Mit der Lieferung von Hochleistungsradaren soll der Rüstungshersteller Hensoldt die Luftverteidigung der Ukraine unterstützen. Der Auftrag umfasse 340 Millionen Euro, teilte Hensoldt mit. Am Freitagnachmittag besuchte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) den Hensoldt-Standort in Ulm.
Kretschmann spricht sich für starke Rüstungsindustrie aus
Um Frieden, Freiheit und Demokratie in Europa zu verteidigen, brauche es eine starke Verteidigungswirtschaft, sagte Kretschmann beim Besuch in Ulm. Baden-Württemberg trage dabei mit über 100 Rüstungsunternehmen eine besondere Verantwortung. Ein Beispiel sei die Serienfertigung von Luftverteidigungsradaren im Hensoldt-Werk in Ulm. Es seien Radare, die unter anderem die Ukraine vor russischen Angriffen schützen.
Unsere Hauptkunden - allen voran die Bundeswehr - haben einen dringenden Bedarf an leistungsfähigen Verteidigungssystemen [...]. Hier in Ulm wird greifbar, dass wir - nicht zuletzt mit Unterstützung der Landesregierung - Schlüsseltechnologien entwickeln ...
Hensoldt-Chef Oliver Dörre erklärte, dass das Unternehmen für den steigenden Bedarf der Bundeswehr in zusätzliche Produktionskapazitäten investiere und zusätzliches Personal aufgebaut habe. In Ulm würden Schlüsseltechnologien zum Schutz des Landes entwickelt. Daran sind rund 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beteiligt.
Zwei Arten von Radaren werden an die Ukraine geliefert: Hochleistungsradare vom Typ TRML-4D und Radare für den Nahbereich vom Typ SPEXER.
Hochleistungsradar erfasst Objekte vom Hubschrauber bis zum Marschflugkörper
Die Hochleistungsradare seien in der Lage, Marschflugkörper, Drohnen, Flugzeuge und auch Hubschrauber schnell zu erkennen, zu verfolgen und einzuordnen, hieß es in der Mitteilung weiter. Der Radius, der abgescannt wird, ist 250 Kilometer groß. Innerhalb dieses Kreises kann das Radarsystem rund 1.500 Ziele verfolgen.
Radar für den Nahbereich
Das sogenannte SPEXER-System umfasst Überwachungsradare für den Nahbereich. Es soll nach Unternehmensangaben Boden-, See- und niedrig fliegende Luftziele erfassen und wird unter anderem in einem neuen Flugabwehrkanonenpanzer eingebaut.
Größter Standort von Hensoldt mit Sitz in Taufkirchen ist Ulm. Die beiden Radarsysteme für die Ukraine seien komplett in Ulm entwickelt, produziert und getestet worden, sagte ein Unternehmenssprecher.
Die Tests fanden zunächst in Messkammern am Standort statt, später dann auch in einer Außenanlage südwestlich von Ulm. Die Stadt gilt unter Branchenkennern als "Radarhochburg".
Nicht der erste Ukraine-Auftrag für Hensoldt
Eine Reihe von Radaren des Unternehmens sei bereits seit Kriegsbeginn in der Ukraine im Einsatz. Genaue Zahlen darf das Unternehmen nach eigenen Angaben aus Sicherheitsgründen nicht nennen.
Ähnlich verhält es sich mit den Plänen zur Anhebung des deutschen Rüstungsetats: Sie seien ein "historischer Wendepunkt" für Hensoldt gewesen und dienten der "Stärkung der europäischen Unabhängigkeit", so der Sprecher. Zahlen und Wirtschaftsdaten gibt Hensoldt jedoch nicht bekannt.