"Wenn man so ein Haus hat, muss man sich bewusst sein: Es wird nie perfekt sein, aber es hat unfassbar viel Gefühl", sagt Kathrin. Über zweieinhalb Jahre ist es her, dass sie sich hier im Landkreis Bad Kreuznach ihr Häuschen gekauft hat. 85 Quadratmeter, mit Scheune und Garten. Ein Fachwerkhaus, erbaut vor fast 200 Jahren.
Einen Ort weiter ist Kathrin aufgewachsen, die Gegend ist ihr vertraut. Richtig "Klick" gemacht hat es aber, als sie das Haus zum ersten Mal betreten hat. "Ich bin hier reingekommen und hatte sofort eine Vision." Wochen später, als die Renovierung weiter ging habe sie dann mit Tränen in den Augen im Haus gestanden und ihr sei klar geworden "dass ich eigentlich alles so gemacht habe, wie ich es mir vorgestellt hab."
Über die fertige Küche ist Kathrin besonders glücklich. Es ist der erste und bislang einzige Raum, der fertig renoviert ist. Hier kann sie Baustelle und Chaos vergessen. Das sei ihr wichtig, damit sie zwischendrin einmal durchatmen könne.
Allein Verantwortung tragen - finanziell und emotional
Mit 31 hat Kathrin beschlossen, das Haus zu kaufen. Dafür auf jemanden zu warten, "der sie an die Hand nimmt", sei ihr nicht in den Sinn gekommen. Auch renovieren wollte sie es – soweit es geht – ohne Hilfe. Erfahrung mit dem Umbau eines Hauses hatte sie bereits. Ansonsten hätte sie sich dieses Projekt wohl nie zugetraut, sagt Kathrin. Und so liegt die emotionale und die finanzielle Verantwortung auf ihren Schultern.
Während der Renovierung habe sie der falschen Person vertraut und so "viel Geld verloren". Diese schwere Erfahrung belastet Kathrin bis heute, sie habe deshalb immer noch Panikattacken. In ihrer Küche weicht die Angst jedoch oft einem wohligen Gefühl, wenn sie sieht, wie ihre Vision Wirklichkeit geworden ist.
Wenn die Statik zum Familienprojekt wird
Das Haus und seine Statik zu verstehen, sei selbst für Profis kaum möglich: Eine tragende Wand herauszureißen, ohne sie abzustützen, könnte das Haus in sich zusammenfallen lassen. Daher hat Kathrin sich mit ihren Brüdern in jedem Zimmer sicherheitshalber für "einen Balken mehr" entschieden.
Sie zeigt lachend in ihren Essbereich: "Hier war auch eine Wand. Die haben wir rausgerissen. Weil keiner so ganz weiß, wie sich die Last verteilt, haben wir hier aufgebohrt bis aufs Gewölbe, Beton draufgehauen, und die Decke irgendwie abgestützt." Am Ende hat aber alles geklappt. Und so wurden aus zwei sehr kleinen Zimmern, ein großes Esszimmer.
Eigene Regeln, um mit der Dauerbaustelle zu leben
Damit ihr all das nicht zu viel wird, hat Kathrin sich mit dem Einzug bewusst klare Regeln gesetzt. Dazu gehört: nicht mehr jeden Samstagmorgen um sechs Uhr Böden rausreißen und Wände verputzen. Und wenn ihre Arbeitswoche besonders anstrengend war, vermeidet sie die Baustellen im Haus ganz bewusst. Nicht jede freie Minute am Haus zu arbeiten, sei einfacher geworden, seit es sich für Kathrin immer mehr nach Zuhause anfühlt.