Machtwechsel in Budapest?

Auch Donaustadt Ulm blickt gespannt auf die Wahl in Ungarn

Die Wahl des ungarischen Parlaments am Sonntag wird auch in Ulm mit Spannung erwartet. Die Donaustadt pflegt mit dem Land im Osten seit Jahrzehnten enge Kontakte.

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Von Autor/in Anita Schlesak, Jannik Volz

Am Sonntag stimmen die Menschen in Ungarn über die Zukunft ihres Landes ab. Die Wahl sorgt nicht nur in Budapest für Aufmerksamkeit, auch in Ulm wird die Entwicklungen mit großem Interesse verfolgt.

Direktor des DZM in Ulm: "Ungarn steht vor einer Schicksalswahl"

Die Wahl sei entscheidend, so Tamas Szalay, der Direktor des Donauschwäbischen Zentralmuseums (DZM) in Ulm. "Das ist eine Schicksalswahl – nicht nur für Ungarn, sondern auch für Europa", betont er. Sie könnte das Ende der 16-jährigen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban bedeuten, erklärt der gebürtige Ungar. Viele seiner Landsleute hätten das Gefühl, dass diese Wahl die letzte Möglichkeit sei, einen politischen Kurswechsel herbeizuführen.

Der Direktor des Donauschwäbischen Zentralmuseums, Tamas Szalay: "Das ist eine Schicksalswahl."
Der Direktor des Donauschwäbischen Zentralmuseums, Tamas Szalay: "Das ist eine Schicksalswahl." Jannik Volz

Eine Wahl zwischen Hoffnung und Angst

Die Hoffnung auf einen Machtwechsel sei groß, aber gleichzeitig spürten viele auch Angst, sagt Szalay, der das DZM in Ulm seit 2023 leitet. "Wenn Orban erneut gewählt wird, fürchten viele, dass sich Ungarn noch weiter von der EU entfernt – vielleicht sogar in eine Richtung wie Belarus", ergänzt er. Die Orban-Regierung versuche die Menschen im Land zu manipulieren und es gebe viele, die inzwischen eher Kreml-Propaganda glauben als der EU. Dabei sei die Zeit Ungarns in der EU "die erfolgreichste Periode des Landes seit Jahrhunderten", betont der Museumsdirektor.

Mitbegründer des Donaufestes wünscht sich Machtwechsel

Seit der Gründung des Internationalen Donaufestes pflegen die Städte Ulm und Neu-Ulm enge Beziehungen zu den Ländern entlang der Donau. Peter Langer, Mitbegründer des Donaufestes, findet klare Worte: "Ich hoffe, dass dieser Kerl abgewählt wird. Das wäre eine große Erleichterung – nicht nur für Ungarn, sondern auch für die politische Entwicklung in Europa und der EU."

Peter Langer, Mitbegründer des internationalen Donaufestes, setzt auf einen Wechsel: "Ich hoffe, dass dieser Kerl abgewählt wird."
Peter Langer, Mitbegründer des internationalen Donaufestes, setzt auf einen Wechsel: "Ich hoffe, dass dieser Kerl abgewählt wird." Peter Langer

Langer kritisiert Orban scharf. "Er hat alles blockiert und sich wie ein Schmarotzer dort bedient, wo er nur konnte", sagt er. Ein Machtwechsel in Budapest wäre seiner Meinung nach entscheidend. "Die Ungarn gehen ja direkt auf die Straße gegen ihn. Ich hoffe, dass sich die Wahl auch für uns positiv entwickelt."

Geiger des Theaters Ulm: "Es ist wichtig, dass Orban die Wahl verliert."

"Große Sorgen um die Zukunft Ungarns" macht sich Tamas Füzesi, der erste Geiger am Theater Ulm, denn beide Parteien seien stark "fanatisiert“. Er rechnet damit, dass die Opposition gewinnt und hofft, dass es nicht zu Gewaltausbrüchen kommt. Füzesi, der gebürtige Ungar, der seit 55 Jahren in Deutschland lebt, reist oft in die alte Heimat und spricht von einem zerrissenen Land. "Der Riss geht mitten durch meine Familie: Eine Cousine ist glühende Orban-Verehrerin und ihr Bruder erbitterter Feind", so Füzesi.

Der Konzertmeister des Philharmonischen Orchesters Ulm und "Orban-Versteher", Tamas Füzesi, sagt: "Es ist wichtig, dass Orban die Wahl verliert."
Der Konzertmeister des Philharmonischen Orchesters Ulm und "Orban-Versteher", Tamas Füzesi, sagt: "Es ist wichtig, dass Orban die Wahl verliert." Theater Ulm, Pressestelle

"Ich habe das Ungarn-Bashing satt", beteuert Füzesi. Man müsse das Land von verschiedenen Seiten sehen. Der Musiker, der seit 1992 Mitglied des Philharmonischen Orchesters Ulm ist, nennt sich selbst einen "Orban-Versteher". Er wisse, wie es zu dieser Entwicklung gekommen sei. Zugleich verurteilt er das "im höchsten Maße korrupte System Orban". Daher sei es "sinnvoll und wichtig", dass Orban die Wahl am Sonntag verliere.

Ulmerin aus Ungarn: "Ich bin aufgeregt und nervös"

"Sehr, sehr aufgeregt und auch ein bisschen nervös bin ich", erzählt Maria S. am Telefon. Die Ulmerin mit ungarischen Wurzeln besucht gerade ihre Familie in Budapest und möchte anonym bleiben. Auch sie glaubt an eine historische Wahl am Sonntag und hofft, dass "das Orban-Regime verschwindet". Denn es hat ihrer Meinung nach Ungarn "kaputtgemacht".

Maria S. sagt im SWR-Interview: "Die Freunde des Orban-Regimes wurden sehr, sehr reich und die Armut wächst, während die Mittelschicht weg ist." Ungarn habe zwar viel Geld von der EU bekommen, doch die Orban-Freunde hätten "es sich selbst in die Tasche gesteckt". Mit dem möglichen Sieg der Opposition am Sonntag hofft Maria S. auf das Ende der Korruption. "Wenn Orban aber wieder gewinnt, ist es ein sehr, sehr großes Problem."

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Anita Schlesak
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Jannik Volz
SWR-Aktuell Redakteur Jannik Volz

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