Es ist spät am Abend, draußen steht noch die Hitze zwischen den Häusern. Das Fenster war den ganzen Tag offen, im Bad brennt Licht - und plötzlich sitzt sie da: langbeinig, dunkel, reglos an der Wand oder in der Badewanne. Für manche reicht dieser Moment, damit der Puls hochgeht. Gerade große Winkelspinnen wirken bedrohlicher, als sie sind. Warum sie schon jetzt in Wohnungen auftauchen und was man sonst über die hiesigen Spinnen wissen sollte - ein FAQ.
- Warum tauchen Spinnen dieses Jahr früher auf?
- Welche Spinnen wollen am häufigsten ins Haus?
- Sind Spinnen gefährlich?
- Welche Gefahr geht von der Nosferatu-Spinne aus?
- Was hilft gegen Spinnen im Haus?
- Wie nützlich sind Spinnen?
Warum tauchen Spinnen dieses Jahr schon im Juli in Häusern auf?
Die klassische Spinnenzeit in Wohnungen beginnt eigentlich eher im Spätsommer und Herbst. In diesem Jahr war der Juni in Baden-Württemberg allerdings außergewöhnlich warm und trocken. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) lag das Temperaturmittel im Land bei 20,5 Grad - gleichzeitig fiel nur etwas mehr als die Hälfte der üblichen Regenmenge.
In warmen Nächten bleiben Fenster und Türen länger offen. So gelangen zunächst Mücken, Fliegen und Falter ins Haus - und damit auch Tiere, die ihnen folgen, erklärt Alexandra Ickes, Artenschutzreferentin beim Naturschutzbund BW (NABU).
Mit Insekten beziehungsweise mit den Futtertieren kommen dann natürlich auch die Fressfeinde - und das sind häufig Spinnen - mit ins Haus.
Die Wohnung wird für Spinnen somit zum Jagdrevier. Ob sie zusätzlich gezielt vor der Hitze ins Haus ausweichen, lasse sich nicht pauschal sagen, so Ickes. Dafür seien die Arten zu unterschiedlich: Manche verstecken sich tagsüber auch draußen in Ritzen, unter Steinen oder Laub, andere sind wärmetoleranter.
Welche Spinnen in BW suchen am häufigsten Wohnungen auf?
Baden-Württemberg ist ein spinnenreiches Bundesland. Die Landesanstalt für Umwelt BW (LUBW) nennt 738 nachgewiesene Spinnenarten. Diese Häufung liegt auch an der klimatisch begünstigten Lage im Südwesten: Am Oberrhein ist es besonders warm, zugleich gibt es mit Schwarzwald, Schwäbischer Alb, Bodensee und vielen Flusstälern sehr unterschiedliche Lebensräume.
In Wohnungen begegnen Menschen aber meist nur wenigen Arten. Häufig sind es Hauswinkelspinnen, Springspinnen und auch Zitterspinnen, die sich nach drinnen verirren. Zitterspinnen sitzen oft in Ecken oder im Bad, mit sehr langen, dünnen Beinen, beschreibt Ickes vom NABU BW. Auch die Hauswinkelspinne sei häufig anzutreffen.
Die Hauswinkelspinne, das ist so die typische Spinne. Sie ist so, wie man sich eine Spinne vorstellt. Davor haben ja auch die meisten Leute ein bisschen Angst. Sie sind haarig, dunkel und bewegen sich auch relativ schnell.
Springspinnen sind kleiner, aktive Jäger und durch Social Media bekannter geworden. Sie bauen kein Fangnetz und fallen mit ihren großen Augen auf.
Sind Spinnen gefährlich?
Die meisten Spinnen im Haus sind für Menschen harmlos. Zwar nutzen viele Spinnen Gift, um kleinere Tiere zu fangen. Für Menschen sei dieses Gift in der Regel kein Problem, erklärt NABU-Biologin Ickes. Viele Arten schafften es gar nicht, mit ihren Beißwerkzeugen durch menschliche Haut zu kommen.
Wie gefährlich ist der Biss der Nosferatu-Spinne?
Die Nosferatu-Spinne sorgt besonders oft für Aufregung, weil sie groß ist und ihr Name an einen Horrorfilm angelehnt ist. Sie stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und wurde in Deutschland erstmals 2005 in Freiburg nachgewiesen. Inzwischen gilt sie als weit verbreitet, wie der Staatsanzeiger BW berichtet.
Auch Zahlen aus einer Mitmach-Aktion zeigen, wie präsent die Art im Land ist: Eine Fachstudie von Frontiers in Arachnid Science wertete 2022 eine fünfwöchige Meldeaktion aus. Von bundesweit 15.997 Beobachtungen kamen 9.599 aus BW - mehr als aus jedem anderen Bundesland.
Um tatsächlich von einer Nosferatu-Spinne gebissen zu werden, müsse man "viel Glück haben", beruhigt NABU-Expertin Ickes. Außerdem sei der Biss für die meisten Menschen eher ungefährlich. Allergikerinnen und Allergiker hingegen sollten vorsichtig sein.
Ich sage mal, da muss man die Spinne dementsprechend triezen, weil sie nicht von sich aus zubeißt. Und klar, das ist nicht sehr angenehm, man kann es mit einem Insektenstich vergleichen.
Was hilft gegen Spinnen im Haus?
Ganz verhindern lässt sich Spinnenbesuch nicht. Wer weniger Tiere im Haus haben möchte, kann Fliegengitter anbringen, Licht bei offenen Fenstern reduzieren und Kellerfenster abdichten. Zum Einfangen hilft ein Glas, das man mit Papier oder Karton abdeckt. Für Menschen mit großer Angst gibt es auch sogenannte Spinnenfänger, Geräte ähnlich einer Müllzange. Vom Staubsauger rät der NABU BW ab: "Das ist eine sehr unschöne Methode, weil die Tiere dann zwar - so die Hoffnung - schnell getötet werden, aber dafür gibt es keine Garantie. Also lieber nicht."
Warum sind Spinnen nützlich?
Spinnen fressen Mücken, Fliegen, Motten und andere kleine Tiere. Wer einzelne Tiere duldet, hat also auch kleine Helfer im Haus. Manche Netzspinnen bleiben ohnehin lange an derselben Stelle - fast wie kleine Mitbewohner in der Ecke. Damit können sich viele Menschen dann auch anfreunden.