Ob bei 37 Grad Hitze oder bei Minustemperaturen und Schnee - Busfahrer Richard Homann, genannt Richi, ist ständig im Einsatz. Vom Linienbus bis zum Nightliner fährt er für Omnibus Pitz in Altheim (Alb) alles. Dass er jetzt bei einem bundesweiten Wettbewerb als einer der 30 beliebtesten Busfahrerinnen und Busfahrer ausgezeichnet wurde, kommt nicht von ungefähr. Für viele seiner Fahrgäste ist er ein "Alltagsheld".
Busfahrer Richi und sein "Lieblingsplatz" hinterm Steuer
Wenn sich Richi im roten Poloshirt und mit langem Bart hinters Lenkrad setzt, lächelt er gut gelaunt - denn dies ist seit einigen Jahren sein "Lieblingsplatz". Er hat einfach ein Faible für Busse: "Die Größe des Fahrzeugs ganz klar. Und dann ist es natürlich der Kontakt mit den Menschen. Es ist ja tatsächlich so, dass man der Mann im Mittelpunkt ist, sobald die Leute mitfahren und das macht schon extrem viel Laune", erzählt der 39-Jährige.
Zu Schichtbeginn in Laichingen (Alb-Donau-Kreis) ist der Bus noch leer - doch ab dem Bahnhof Merklingen (ebenfalls Alb-Donau-Kreis) ist jeder Platz belegt. Einige Fahrgäste stehen schon. Andere springen in letzter Minute in den Bus, wohlwissend, dass Richi wartet. Bis Mitternacht fährt er zwischen Laichingen, Merklingen und unter wechselnder Liniennummer auch über die Dörfer bis zum Schelklinger Bahnhof hin und her.
Sonst sei er auch auf anderen Strecken und bei Sondereinsätzen bis nach Österreich für das Busunternehmen unterwegs, so Richi. Das Busfahren sei seine große Leidenschaft und spätere Berufung, erzählt der Busfahrer, der auch den Meister in IT-Systemelektronik hat.
Während der Fahrt hat Busfahrer Richi im Cockpit einiges zu tun. Vor allem schaut er laufend auf die Digitalanzeige, wie er in der Zeit liegt, gibt Tickets aus und Auskünfte. Ob das stressig ist? "Also, ich sag immer, es hat jetzt auch ein paar Jahre gedauert, bis ich mir das angewöhnt habe. Aber ich steige inzwischen mit so 'nem Ruhepuls von 3 ein. Was verursacht Stress? Wenn die Leute mies drauf sind oder so, aber die setzen sich ja meist in den Bus und steigen wieder aus."
Er ist einer, der aussteigt, um zu helfen.
Auch Busfahrer Richi steigt öfter mal aus, etwa wenn andere Hilfe brauchen - dafür ist er bekannt. Eine regelmäßig mitfahrende Buskundin beschreibt ihn so: "Immer pünktlich, immer freundlich, immer zuvorkommend. Kinderwagen - da wird immer geholfen, Rollstuhlfahrern auch." Deswegen hat die 17-Jährige auch für Richard Homann beim bundesweiten Wettbewerb gestimmt, der jedes Jahr vom Fahrgastverband PRO BAHN und der Deutschen Bahn Regio sowie weiteren Verbänden organisiert wird.
Wer wird Deutschlands LieblingsbusfahrerIn?
Der Wettbewerb "Wer wird Deutschlands LieblingsbusfahrerIn 2026?" soll vor allem die Leistungen der Busfahrerinnen und Busfahrer in den Mittelpunkt rücken und zeigen, was im Alltag gut läuft, heißt es beim Fahrgastverband PRO Bahn. Aus mehr als 3.000 Einsendungen von Fahrgästen hat eine Fachjury in verschiedenen Kategorien die 30 beliebtesten Busfahrerinnen und Busfahrer Deutschlands ausgewählt.
Fahrgäste loben in den Einreichungen etwa, dass der Busfahrer aus Altheim (Alb) nicht nur bei Wetterlagen den Überblick behält und niemanden an der Straße stehen lässt. Sie berichten auch von Stärke in Ausnahmesituationen, etwa bei Schneefall: Anfang des Jahres auf der A8 habe er gelassen den Überblick behalten. Und auch, als ein Schwerlasttransporter eine Straße bei Laichingen blockierte, habe er die Fahrgäste trotzdem pünktlich an ihr Ziel gebracht.
Warum Richi für die Fahrgäste ein "Alltagsheld" ist
Dass er beim Wettbewerb in der Kategorie "Alltagsheld" gepunktet hat, kann der 39-Jährige selbst noch nicht fassen. Für ihn ist es normal, dass er sich um seine Fahrgäste kümmert, auch, wenn die Schicht dann mal länger dauert, vor allem wegen Fahrten außerhalb des regulären Linienverkehrs. "Da gibt's inzwischen unzählige, weil Leute stehen geblieben sind, weil der Bus entsprechend nicht mehr gekommen ist. Witterungsbedingt, uhrzeitbedingt oder aus was für Gründen auch immer."
Oder beim Schwörmontag in Ulm, als der letzte Bus entsprechend voll war. "Da habe ich gesagt, ich fahre auch zwei Mal." Und damit nicht genug: Richi fuhr die Fahrgäste sogar noch in Orte, die fernab "der Linie" liegen. "Ich denke, dass das so Highlights sind, was sich viele auch einfach gar nicht trauen oder sagen: Bis hierher, das muss ich gar nicht machen. Da habe ich dann wenig Berührungsängste und Schmerzen damit." Diese Hilfsbereitschaft werde natürlich vom Busunternehmen unterstützt, betont Richi.
Auch abseits der Buslinie für die Fahrgäste da
Und weil er die meisten Fahrgäste inzwischen persönlich kennt, ist er auch schon mal Seelentröster in allen Lebenslagen: "Da ist man schon doch auch Auffangbecken. Da gibt's auch Leute, die ihre Wohnungen oder Jobs verlieren, die dann jeden Tag einfach mitfahren, damit sie nicht zu Hause sind. Da kriegt man dann natürlich entsprechend viel mit." Kürzlich half er jemandem bei einer Bewerbung. "Das hat dann sogar geklappt", freut sich der 39-Jährige.
Wettbewerb: Chance für Richi unter die Top 5 zu kommen
Viele Fahrgäste freuen sich, dass Richi jetzt auch noch die Chance hat, es bei dem Wettbewerb unter die fünf beliebtesten Busfahrer und Busfahrerinnen Deutschlands zu schaffen: "Er hat ein sehr freundliches, offenes Auftreten. Da kann ich mir schon gut vorstellen, dass er zu den beliebtesten Busfahrern zählt", sagt ein Gast auf der Fahrt zum Bahnhof Merklingen. Ein anderer nickt: "Das freut mich für ihn." Und eine Frau findet: "Er fährt super."
Die fünf beliebtesten Busfahrerinnen und Busfahrer werden laut Wettbewerbsagentur im Oktober in Berlin ausgezeichnet. Drei der 30 Nominierten sind inzwischen nicht mehr im Rennen. Spannend wird es dann noch im Anschluss an die Preisverleihung - dann dürfen die Busunternehmen selbst anhand der Einreichungen des Wettbewerbs noch ihre beliebteste Busfahrerin oder ihren beliebtesten Busfahrer küren.