vorsitzender Thomas Peter.