Die Wände sind in warmen Farben gestrichen. Auf den Fotos, die dort hängen, sind viele verschiedene Menschen zu sehen. Sie spielen Karten, essen zusammen, sind festlich gekleidet. "Da haben wir eine Hochzeit gefeiert", sagt Martina Lauer, Leiterin des Hospiz "Hildegard Jonghaus" in Landstuhl. Generell werde viel gefeiert: Geburtstage, Fasching, Ostern, das Leben an sich.
Hospiz in Landstuhl will Patienten und Angehörige entlasten
Im Esszimmer sitzen Patienten, Angehörige und Mitarbeitende gemeinsam am Tisch. Daneben stehen Instrumente - eine Harfe, eine große Trommel, ein riesiger Regenmacher. Musiktherapeut Roland Weimer ist an diesem Tag zu Besuch. "Mögen Sie das Meer?", fragt Weimer. Mit einer sogenannten Ocean Drum erzeugt er Geräusche, die nach Meeresrauschen klingen.
"Wir leben hier das Leben bis zuletzt."
Das Hospiz sei kein Ort zum Sterben, sagt Hospizleiterin Lauer. "Wir leben hier das Leben bis zuletzt." Viele Menschen hätten ein anderes Bild von Hospizarbeit. Vor allem werde aber zu wenig über das Thema Sterben geredet, findet sie. "Viele Menschen kommen zu spät. Wenn sie es zuhause nicht mehr schaffen." Dabei sei das Hospiz gerade dafür da, die Menschen und ihre Angehörigen zu entlasten.
Kinderhospize begleiten über viele Jahre hinweg
Martina Lauer findet, dass die Menschen besser darüber aufgeklärt werden müssten, was Hospizarbeit bedeutet. Auch andere Hospiz-Einrichtungen in der Region merken, dass die Menschen nicht ausreichend informiert sind. Manchmal werde in den Krankenhäusern einfach vergessen, den Kontakt herzustellen, heißt es etwa vonseiten der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) in und um Kaiserslautern.
"Viele Familien wissen nicht, dass sie unsere Unterstützung in Anspruch nehmen dürfen", sagt Sabrina Jacob vom Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst "Rückenwind" in Kaiserslautern. Bei Kindern und Jugendlichen starte der Begleitprozess sogar noch früher als bei Erwachsenen.
"Wir begleiten Familien ab der Diagnose - häufig über viele Jahre hinweg", so Jacob. "Wir leisten psychosoziale Unterstützung, entlasten im Alltag, unterstützen bei sozialrechtlichen Fragen und schaffen Möglichkeiten zur Begegnung mit anderen Familien in ähnlichen Situationen." Die Unterstützung sei für die Familien kostenlos.
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Hospiz in Landstuhl bekommt mehrere Hundert Anfragen pro Jahr
Die Auslastung und Nachfrage bei den Hospizen oder ambulanten Hospizdiensten sei zwar hoch. So berichten es die Verantwortlichen in der Region gleichermaßen. Aber niemand müsse leer ausgehen. "Wir haben jedes Jahr rund 400 Anfragen, aber nehmen nur rund 150 Patienten auf", rechnet Martina Lauer vom Hospiz in Landstuhl vor. Wer in Landstuhl keinen Platz bekäme, müsse unter Umständen eine weitere Anfahrt zu einem anderen Hospiz in der Nähe akzeptieren. Das betreffe die Angehörigen.
Planbar ist die Auslastung schließlich nicht: Erst wenn ein Patient stirbt, wird eines der zehn Zimmer in Landstuhl frei. Durchschnittlich blieben Patienten rund 20 Tage im Landstuhler Hospiz. Nur selten käme jemand wieder so auf die Beine, dass er oder sie das Hospiz lebend verlasse.
Über den Tod wird im Hospiz offen geredet
Diese Hoffnung will Karl-Heinz Singer noch nicht aufgeben. Jedes Mal, wenn er nach Hause kommt, spürt er die Anwesenheit seiner Frau. "Kommt sie nochmal?", fragt er sich dann. So erzählt er es im Landstuhler Hospiz. Seine Frau Silvia sitzt neben ihm, ihr selbst fällt das Sprechen schwer. Seine Frau habe ins Hospiz gewollt, er hätte sie eigentlich nicht weggeben wollen. "Ich habe gedacht, hier zu sein bedeutet Tod", sagt der 67-Jährige. Inzwischen bewertet er das anders: "Der Mensch ist hier umsorgt." Die Hektik von zuhause - einkaufen, kochen - gebe es dort nicht.
Im Flur des Landstuhler Hospizes ist eine Kerze angezündet. Sie leuchtet, weil ein Patient kürzlich verstorben ist, seine Leiche liegt noch in seinem Zimmer. Der Tod soll nicht verheimlicht werden, sagt Hospizleiterin Martina Lauer. "Wir reden hier offen darüber." Das Leben und der Tod werden hier nicht als Gegner betrachtet, sondern als Partner. "Der Tod", das weiß auch Karl-Heinz Singer, "gehört zum Leben dazu."