Die Stadt Ulm will kommende Woche das Camp von Wohnungslosen unter der Eisenbahnbrücke räumen. Die fünf Bewohnerinnen und Bewohner wollen jedoch bleiben. Die Partei "Die Linke" in Ulm will ihnen helfen, mit der Aktion "Aufräumen statt Räumen" am Freitagnachmittag. Bei der Aufräumaktion packten auch die Wohnungslosen mit an. Sie machen sich Sorgen, wie es für sie weitergeht.
Camp von Wohnungslosen unter der Eisenbahnbrücke
Mit einem kleinen Anhänger und etwa 20 Freiwilligen geht es ans Werk. Sack für Sack wird mit Müll gefüllt und gestapelt. Stoffe, Schuhe, Bücher, vieles wird hier entsorgt. Auf der kleinen Mauer an der Unterführung sitzt die 69-jährige Andrea. Von den anderen meist Mutti genannt, "weil sie wie 'ne Mama ist", kommentiert Henry, der auch hier lebt.
"Man passt hier aufeinander auf", sagt Andrea. Sie lebt seit zwei Jahren hier. Das Anliegen der Stadt kann sie verstehen, doch ihr geht die Räumung zu schnell. "Ich finde es schon kurzfristig." Es sei nicht leicht, so schnell eine Alternative zu finden. Doch dass so viele Menschen gekommen sind, um beim Aufräumen zu helfen, berührt sie. "Das finde ich sehr schön. Und da bin ich sehr, sehr, sehr dankbar."
Stadt Ulm hat die Räumung beschlossen
"Die Linke" hat die Aktion organisiert. Die Partei hofft, dass die Räumung dadurch verhindert werden kann. Denn der Auslöser, die mangelnde Hygiene, sei damit beseitigt. Die Diskussion um die hygienischen Zustände hatte im Februar ursprünglich die FDP-Fraktion im Ulmer Gemeinderat angestoßen. Jetzt hat die Stadt Ulm den Kommunalen Ordnungsdienst, die Abteilung Soziales und die EBU, mit der Räumung beauftagt.
Mangelnde Hygiene und Beschwerden
Die Entscheidung zur Räumung der Fläche sei bedauerlich, aber leider notwendig, heißt es dazu. "Hintergrund sind erhebliche hygienische Missstände, eine zunehmende Ausdehnung der Fläche sowie zuletzt ein offenes Feuer mit konkreter Brandgefahr," so ein Sprecher der Stadt Ulm. Auch aus der Bevölkerung hätten sich zuletzt Sorgen, aber auch Beschwerden gehäuft.
Hintergrund sind erhebliche hygienische Missstände, eine zunehmende Ausdehnung der Fläche sowie zuletzt ein offenes Feuer mit konkreter Brandgefahr.
Verschiedene Hilfsstellen seien in regelmäßigem Austausch mit den Wohnungslosen. Ein pauschales Unterbringungsangebot könne aber nicht allen Betroffenen gemacht werden. Dafür seien die Lebenssituationen und individuellen Wünsche zu unterschiedlich. Unterstützungsangebote will die Stadt Ulm passgenau gestalten.
Demonstration gegen Räumung geplant
Die schlimmen hygienischen Zustände streiten die Bewohner nicht ab, sie alle können verstehen, warum die Stadt dagegen vorgeht. "Der Müll ist immer mehr geworden in der letzten Zeit", sagt Hans. Er wohnt hier seit zwei Monaten mit seiner Freundin. Seine Lebensmittel hängen mit Seilen von der Decke. Der Müll locke die Ratten an. Sie verenden teils auch nahe der Zelte, an ausgelegten Giftködern.
Am Samstag ist eine Demonstration auf dem Münsterplatz gegen die Räumung des Lagers geplant. Auch eine Online-Petition soll auf die Situation der Gruppe aufmerksam machen. Dass sich dadurch etwas ändert, bezweifeln die Obdachlosen. Sie fürchten, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie sich eine neue Bleibe suchen müssen.