Wenn ein geliebter Mensch stirbt, verändert sich das Leben von einem Moment auf den anderen. Verlust zu spüren und zu verarbeiten ist schwer. Für Kinder gibt es viele Angebote zur Trauerbegleitung, ebenso für Erwachsene. Doch junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren fallen häufig durch das Raster. Genau hier setzt das Ulmer Projekt "Schwer Okay" an.
Ein Ort für junge Menschen mit gebrochenem Herzen
Die Initiative richtet sich an junge Menschen, die einen nahestehenden Menschen verloren haben und einen Ort suchen, an dem sie mit ihrer Trauer nicht allein sind. Gegründet wurde "Schwer Okay" von Ehrenamtlichen, die erkannt haben, wie groß die Lücke in diesem Bereich ist.
Gerade diese Lebensphase ist geprägt von großen Veränderungen. Von der Suche nach der eigenen Identität, von Zukunftsplänen und ersten Schritten ins Erwachsenenleben. Ein Verlust kann in dieser Zeit besonders tief erschüttern.
Das Besondere an "Schwer Okay" ist der Ansatz. Es geht nicht darum, Trauer zu therapieren oder den Schmerz verschwinden zu lassen. Stattdessen sollen junge Menschen erleben, dass beides gleichzeitig existieren darf: die Trauer und die Leichtigkeit. Der Schmerz und die schönen Momente. Die Erinnerungen und die Hoffnung. Bei den Trauerevents sollen sich Gleichgesinnte finden und austauschen - wenn sie möchten.
Gemeinsam durch die Trauer
Die Gruppen sind bewusst klein gehalten. Meist treffen sich vier bis sechs junge Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Die Atmosphäre erinnert eher an ein Treffen mit Freunden als an ein klassisches Hilfsangebot. "Trauernde werden oft gemieden, was sie noch einsamer macht. Sie verlieren nicht nur einen geliebten Menschen, sondern oft auch noch Freunde", sagt Hannah, die sich im "Schwer Okay"-Team ehrenamtlich engagiert.
Genau das wollen die Trauerbegleiterinnen ändern. Gemeinsam wird gekocht, gewandert, gebacken, genäht, geschnitzt oder getöpfert. Während die Hände beschäftigt sind, entstehen Gespräche oft ganz von selbst. Niemand muss etwas erzählen. Niemand wird gedrängt. Man darf zuhören, schweigen, lachen oder weinen.
Trauernde werden oft gemieden, was sie noch einsamer macht. Sie verlieren nicht nur einen geliebten Menschen, sondern oft auch noch Freunde.
Gerade diese Mischung macht das Konzept so erfolgreich, erzählt Hannah weiter. "Viele Trauernde erleben nach einem Verlust große Einsamkeit. Freunde und Bekannte wissen oft nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Manche wechseln das Thema, andere ziehen sich zurück, weil sie Angst haben, etwas Falsches zu sagen."
Bei "Schwer Okay" treffen junge Menschen auf andere, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Menschen, die verstehen, wie sich ein leerer Platz am Esstisch anfühlt. Die wissen, wie schwer Geburtstage, Feiertage und besondere Lebensmomente plötzlich werden können.
Trauerbegleitung in Ulm: Es tut weh - und das ist okay
Die Ehrenamtlichen erleben immer wieder, wie wichtig dieser Austausch ist. Aus anfänglicher Unsicherheit entstehen neue Freundschaften. Aus dem Gefühl, allein zu sein, wächst Gemeinschaft. Aus anfänglichem Schweigen wird Lachen und Weinen und Reden. Viele Teilnehmer berichten, dass sie zum ersten Mal das Gefühl haben, mit ihren Gedanken und Gefühlen verstanden zu werden.
Die Events sind vielfältig. Beim Pastaabend wird gemeinsam gekocht, es werden Erinnerungsstücke aus der Kleidung der Verstorbenen genäht oder es wird gemeinsam gewandert. Der Verein finanziert die Events durch Spenden und Fördergeldern. Alle arbeiten ehrenamtlich, damit das Angebot für jeden zugänglich bleibt.
Das Ehrenamt macht mich unheimlich dankbar und ich spüre dadurch eine große Zufriedenheit.
Dass das Konzept einen Nerv trifft, zeigt die große Nachfrage. Für die Gründerinnen Lena und Chiara ist das ein deutliches Zeichen dafür, wie groß der Bedarf an solchen Angeboten ist. "Das Ehrenamt macht mich unheimlich dankbar und ich spüre dadurch eine große Zufriedenheit", sagt Lena, die Gründerin von "Schwer Okay".
Dankbarkeit - für die Begegnungen und für all die Momente, in denen spürbar wird, dass Gemeinschaft selbst in den dunkelsten Zeiten Hoffnung schenken kann.