Der Schulbeginn 2026/2027 fällt mitten in den Hochsommer - und das nicht nur kalendarisch sondern buchstäblich. Damit drohen erneut überhitzte Klassenzimmer und hohe Belastungen für Schülerinnen und Schüler durch Hitze in Schulen.
Viele Schulen und Kitas haben bereits Maßnahmen gegen Hitze umgesetzt – etwa Sonnenschutzfolien, Trinkwasserspender, Bäume oder Sonnensegel. Unterstützt wurden einige Projekte durch das kommunale Investitionsprogramm für Klimaschutz und Innovation. Nach Einschätzung vieler Beteiligter reichen diese Maßnahmen bei längeren Hitzeperioden jedoch oft nicht aus. Klimaanlagen in Schulen und Kitas bleiben in Rheinland-Pfalz bislang die Ausnahme.
- Wie ist Hitzeschutz geregelt?
- Was empfiehlt der Musterhitzeschutzplan?
- Besondere Situation an Berufsschulen
- Das fordern Schülerinnen und Schüler
- Das wollen Eltern
- Gewerkschaften für mehr Regeln
- Beispiele aus Mainz, Koblenz, Trier
- Lösung längere Sommerferien?
Hitze an Schulen: Keine einheitlichen Regel in RLP
Derzeit gibt es zwar keine landesweit verbindlichen Regeln für Hitzefrei oder einen Hitzeschutzplan an Schulen. Fachleute haben inzwischen aber einen bundesweiten sogenannten Musterhitzeschutzplan für Schulen entwickelt. Er soll Schulleitungen und Schulträgern als Orientierung dienen.
Entstanden ist der Plan auf Initiative von Lehrkräften und wurde wissenschaftlich unter anderem von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit sowie dem Helmholtz Zentrum München begleitet. Eine gesetzliche Verpflichtung zur Einführung solcher Hitzeschutzpläne gibt es bislang nicht.
Was empfiehlt der Musterhitzeschutzplan?
Der Musterhitzeschutzplan nennt Maßnahmen, die Schulen bereits ohne größere Umbauten umsetzen können. Dazu gehören zusätzliche Trinkpausen, die Aufhebung möglicher Trinkverbote im Unterricht, die Verlegung von Prüfungen in die kühleren Morgenstunden oder in kühlere Räume sowie Unterricht an schattigen Orten im Freien. Außerdem wird empfohlen, den Sportunterricht an heißen Tagen anzupassen und Eltern frühzeitig über geplante Maßnahmen zu informieren.
Zum Schulstart Hitzefrei an Schulen - diese Regeln gelten
Auch nach den Sommerferien ist es häufig noch sehr heiß im Klassenzimmer. Unter welchen Bedingungen bekommen Schulkinder hitzefrei in RLP? Und wie sind die Regeln in der Schule?
Beim Hitzeschutz orientieren sich die Autoren des Musterplans auch an den Regelungen des Arbeitsschutzes. Demnach gilt für Innenräume ein Stufenmodell: Ab 26 Grad Raumtemperatur werden zusätzliche Schutzmaßnahmen empfohlen, etwa früheres Lüften oder Verschattung. Ab 30 Grad sollen konkrete Maßnahmen wie zusätzliche Trinkpausen oder Unterrichtsanpassungen erfolgen. Räume mit Temperaturen von mehr als 35 Grad gelten ohne besondere Schutzmaßnahmen grundsätzlich als ungeeignet für regulären Aufenthalt.
Langfristig sieht der Plan unter anderem mehr Beschattung, die Begrünung von Schulhöfen, die Entsiegelung von Flächen, Außenjalousien, Hitzeschutzfolien sowie verbesserte Lüftungs- und Kühlungskonzepte vor. Fachleute betonen allerdings, dass solche Umbauten oft mehrere Jahre Planung und erhebliche Investitionen erfordern.
Online-Unterricht am Berufsschulen kaum möglich
Harry Wunschel, Vorsitzender des Verbands der Lehrer an berufsbildenden Schulen Rheinland-Pfalz, hält pauschale Lösungen bei Hitze für schwierig. Kürzerer Unterricht oder Online-Unterricht könnten an allgemeinbildenden Schulen funktionieren, an Berufsschulen aber häufig nicht. Auszubildende wechselten dort oft von der "überheißen Schule" direkt in den "überheißen Betrieb".
Online-Unterricht sei beispielsweise in Beruflichen Gymnasien oder Fachschulen denkbar. In Klassen des Berufsvorbereitungsjahres oder an Berufsfachschulen sei das dagegen kaum praktikabel. Der Verband fordert zudem, dass Schulleitungen vorhandene Spielräume stärker nutzen. In Rheinland-Pfalz könnten Schulen selbst organisatorische Maßnahmen gegen Hitze ergreifen.
30 Grad und mehr in Klassenzimmern
Nach Angaben des Verbands der Berufsschullehrer waren Temperaturen von mehr als 30 Grad in vielen Klassenzimmern vor den Sommerferien eher die Regel als die Ausnahme. Neben langfristigen baulichen Maßnahmen fordert der Verband kurzfristige Lösungen gegen Hitze in Schulen.
Dazu gehören Ventilatoren ab 26 Grad, Wasserspender für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte und mobile Klimageräte in besonders belasteten Räumen. In einzelnen Klassenräumen seien Temperaturen von bis zu 41 Grad gemessen worden.
Landesschülervertretung warnt vor Gesundheitsproblemen durch Hitze
Auch die Landesschülervertretung Rheinland-Pfalz berichtet von massiven Problemen durch hohe Temperaturen in Schulen. Viele Schülerinnen und Schüler hätten nach der Juni-Hitzewelle angegeben, dass konzentriertes Lernen in überhitzten Klassenräumen zeitweise kaum möglich gewesen sei.
"Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme und Konzentrationsschwierigkeiten waren für viele keine Ausnahme", erklärt die Schülervertretung. Hitze an Schulen sei deshalb nicht nur ein Komfortproblem, sondern auch ein Bildungs- und Gesundheitsproblem. Außerdem gebe es große Unterschiede beim Umgang mit Hitze an Schulen. Manche Schulen führten Trinkpausen ein oder passten Stundenpläne an, andere nicht. Aus Sicht der Schülerinnen und Schüler sollte es jedoch nicht vom Schulgebäude oder einzelnen Entscheidungen vor Ort abhängen, unter welchen Bedingungen gelernt wird.
Dass hohe Temperaturen den Schulalltag beeinflussen, bestätigen auch wissenschaftliche Untersuchungen. Kinder und Jugendliche gelten demnach als besonders hitzeanfällig, weil sie Wärme schneller aufnehmen und weniger effizient regulieren als Erwachsene. Schon mäßiger Hitzestress könne Konzentration, Gedächtnis und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.
Elternbeirat fordert landesweite Regeln für Hitzefrei
Der Regionalelternbeirat Trier berichtet, dass manche Eltern jüngere oder gesundheitlich vorbelastete Kinder an besonders heißen Tagen nicht oder nur zeitweise zur Schule geschickt hätten. Hintergrund sei das Fehlen verbindlicher Kriterien für Hitzefrei in Rheinland-Pfalz.
Der Elternbeirat fordert deshalb ein landesweit einheitliches Modell mit festen Temperaturschwellen und klaren Handlungsanweisungen. Derzeit entscheide jede Schule selbst über Maßnahmen bei Hitze. Das führe zu sehr unterschiedlichen Bedingungen.
GEW und VBE fordern verbindlichen Hitzeschutz
Neben der Landesschülervertretung fordern auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie der Verband Bildung und Erziehung (VBE) verbindliche landesweite Regelungen zum Hitzeschutz an Schulen.
Wir brauchen dringend verbindliche Standards statt Improvisation.
VBE-Landeschef Lars Lamowski sagte im Juni, Hitzeschutz sei eine Frage des Arbeits- und Gesundheitsschutzes sowie der Bildungsgerechtigkeit. Die GEW fordert klare Zuständigkeiten und abgestufte Maßnahmen für besonders heiße Tage. Hitze in Schulen und Kitas sei längst kein Ausnahmefall mehr, sondern eine wiederkehrende Belastung für Kinder und Beschäftigte.
So reagieren Mainz, Koblenz und Trier auf Hitze an Schulen
Die Stadt Mainz setzt neben baulichen Verbesserungen auf Verschattung, Sonnenschutzfolien und bessere Lüftungsmöglichkeiten. Auch klimatisierte Busse und Straßenbahnen gehören laut Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) zum Konzept. Viele Schulen lüften vor dem Schulstart nachts, damit die Gebäude möglichst kühl bleiben.
In Koblenz wird der Hitzeschutz an Schulen je nach Standort weiterentwickelt. Außenliegender Sonnenschutz, Verschattung und Begrünung werden bei Neubauten und Sanierungen berücksichtigt. Zudem prüft die Stadt die Wirkung von Sonnenschutzfolien an einzelnen Schulen.
Eine flächendeckende Ausstattung mit Klimaanlagen ist derzeit nicht geplant. Andere technische Kühlmöglichkeiten werden geprüft. In Trier soll zunächst eine umfassende Bestandsaufnahme an allen Schulstandorten erfolgen. Ziel ist es, den Handlungsbedarf beim Hitzeschutz systematisch zu erfassen und Investitionen gezielt zu planen. Das betrifft auch die städtischen Kindertagesstätten.
Längere Sommerferien gegen Hitze an Schulen?
Immer wieder wird diskutiert, ob längere Sommerferien wie in vielen Ländern Südeuropas gegen Hitze in Schulen helfen könnten. In Griechenland beispielsweise dauern die Sommerferien in diesem Jahr von Mitte Juni bis Ende August. Nach Angaben des Bildungsministeriums müssten sich für eine solche Lösung aber alle 16 Bundesländer einigen. Gleichzeitig würden andere Ferienzeiten kürzer ausfallen.
Das hätte laut Ministerium Nachteile: Berufstätige Eltern müssten längere Betreuungszeiten im Sommer organisieren, während im restlichen Jahr weniger Erholungspausen blieben. Außerdem begann die erste Hitzewelle 2026 bereits im Juni, hohe Temperaturen können bis Ende August anhalten.
Experten weisen zudem darauf hin, dass längere Sommerferien allein das Problem nicht lösen würden. Viele Hitzeschutzmaßnahmen, etwa die Begrünung von Schulhöfen oder größere Sanierungen, benötigten Jahre bis zur Umsetzung. Deshalb seien kurzfristige Lösungen wie zusätzliche Schattenplätze, Sonnensegel, angepasste Stundenpläne oder kühle Ausweichräume weiterhin notwendig.