In ihren letzten Tagen ist die kultige Gaststätte in der Ulmer Jahnhalle proppenvoll. Zahlreiche Gäste wollen nochmal die schwäbische Hausmannskost genießen und in Erinnerungen schwelgen, bevor das Gebäude ab Ende November abgerissen wird. Ein neuer Sportpark des SSV Ulm 1846 soll hier entstehen. Er soll tausenden Vereinsmitgliedern ein neues Zuhause bieten.
Stammgäste der Jahnhalle sind traurig über Abriss
"Da geht ein großes Stück Tradition verloren", sagt eine ältere Frau über den bevorstehenden Abriss. "Es war ein Lokal mit Stil", fügt ein Senior an. "Es war ein Mekka für uns Rentner." Bei einer SWR-Umfrage in der Kult-Gaststätte zeigen sich viele der Gäste kurz vor Schließung traurig.
Ein anderer Gast erinnert sich zurück. "In diesem Haus bin ich als kleiner Bub schon zum Sport gegangen, heute bin ich fast 75 und deswegen finde ich das schade, dass die Jahnhalle wegkommt." Das finden durchaus auch jüngere Besucher. "Hier ist ein bisschen Ulm-Heimat", so ein Fan der Spatzen, der oft zum Kegeln kam. "Das werde ich vermissen, aber so ist es halt. Lauf der Zeit."
Abriss der Jahnhalle: SSV Ulm will Wachstum gerecht werden
Vor etwa 75 Jahren wurde die Jahnhalle nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut. Unzählige Kinder und Erwachsene haben hier, direkt neben dem Donaustadion, Sport gemacht.
Nach etwa sieben Jahren Planung ist nun der Zeitpunkt gekommen, dass die Jahnhalle einem modernen Sportpark weichen muss. Der SSV Ulm 1846 will so seinem Wachstum gerecht werden, erklärt Geschäftsführer Fabian Göggel im Gespräch mit dem SWR. 13.000 Mitglieder zählt der Verein mittlerweile, oft muss er mit seinen Abteilungen auf städtische Hallen ausweichen.
Heimspiel des SSV Ulm am letzten Öffnungstag
Die meisten Besucher der Kult-Gaststätte können diesen Schritt nachvollziehen, obwohl es vielen sichtlich weh tut. "Generell finde ich es gut, dass die Jahnhalle erneuert wird, mein Leben lang war sie schon alt", erzählt eine Frau. Eine weitere Besucherin versteht, "dass die Anlage alt und renovierungsbedürftig ist. Und dass es irgendwann keinen Sinn mehr macht zu renovieren und es besser ist, neu zu bauen."
Für die Mannschaft des SSV Ulm 1846 Fußball war die Gaststätte in der Jahnhalle gerne mal ein Anlaufpunkt zum Mittagessen, erklärt SSV-Interimstrainer Moritz Glasbrenner. Er hofft, dass es nach dem Abriss einen neuen Ort gibt, "wo sich Fans und Verantwortliche des Vereins treffen können." Am letzten Öffnungstag spielen die Spatzen gegen Schweinfurt. "Wenn es sich zeitlich einrichten lässt, dann kann es durchaus sein, dass wir auch da mal vorbei schauen", so Glasbrenner.
SSV-Geschäftsführer Göggel: Mehr Sportfläche, keine Gastronomie
Mit dem geplanten Beurer-Sportpark soll sich nun die nutzbare Sportfläche versechsfachen, so SSV-Geschäftsführer Fabian Göggel. Neben einer sogenannten Dreifeldsporthalle, also einer klassischen Sporthalle wie sie zum Beispiel für Handball oder Volleyball genutzt wird, ist auch ein weiterer Gebäudeteil in Planung. In dem sollen verteilt auf drei Stockwerken zwei Einfeldhallen sowie Gymnastikräume unterkommen.
Eine neue Gastronomie ist allerdings nicht vorgesehen. Das sei eine finanzielle Entscheidung gewesen, so Göggel. Nur sportlich nutzbare Fläche wird gefördert. Die Pacht in einem neuen Gebäude wäre für Gastronomen deshalb auch deutlich höher als in der Jahnhalle. Man habe sich als Verein bei dem Neubau auf seine eigentliche Funktion konzentrieren müssen: Genügend Platz für die Sportausübung schaffen.
Erst Abschiedsparty, dann Abrissbirne
In den kommenden zwei Monaten wird die Halle nun ausgeräumt und technisch außer Betrieb genommen. Heißt, alle Wasser- und Stromleitungen müssen erstmal zurückgebaut werden, bevor die Abrissbirne kommt. Ende November soll es dann so weit sein und der etwa zwei Jahre andauernde Neubau beginnt.
Zuvor gibt es aber noch eine Abschiedsparty am 8. November als Andenken für alle Mitglieder. Hier können sie dann auch eingerahmte Parkettboden-Ausschnitte der Jahnhalle ersteigern, die vorher von einem Schreiner aufbereitet werden. Außerdem wird noch Inventar der Gaststätte versteigert, aber vor allem getanzt, gegessen und in Erinnerungen geschwelgt.