Kein Dach über dem Kopf, keine Arbeit, keine Hoffnung und oft niemand, der fragt, wie es einem geht. Für viele junge Männer in Kaiserslautern ist das trauriger Alltag. Sie verlieren den Anschluss, rutschen in die Wohnungslosigkeit oder kämpfen mit Suchtproblemen. Genau dort setzt jetzt das Projekt "S(ch)ichtwechsel" an. Eine Kooperation unter anderem mit AWO Südwest und dem FCK. Streetworker wie Jeanette Geßner sind draußen unterwegs, hören zu, packen mit an und zeigen Wege in ein Leben mit neuen Chancen.
SWR-Aktuell: Warum sind in Kaiserslautern so viele Menschen obdachlos?
Jeanette Geßner: Stellenweise ist die Situation in Kaiserslautern wirklich prekär, weil der Wohnungsmarkt hier sehr schlecht ist. Kleine Wohnungen zu bekommen, ist unmöglich. Die Zahl der obdachlosen Menschen in Kaiserslautern ist sehr hoch. Allein in den Unterkünften und Pensionen sind 70 Menschen untergebracht. Die versteckte Obdachlosigkeit ist aber noch viel höher. Es werden immer mehr. Mit dem Projekt wollen wir bis 2028 etwa 200 jungen Männern helfen.
Stellenweise ist die Situation in Kaiserslautern wirklich prekär, weil der Wohnungsmarkt hier sehr schlecht ist.
SWR-Aktuell: Wie wollen Sie bei dem Projekt als Streetworker helfen?
Geßner: Wir sprechen die Männer direkt an und fragen, ob sie irgendwo Hilfe brauchen. Das ist natürlich ganz individuell. Meistens sind es Kleinigkeiten, wie Anträge bei Ämtern ausfüllen oder Begleitungen beim Jobcenter. Wir helfen natürlich auch dabei, Wohnungen zu finden oder wenn jemand suchtkrank ist. Wir wollen die Männer wieder in den Arbeitsmarkt integrieren. Ich bin aber nicht alleine. An meiner Seite sind noch zwei weitere Streetworker und meine Hündin Agina. Bei ihr sind die Menschen gleich viel offener.
SWR-Aktuell: Welche Rolle spielt der FCK eigentlich dabei?
Geßner: Der FCK nutzt da natürlich seine Reichweite und Bekanntheit. Das Projekt ist für die jungen Männer freiwillig, das heißt sie dürfen sich bei uns melden. Nachdem der FCK das Projekt publik gemacht hat, gab es sehr viele Klicks und Anrufe von Männern, die sich Unterstützung von uns wünschen. Außerdem kann der Verein auch einige Jobs vergeben. Der FCK bietet für die jungen Männer aber auch kostenlose Stadionführungen an oder vergibt Tickets für Spiele.
SWR-Aktuell: Wie wichtig ist die Arbeit als Streetworker?
Geßner: Streetwork ist ja Straßensozialarbeit. Das ist super wichtig, auch in anderen Städten, weil es ein niedrigschwelliges Angebot ist. Man sucht die Menschen an ihren gewohnten Aufenthaltsorten auf, wo sie sich wohlfühlen. Das ist für viele schon sehr hilfreich, weil sie auch nirgendwo anders hingehen müssen. Was ich schade finde, ist, dass es keine Ansprechpartner wie uns für ältere Menschen gibt. Der Bedarf ist da ebenfalls extrem hoch.
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SWR-Aktuell: Wie kann jeder Einzelne unterstützen?
Geßner: Ganz wichtig: Erstmal fragen, ob diese Menschen überhaupt Hilfe brauchen. Es kann schon sehr hilfreich sein, wenn man ihnen sagt wo es professionelle Unterstützung gibt. Beim Projekt selbst sind wir sehr dankbar, wenn man gut erhaltene Kleidung für die jungen Männer spendet. Oft ist es so, dass sie keine Möglichkeit haben, zu waschen und selbst sehr wenig Kleidung haben. Abgeben kann man die Kleider in unserem Büro am Pfafflatz in Kaiserslautern. Das Büro ist natürlich auch für jeden Menschen offen, egal ob Mann oder Frau. Wir helfen gerne.