Nach dem Ausfall des Zugfunk-Netzes GSM-R in der Nacht hat die Deutsche Bahn erste Details zur Ursache genannt: Demnach war der "planmäßige Tausch einer technischen Komponente" beim digitalen Bahnfunksystem GSM-R Auslöser für die Probleme, wie der Chef der Infrastrukturgesellschaft DB InfraGo, Philipp Nagl, mitteilte. "Wie es dadurch genau zu der Störung kam, analysieren wir nun mit höchster Priorität." Weitere Details nannte die Bahn nicht. Zuvor war über einen Fehler bei einem Software-Update spekuliert worden.
Die relativ schnelle und erfolgreiche Fehlersuche hat aber dazu geführt, dass die IT-Experten der Bahn die Störung innerhalb kurzer Zeit beheben konnten, so dass der Zugverkehr nach zwei Stunden wieder anlaufen konnte.
Für den Ablauf im Bahnverkehr ist das Funksystem GSM-R extrem wichtig. Es ist das zentrale Kommunikationsmittel zwischen dem Lokpersonal und den Fahrdienstleiter in den Stellwerken. Und damit eben auch von zentraler Bedeutung für die Sicherheit im Zugbetrieb.
Bei Notfällen kann beispielsweise jeder Lokführer über dieses Funksystem alle in der Umgebung befindlichen Züge sofort informieren, wenn etwas Gefährliches auf der Strecke passiert ist, damit diese Züge nicht einfach weiterfahren. Ein klassischer Fall für einen solchen sogenannten Nothaltauftrag sind etwa Personen auf der Strecke oder ein gestörter Bahnübergang.
Sicherheitsexperte kritisiert Notfallplan der Bahn
"Wenn der komplette Bahnverkehr stillsteht in Deutschland für so eine längere Zeit, heißt das, dass bestimmte Notfallmaßnahmen oder Notfallprozesse nur unzureichend funktioniert haben", sagt Sicherheitsexperte Mirko Ross im Gespräch mit SWR Aktuell. Er berät Unternehmen in Sicherheitsfragen und er sagt: "Eigentlich sollten Züge nicht stillstehen." Es sei aber lobend zu erwähnen, dass die Bahn im Notfallplan gleich zur nächsten Stufe gegriffen habe - also, dass die Züge sicher in den Bahnhöfen geparkt wurden. Damit lässt sich laut Ross ausschließen, dass auf den Strecken Unfälle passieren. Das habe sehr gut funktioniert: Es habe keine Unfälle gegeben, Menschen seien nicht zu Schaden gekommen.
Ross kritisiert aber: "Es hat über anderthalb Stunden gedauert, bis quasi das Ersatzsystem soweit wieder am Start war, dass ein regulärer Netzbetrieb wieder möglich war." Das sei sicherlich zu lang. Die Bahn hätte viel schneller auf das Notfallsystem umschalten müssen, so Ross. Hier könnte es nochmal andere Fehler im Prozess oder in der Technik gegeben haben, die die Bahn überfordert hätten.
Nach zwei Stunden Störung behoben
Der Zugverkehr ist nach der bundesweiten Störung am Mittwoch gegen 0:30 Uhr wieder angelaufen. Die Lage hat sich bis zum Morgen schrittweise normalisiert und läuft laut Bahn jetzt wieder weitgehend reibungslos. Vereinzelt kann es aber immer noch zu Einschränkungen kommen.
Beim Güterverkehr dauern die Probleme weiter an. Wie der Branchenverband "Die Güterbahnen" mitteilt, stehen die Hälfte der Güterzüge am Mittwochmittag weiterhin still. Die Folgen der Störung würden die Logistikketten noch Tage beschäftigen. Von der Bahntochter Transfracht heißt es indes, man arbeite "mit Hochdruck" daran, die Auswirkungen auf Transporte so gering wie möglich zu halten.