Letzter Tag der traditionsreichen Gaststätte

"War ein Mekka für uns Rentner": Ulmer Kult-Gaststätte Jahnhalle öffnet vor Abriss noch ein letztes Mal

Es gibt Orte, die mehr sind als nur Wände und ein Tresen - wie die Jahnhalle in Ulm. Für viele war der Kult-Treff des SSV Ulm wie ein zweites Wohnzimmer. Jetzt schließt die Gaststätte für immer - sie wird abgerissen.

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Von Autor/in Dennis Bechtold

In ihren letzten Tagen ist die kultige Gaststätte in der Ulmer Jahnhalle proppenvoll. Zahlreiche Gäste wollen nochmal die schwäbische Hausmannskost genießen und in Erinnerungen schwelgen, bevor das Gebäude ab Ende November abgerissen wird. Ein neuer Sportpark des SSV Ulm 1846 soll hier entstehen. Er soll tausenden Vereinsmitgliedern ein neues Zuhause bieten.

Stammgäste der Jahnhalle sind traurig über Abriss

"Da geht ein großes Stück Tradition verloren", sagt eine ältere Frau über den bevorstehenden Abriss. "Es war ein Lokal mit Stil", fügt ein Senior an. "Es war ein Mekka für uns Rentner." Bei einer SWR-Umfrage in der Kult-Gaststätte zeigen sich viele der Gäste kurz vor Schließung traurig.

Ein anderer Gast erinnert sich zurück. "In diesem Haus bin ich als kleiner Bub schon zum Sport gegangen, heute bin ich fast 75 und deswegen finde ich das schade, dass die Jahnhalle wegkommt." Das finden durchaus auch jüngere Besucher. "Hier ist ein bisschen Ulm-Heimat", so ein Fan der Spatzen, der oft zum Kegeln kam. "Das werde ich vermissen, aber so ist es halt. Lauf der Zeit."

Mit einer Nachricht am Eingang der Ulmer Jahnhalle nimmt das Team der Kult-Gaststätte Abschied von seinen Gästen. Das Gebäude wird bald abgerissen und weicht einem Sportpark.
Mit einer emotionalen Nachricht nimmt das Team der Kult-Gaststätte im Ulmer Jahnhaus Abschied von den Gästen. Michelle Kochno

Abriss der Jahnhalle: SSV Ulm will Wachstum gerecht werden

Vor etwa 75 Jahren wurde die Jahnhalle nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut. Unzählige Kinder und Erwachsene haben hier, direkt neben dem Donaustadion, Sport gemacht.

Nach etwa sieben Jahren Planung ist nun der Zeitpunkt gekommen, dass die Jahnhalle einem modernen Sportpark weichen muss. Der SSV Ulm 1846 will so seinem Wachstum gerecht werden, erklärt Geschäftsführer Fabian Göggel im Gespräch mit dem SWR. 13.000 Mitglieder zählt der Verein mittlerweile, oft muss er mit seinen Abteilungen auf städtische Hallen ausweichen.

Heimspiel des SSV Ulm am letzten Öffnungstag

Die meisten Besucher der Kult-Gaststätte können diesen Schritt nachvollziehen, obwohl es vielen sichtlich weh tut. "Generell finde ich es gut, dass die Jahnhalle erneuert wird, mein Leben lang war sie schon alt", erzählt eine Frau. Eine weitere Besucherin versteht, "dass die Anlage alt und renovierungsbedürftig ist. Und dass es irgendwann keinen Sinn mehr macht zu renovieren und es besser ist, neu zu bauen."

Außenansicht der Jahnhalle in Ulm. Das Gebäude wird bald abgerissen und ein neuer Sportpark soll entstehen.
Die kultige Jahnhalle wird Ende November abgerissen. Es folgt der Beurer-Sportpark mit mehreren Hallen. Michelle Kochno

Für die Mannschaft des SSV Ulm 1846 Fußball war die Gaststätte in der Jahnhalle gerne mal ein Anlaufpunkt zum Mittagessen, erklärt SSV-Interimstrainer Moritz Glasbrenner. Er hofft, dass es nach dem Abriss einen neuen Ort gibt, "wo sich Fans und Verantwortliche des Vereins treffen können." Am letzten Öffnungstag spielen die Spatzen gegen Schweinfurt. "Wenn es sich zeitlich einrichten lässt, dann kann es durchaus sein, dass wir auch da mal vorbei schauen", so Glasbrenner.

SSV-Geschäftsführer Göggel: Mehr Sportfläche, keine Gastronomie

Mit dem geplanten Beurer-Sportpark soll sich nun die nutzbare Sportfläche versechsfachen, so SSV-Geschäftsführer Fabian Göggel. Neben einer sogenannten Dreifeldsporthalle, also einer klassischen Sporthalle wie sie zum Beispiel für Handball oder Volleyball genutzt wird, ist auch ein weiterer Gebäudeteil in Planung. In dem sollen verteilt auf drei Stockwerken zwei Einfeldhallen sowie Gymnastikräume unterkommen.

Außenansicht der Ulmer Jahnhalle. Ein Banner zeigt verschiedene Abteilungen des SSV Ulm 1846, die in Hallen unterkommen müssen. Der neue Sportpark soll hier Abhilfe schaffen.
Nur ein kleiner Ausschnitt von den vielen Sportabteilungen des SSV Ulm 1846 hängen an einem Banner an der Ulmer Jahnhalle. Einige davon müssen in Hallen unterkommen. Der neue Sportpark soll hier Abhilfe schaffen. Michelle Kochno

Eine neue Gastronomie ist allerdings nicht vorgesehen. Das sei eine finanzielle Entscheidung gewesen, so Göggel. Nur sportlich nutzbare Fläche wird gefördert. Die Pacht in einem neuen Gebäude wäre für Gastronomen deshalb auch deutlich höher als in der Jahnhalle. Man habe sich als Verein bei dem Neubau auf seine eigentliche Funktion konzentrieren müssen: Genügend Platz für die Sportausübung schaffen.

Erst Abschiedsparty, dann Abrissbirne

In den kommenden zwei Monaten wird die Halle nun ausgeräumt und technisch außer Betrieb genommen. Heißt, alle Wasser- und Stromleitungen müssen erstmal zurückgebaut werden, bevor die Abrissbirne kommt. Ende November soll es dann so weit sein und der etwa zwei Jahre andauernde Neubau beginnt.

Zuvor gibt es aber noch eine Abschiedsparty am 8. November als Andenken für alle Mitglieder. Hier können sie dann auch eingerahmte Parkettboden-Ausschnitte der Jahnhalle ersteigern, die vorher von einem Schreiner aufbereitet werden. Außerdem wird noch Inventar der Gaststätte versteigert, aber vor allem getanzt, gegessen und in Erinnerungen geschwelgt.

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Dennis Bechtold
SWR-Aktuell Redakteur Dennis Bechtold

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