Mit selbstgebautem Boot flussabwärts

Physikunterricht mal anders: Schüler bauen Ulmer Schachtel

Die Schüler vom Lessing-Gymnasium in Neu-Ulm bauen eine Ulmer Schachtel. Sie wollen am Schwörmontag beweisen, dass ihre Berechnungen auch in der Praxis funktionieren.

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Stand

Von Autor/in Stefanie Schmitz

Auftrieb, Statik und Strömungslehre stehen normalerweise auf dem Stundenplan, für eine 11. Schulklasse am Lessing-Gymnasium in Neu-Ulm werden diese Themen nun greifbar: Im Physikunterricht haben sie ihre eigene Ulmer Schachtel - ein Flussschiff aus Holz - entworfen, geplant und auch gebaut. Der Höhepunkt des Projekts steht fest: Am Schwörmontag wollen sie die Donau von Ulm aus bis zur österreichischen Grenze hinabfahren.

Was zunächst wie ein außergewöhnlicher Schulausflug klingt, ist das Ergebnis monatelanger Planung, Berechnung und handwerklicher Arbeit. Von den ersten Skizzen bis zur letzten Schraube haben die Jugendlichen ihr Boot mit dem Physiklehrer Matthias Burger selbst entwickelt und gebaut. Auch die Sponsoren wurden selbst gesucht.

Eine Schülerin schraubt mit einem Akkuschrauber eine Schraube ins Holz.
Manche Schülerinnen haben zum ersten Mal Elektrobohrer und andere Maschinen bedient, - und manche haben sogar Gefallen daran gefunden.
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Bootsbau: Physik zum Anfassen

Bevor überhaupt gesägt und geschraubt werden konnte, mussten die Schülerinnen und Schüler viele physikalische Fragen beantworten: Welches Material eignet sich? Wie muss die Konstruktion aufgebaut sein, damit sie stabil bleibt? Wie verteilt sich das Gewicht?

Das ist Physik zum Anfassen. Unter Anleitung ihres Physiklehrers entstanden zunächst Entwürfe und Berechnungen. Entschieden haben sie gemeinsam. Erst danach ging es los mit der praktischen Umsetzung. Aus Holzplatten, Werkzeug und jeder Menge Teamarbeit wurde Schritt für Schritt eine Ulmer Schachtel.

Plötzlich merkt man, dass Physik nicht nur aus Formeln besteht, sondern darüber entscheidet, ob ein Boot schwimmt oder untergeht.

Der Physiklehrer steht mit einem Schüler und einer Schülerin am Boot und bespricht den nächsten Bauschritt.
Physiklehrer Matthias Burger (rechts) bespricht mit den Schülerinnen und Schülern jeden Schritt. Er unterstützt seine Klasse, aber die Arbeitsschritte machen die Elftklässler alleine.

Ulmer Schachtel: Gemeinsam geplant, gemeinsam gebaut

Besonders stolz sind die Schülerinnen und Schüler darauf, dass sie nahezu jeden Arbeitsschritt selbst übernommen haben. Sie haben gemessen, gesägt, geschraubt, abgedichtet und immer wieder überprüft, ob ihre Konstruktion den Berechnungen entspricht.

Es ist ein tolles Gefühl, am Ende in einem Boot zu sitzen, das wir komplett selbst geplant und gebaut haben. Darauf freuen wir uns am meisten.

Auch Rückschläge gehörten zum Projekt. Nicht jede Idee hat auf Anhieb funktioniert. Manches ist zusammengebrochen, sobald die Schraube eingedreht wurde. Oder die Teile passten nicht so ineinander, wie sie passen sollten. Dann wurde nochmal geschraubt, und was nicht passte, wurde passend gemacht.

Gerade dadurch sei deutlich geworden, wie eng Theorie und Praxis miteinander verbunden sind, sagen sie. Doch aufgeben war nie eine Option, schließlich wollen die Jugendlichen mit der zwölf Meter langen Schachtel flussabwärts Richtung Österreich fahren.

Ein Schüler hat einen blauen Hörschutz auf und schleift mit einer Schleifmaschine ein Stück Holz ab.
In den vergangenen Monaten mussten die Schülerinnen und Schüler viel Holz bearbeiten: schleifen, sägen und leimen.

Bewährungsprobe am Schwörmontag

Ob die Berechnungen stimmen, wird sich auf der Donau zeigen. Einen Tag vor Schwörmontag soll die Schiffstaufe stattfinden, sogar mit der Neu-Ulmer Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger (CSU). Die jungen Konstrukteure und Kontrukteurinnen werden sehen, ob die Schachtel dichthält.

Natürlich hoffen wir, dass alles funktioniert. Aber genau darum geht es in diesem Projekt: Wir wollen ausprobieren, ob unsere Überlegungen auch unter realen Bedingungen tragen.

An Schwörmontag folgt dann das Highlight: Die Klasse will mit ihrer Schachtel bis zur österreichischen Grenze paddeln. Die Tour wurde sorgfältig vorbereitet, Sicherheit ist dabei genauso wichtig wie die technische Belastbarkeit des Boots. Die Jugendlichen fahren ohne ihre Eltern. Und die Ausfahrt soll eine Woche lang dauern. Darauf haben die jungen Erwachsenen ein Schuljahr lang hingearbeitet.

Ein Stück Ulmer Geschichte neu erlebt

Für die Schülerinnen und Schüler ist die Fahrt viel mehr als eine sportliche Herausforderung. Sie ist der Abschluss eines Projekts, das ihnen gezeigt hat, wie spannend Naturwissenschaften sein können. Physiklehrer Burger ist guten Mutes und hofft, dass alles gut funktioniert.

Die historische Ulmer Schachtel war einst ein typisches Transportboot auf der Donau. Mit ihrem Projekt schlagen die Jugendlichen nun eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Aus einem historischen Vorbild ist ein modernes Lernlabor geworden, in dem Physik, Technik, Regionalgeschichte und Teamarbeit zusammenkommen.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Stefanie Schmitz
SWR-Aktuell Redakteurin Steffi Schmitz

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