Reportage aus 5.000 Metern Höhe

Kerosin für Kampfjets: So betankt die Bundeswehr Eurofighter über Ulm

Regelmäßig werden über dem Großraum Ulm Flugzeuge der Luftwaffe betankt. Was am Boden viele nervt, sorgt am Himmel für spektakuläre Bilder. SWR-Reporter Jürgen Klotz ist mitgeflogen.

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Von Autor/in Jürgen Klotz

Sie tauchen immer wieder über dem Großraum Ulm auf - Flugzeuge der Bundeswehr. Sie üben dort unter anderem das Betanken von Flugzeugen. Am Boden ärgern sich viele Menschen über den Lärm. Die Bundeswehr rechtfertigt die Flüge mit der Notwendigkeit solcher Übungen. Der SWR hatte jetzt Gelegenheit, bei einer solchen Luftbetankung mitzufliegen. Eine Reportage aus 5.000 Metern Höhe.

Start für den Betankungsflug für Eurofighter bei Augsburg

Treffpunkt für den Betankungsflug ist der Bundeswehrflughafen Lagerlechfeld südlich von Augsburg. Der Airbus A400M der Bundeswehr legt dort einen Zwischenstopp ein, damit ich zusteigen kann. Die Maschine kommt aus Wunstorf bei Hannover. Dort befindet sich der Fliegerhorst des Lufttransportgeschwaders 62 der Bundeswehr. Damit der Airbus in der Luft andere Flugzeuge betanken kann, muss er zunächst selbst betankt werden. 50 Tonnen Kerosin haben Platz.

Im bayerischen Neuburg an der Donau steigen fast zeitgleich Kampfjets für eine Übung auf. Ursprünglich war geplant, sie über Ulm zu treffen. Doch schon am Boden wird klar: Das klappt an diesem Tag nicht. Der Großraum Ulm liegt bei Dauerregen unter einem dicken Wolkenband. Eine Betankung von Flugzeugen ist deshalb hier unmöglich. "Für die Luft-zu-Luft-Betankung müssen wir uns sehen. Also wir die Jets, und die Jets uns", sagt der Kapitän des Airbus, Oberstleutnant Niklas.

Die Suche nach einer "Tankstelle" in der Luft

Einfach wo anders tanken, geht aber nicht. Denn über Deutschland ist die Luftbetankung nicht überall erlaubt. Das gilt auch für NATO-Verbündete. Es gibt nur 15 Gebiete, in denen betankt werden darf, drei davon liegen in Baden-Württemberg und Bayern. Weil es in der "Gretchen-Area" über Ulm regnet, fliegen wir Richtung Dresden. Unser Ziel ist die "Saxon-Zone".

Luftbetankung der Bundeswehr. Das sind die verschiedenen Betankungszonen über Deutschland. Sie dürfen von der Bundeswehr und allen NATO-Partnern für Luftbetankung genutzt werden. (Quelle: Bundeswehr)
Das sind die verschiedenen Betankungszonen über Deutschland. Sie dürfen von der Bundeswehr und allen NATO-Partnern für Luftbetankung genutzt werden. (Quelle: Bundeswehr)

Die Piloten fliegen durch unterschiedliche Höhen. Doch überall ist die Sicht gleich Null. Plötzlich, in der Nähe von Chemnitz, wird die Sicht besser, auf etwa 5.000 Metern Höhe. Über und unter uns sind immer noch Wolken. Wir sind jetzt in der Betankungszone "Saxon". Auf den Monitoren im Cockpit tauchen hinter dem Airbus Eurofighter auf. Sie sind in Rostock gestartet. Die Jet-Piloten nehmen Kontakt zum Airbus auf. Der Betankungsvorgang kann gestartet werden.

So lässt sich die Luftbetankung der Bundeswehr über Ulm verfolgen. (Quelle: flightradar24)
So lässt sich die Luftbetankung der Bundeswehr über Ulm verfolgen. (Quelle: flightradar24)

Zentimeterarbeit in 5.000 Metern Höhe

An beiden Flügeln des Airbus wird ein Tankschlauch ausgefahren. An dessen Ende befindet sich ein schirmartiger Stutzen. Den muss der Eurofighter mit seiner Tanklanze treffen. Bei einer Geschwindigkeit von knapp 600 Kilometern pro Stunde tastet sich der Pilot des Eurofighters wie in Zeitlupe an den Tankrüssel heran. Die Szenerie wirkt wie ein Filmausschnitt von "TopGun". Tatsächlich trifft der Eurofighter das winzige Ziel. An beiden Seiten des Airbus begleiten uns jetzt zwei Kampjets. Wie an einer Leine führen wir sie durch die Luft.

Durch Training gewöhnt man sich daran, dass einem Flugzeuge so nahe kommen

Jetzt fließen rund 500 Liter Kerosin pro Minute von Maschine zu Maschine. Für Oberstleutnant Niklas ist die Betankung längst Routine. Allerdings sei es Anfangs schon aufregend, wenn andere Flugzeuge so nahe kommen. Maximal zehn Minuten dauert die Betankung. In dieser Zeit fliegen die Flugzeuge fast 100 Kilometer weit.

Luftbetankung der Bundeswehr über Ulm. So sieht die Luftbetankung über Ulm an einem wolkenlosen Tag im Sommer aus. (Archivbild)
So sieht die Luftbetankung über Ulm an einem wolkenlosen Tag im Sommer aus. (Archivbild)

Betankung von Eurofightern: Flüge über Großraum Ulm unvermeidbar

Das ist auch der Grund, warum solche Flüge über Städten stattfinden müssen. "Wir versuchen, bebaute Gebiete zu vermeiden. Aber auf Grund der dichten Besiedelung ist es nicht möglich, alle Städte auszulassen", meint Oberstleutnant Niklas. Fluglärm durch solche Manöver sei deshalb auch über Großstädten in Süddeutschland unvermeidbar. Ist ein Airbus der Bundeswehr in der "Gretchen-Area" über dem Großraum Ulm unterwegs, können auch Jets anderer NATO-Länder eine Betankung beantragen.

Die NATO übt solche Flüge, damit Piloten bei Einsätzen, nicht so oft landen müssen. Das gilt aufgrund der aktuellen Geschehnisse auch an der Ostflanke an der Grenze zu Russland. Jahrelang werden Piloten bei der Bundeswehr für solche Flugmanöver ausgebildet. In der Hoffnung, sie nur in Friedenszeiten zu üben.

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Jürgen Klotz
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