Nach Zwischenfällen in Stuttgart, Ludwigsburg und bei Karlsruhe

Weniger Straftaten in Bussen, Zügen und an Bahnhöfen in BW

In Baden-Württemberg sind 2025 weniger Straftaten und Aggressionsdelikte im Nahverkehr registriert worden. Fahrgäste bewerten die Sicherheit weiterhin positiv.

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Stand

Im öffentlichen Nahverkehr in Baden-Württemberg ist die Zahl der Straftaten und Gewaltdelikte im vergangenen Jahr zurückgegangen. Das geht aus einer Antwort des Verkehrsministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im Landtag hervor. Trotz einzelner schwerer Vorfälle bewerten viele Fahrgäste die Sicherheit in Zügen und an Bahnhöfen weiterhin positiv.

Zwischenfälle in Stuttgart, Ludwigsburg und bei Karlsruhe

Zuletzt hatte es in Baden-Württemberg mehrere Vorfälle gegeben. Im Stuttgarter Norden randalierte ein Mann auf einem Bahnsteig und bespuckte sowie beleidigte andere Fahrgäste. In Ludwigsburg (Kreis Ludwigsburg) griff ein Fahrgast einen Kontrolleur an und stahl dessen Handy. Nahe Karlsruhe stürzte ein Sicherheitsmitarbeiter der Bahn nach einem eskalierten Streit mit einem Fahrgast aus einem fahrenden Zug und wurde schwer verletzt.

Karlsruhe
Ein Zug steht nach einem Notfall am Bahnof in Ettlingen-Bruchhausen. Kurz vor dem Bahnhof ist ein Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung aus einem fahrenden Zug gestürzt und lebensgefährlich verletzt worden. Zu dem Streit war es am Freitagabend während einer Ticket-Kontrolle auf der Strecke von Offenburg nach Karlsruhe gekommen.

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Weniger Aggressionsdelikte gegen Fahrgäste und Personal

Nach Angaben des Verkehrsministeriums erfasste die Polizei 2025 in Baden-Württemberg 302 Opfer von sogenannten Aggressionsdelikten gegen Fahrgäste. Das waren gut zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Auch Beschäftigte in Zügen wurden demnach seltener Opfer von Bedrohungen oder Körperverletzungen.

Kriminalstatistik: Rückgang bei Straftaten im ÖPNV

Die Zahl der Straftaten im öffentlichen Personennahverkehr ging ebenfalls zurück. Laut Statistik registrierte die Polizei 76.779 Straftaten an Bahnhöfen, in Zügen und Bussen sowie an Haltestellen und Gleisanlagen. Das entsprach einem Rückgang von knapp elf Prozent im Vergleich zu 2024. Als Grund nannte das Ministerium unter anderem deutlich weniger ausländerrechtliche Verstöße wie illegale Einreisen oder unerlaubte Aufenthalte. Die Zahl der Fälle von Schwarzfahren sank um 18,4 Prozent.

Fahrgäste bewerten Sicherheit in Zügen und Bahnhöfen positiv

Nach Angaben des Ministeriums fühlen sich Fahrgäste im Nahverkehr weiterhin vergleichsweise sicher. In Qualitätserhebungen des Landes bewerteten sie die Sicherheit an Bahnhöfen im vergangenen Jahr durchschnittlich mit der Schulnote 1,9. Die Sicherheit in Zügen erhielt die Note 2,42 und damit nur geringfügig schlechtere Werte als fünf Jahre zuvor.

Verkehrsministerium sieht positive Entwicklung

Das Verkehrsministerium von Verkehrsministerin Nicole Razavi (CDU) bewertete die Entwicklung positiv. "Vor dem Hintergrund der bundesweit steigenden Berichte über besonders drastische Vorfälle im Zug und am Bahnhof sind diese Zahlen für Baden-Württemberg als relativ positiv zu bewerten", heißt es in der Antwort auf die Anfrage der Grünen-Fraktion. Gleichzeitig gebe es weiterhin Verbesserungsbedarf bei der Sicherheit in Zügen und an Bahnhöfen.

Baden-Württemberg
Eine Bierflasche steht vor einem Bahnhof auf einer Bank. Die Deutsche Bahn plant einen radikalen Schritt mit der Hoffnung auf mehr Sicherheit für die Fahrgäste und die Beschäftigten.

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Zugbegleiter berichtet von überwiegend ruhigen Einsätzen

Zugbegleiter Patrick Bleichner, der seit drei Jahren für den Bahnbetreiber Arverio im Regionalverkehr arbeitet, berichtete von überwiegend ruhigen Einsätzen. "Das kommt sehr selten vor", sagte er über brenzlige Situationen. Größere Probleme oder Angriffe habe er bislang nicht erlebt.

Arverio setzt auf Deeskalation und Kommunikation

Arverio setzt nach Angaben des Leiters Kundenbetreuung und Kundenservice, Efstathios Rafailidis, auf Deeskalation und Kommunikation. Alle Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuer würden entsprechend geschult. Schon die Wortwahl bei Fahrkartenkontrollen könne darüber entscheiden, ob eine Situation eskaliere oder ruhig bleibe.

Bodycams bei Arverio und Deutsche Bahn im Einsatz

Ab Januar will Arverio verschiedene Modelle von Bodycams testen. Die Deutsche Bahn (DB) nutzt solche Kameras bereits seit längerem. Nach Angaben eines Bahnsprechers wirke die sichtbare Nutzung der Bodycams deeskalierend. Straftaten gegen Beschäftigte mit Bodycam seien nahezu auf null zurückgegangen. Derzeit tragen laut DB 35 Prozent der Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuer in Baden-Württemberg freiwillig eine Bodycam.

DB testet Tonaufnahme-Funktion bei Bodycams

Im Rhein-Neckar-Raum will die DB ab Oktober zusätzlich eine Tonaufnahme-Funktion bei Bodycams testen. "Hierüber können neben körperlichen Übergriffen auch verbale Attacken dokumentiert und zur Anzeige gebracht werden." Nach der Testphase solle die Funktion bundesweit eingesetzt werden.

Baden-Württemberg
Zwei Zugblegiter laufen im Dienst einen Bahnsteig entlang. Das Land möchte in einem Pilotprojekt Doppelbesetzungen in den Zügen testen.

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Bahnfahren soll für Fahrgäste und Zugbegleiter sicherer werden: Dafür werden bei einem Pilotprojekt in Baden-Württemberg Mitarbeiter im Regionalverkehr jeweils zu zweit eingesetzt.

Sicherheitsmitarbeiter in Zügen und klare Priorität beim Schutz

Zusätzlich sind in Zügen der DB und von Arverio zu bestimmten Zeiten Sicherheitsmitarbeiter im Einsatz. Wie häufig Sicherheitspersonal eingesetzt wird, regelt das Land meist über Verträge mit den Betreibern. Rafailidis sagte, viele Beschäftigte seien froh, in bestimmten Situationen nicht allein im Zug zu sein. Razavi erklärte: "Keine Fahrkartenkontrolle ist es wert, dass jemand verletzt wird."

Mannheim
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Betina Starzmann
SWR-Redakteurin Betina Starzmann

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