Zehn Holzfiguren in Blau und Orange sollen in der Aalener Innenstadt auf das Problem der Wohnungslosigkeit aufmerksam machen. Die Zitate auf den Figuren erzählen persönliche Geschichten und Gründen, die konkret zu Wohnungslosigkeit geführt haben. Die Ausstellung wurde am Montag eröffnet.
Persönliche Geschichten Wohnungsloser
Jede Figur erzählt eine individuelle Geschichte - von Verlust, von Krankheit, von Trennung. Einzelne Zitate auf den Holzfiguren geben einen Einblick in jedes Schicksal. Auf der knienden Figur am Rathaus steht zum Beispiel: "Es war nur eine Nacht, ein Feuer – und plötzlich war alles weg: Unsere Fotos, unsere Möbel, unser Zuhause. Wir mussten bei Null anfangen".
Auf einer anderen liegenden Menschensilhouette steht: "Ich zähle nicht - außer, wenn ich im Weg liege". Die meisten Betroffenen wollen anonym bleiben. Trotzdem ist die Botschaft klar: Wohnungslosigkeit kann jeden treffen.
Wohnungslosigkeit: "Eine Trennung, kein Geld, keine Perspektive"
Sabine Mann ist eine der Betroffenen, von denen die Ausstellung erzählt. Sie wohnt heute in einer Wohngemeinschaft der Caritas nahe der Aalener Innenstadt. Ihr Zimmer ist gemütlich, ihre Mitbewohnerinnen und Mitbewohner freundlich. Und sie bekommt eine warme Mahlzeit, für die sie ehrenamtlich, dreimal die Woche, in einer Wäscherei arbeitet.
Das war nicht immer so, erzählt die 56-jährige Frau. Nachdem ihr Freund sie vor einigen Jahren auf die Straße gesetzt hat, ging es ihr nicht gut. "Ich war fast blind und hatte mit Bluthochdruck und Allergien zu kämpfen", erzählt sie. Sabine Mann hat dann mal hier und mal dort bei Bekannten gewohnt. Ihre Rettung sei am Ende die Wohnungslosenhilfe Aalen gewesen, sagt sie.
Motto der Ausstellung: Hingehen statt Wegsehen!
So wie Sabine Mann geht es vielen: Die Stadt Aalen hat derzeit rund 170 Wohnungslose untergebracht. Trotzdem leben immer noch Menschen auf der Straße, oft unsichtbar, fast immer unbeachtet. Die bunten Holzfiguren in der Aalener Innenstadt stehen stellvertretend für sie, so die Stadt.
Das Motto der Aktion lautet "Hingehen statt Wegsehen!". Bei der Ausstellungseröffnung am Montag appelliert Bürgermeister Bernd Schwarzendorfer an die Bürgerinnen und Bürger, aufmerksam durch die Stadt zu laufen und Menschen anzusprechen, die eventuell Hilfe benötigen.
Ideengeber für die Ausstellung war die Wohnungsnotfallhilfe der Stadt Aalen. Gerade für Obdachlose könne die kalte Jahreszeit lebensgefährlich sein. Wer in Aalen obdachlosen Menschen begegnet, soll sich an die Wohnungsnotfallhilfe der Stadt Aalen oder die Wohnungslosenhilfe der Caritas wenden.
„Beeindruckende Persönlichkeiten und abgefahrene Geschichten“
Eva Hoch vom Kunst- und Kulturverein Aalen (Kollektiv K.) hat die Idee künstlerisch umgesetzt. Die zwei Farben, mit denen sie die Holzsilhouetten bemalt hat, sind nicht zufällig gewählt. "Das Blau steht für die Stadt, das Orange für die Wohnungsnotfallhilfe", erklärt Hoch.
Die zehn Figuren hat die Künstlerin zusammen mit den Menschen bemalt, deren Geschichten erzählt werden. Das sei eine wirklich schöne Erfahrung gewesen, bei der sie beeindruckende Persönlichkeiten getroffen und "abgefahrene Geschichten" gehört hat, so Hoch.
Die Figuren stehen noch bis zum 24. November unter anderem an der Kirche, auf dem Marktplatz und am Bahnhof in Aalen.