Mehrere hundert Menschen hat das Bündnis gegen Rechts Heidenheim am Samstag mobilisiert. Mit einer Demonstration wollten sie ein Zeichen für Demokratie, Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt setzen. Am Mittag fand zudem eine Kundgebung vor dem Congress Centrum statt, in dem die AfD ihren Landesparteitag veranstaltete.
Demo durch Heidenheim: "Unser Ländle ist bunt"
Mit Trommeln, Trillerpfeifen und Sprechchören startet der Demonstrationszug am Samstag kurz nach 10 Uhr vom Bahnhof in Heidenheim, schlängelt sich durch die Innenstadt bis auf den Schlossberg zur Kundgebung. Viele halten Plakate hoch mit Aufschriften wie "Macht die Welt bunt. Nicht braun!" oder "Demokratie hält zusammen".
Neben Parteien, Gewerkschaften und antifaschistischen Gruppen schließen sich auch viele Familien den Protesten an. "Weil ich will, dass meine Kinder in einer vielfältigen, bunten Welt aufwachsen und ihre Freunde behalten können", erklärt beispielsweise eine Mutter. Ein anderer Demonstrant möchte nicht hinnehmen, "dass Leute sich auf so einen alten Weg begeben, der schon einmal so krass schief gegangen ist".
Stimmung gegen den Landesparteitag der AfD im Congress Centrum
Bei der Kundgebung auf dem Hugo-Rupf-Platz direkt vor dem Congress Centrum spricht unter anderem Andreas Stoch, ehemaliger Spitzenkandidat der SPD bei den diesjährigen Landtagswahlen, zu den rund 500 Menschen. Er ruft am Mikrofon auf zu "Intoleranz gegenüber jenen, die die Demokratie nutzen wollen, um sie abzuschaffen". Nur ein paar Meter weiter wählt die AfD Baden-Württemberg ihren neuen Landesvorstand. Trotz der unmittelbaren örtlichen Nähe beider Veranstaltungen bleibt es größtenteils friedlich, so die Polizei Ulm.
Vor Ort ist auch der Protestbus "Der Adenauer SRP+" des Zentrums für politische Schönheit. Die für ihre provozierenden Kunstaktionen bundesweit bekannte Gruppe soll auch am Frühstücksbuffet des AfD-Landesparteitages ein Hakenkreuz aus veganem Hack platziert haben. Auf dem Teller stand die Aufschrift "Vorsicht vor der NSAFD". Die Polizei ermittelt deshalb gegen eine Person, weil es verfassungswidrig ist, das Hakenkreuz-Symbol zu verwenden.
Landesparteitag der AfD Weidel nennt Merz erneut "Lügenkanzler" und AfD-Landesvorsitzender spricht über seine Russlandreise
Die AfD Baden-Württemberg trifft sich zum Parteitag in Heidenheim. Sie bestätigt dabei ihr Führungsduo im Amt. Es geht aber auch um Russlandkontakte und Bundespolitik.
Wegen des Landesparteitages der AfD hat die Stadt Heidenheim zuvor den diesjährigen Schlossberg-Erlebnistag abgesagt, der für den 7. Juni geplant war. "Deswegen wollen wir Position beziehen," erzählt eine protestierende Frau, die es "ätzend findet, dass für so eine Veranstaltung der Schlossberg-Erlebnistag gekillt wird".
Weniger Demonstrierende als im vorigen Jahr
Einem anderen Teilnehmer geht es bei seinem Protest nicht nur um die AfD, sondern um die Ursachen, warum sie so stark wird. "Deswegen ist es angebracht und notwendig, dass man auch den Widerstand oder den Protest an die regierenden Parteien richtet", so der Mann.
Insgesamt gehen deutlich weniger Menschen auf die Straße als noch vor etwa einem Jahr, als rund 4.000 Menschen gegen eine Wahlkampfveranstaltung der AfD in Heidenheim protestiert haben. Einer der Demonstranten sagt, man sollte nicht ihn, sondern "eher die Leute fragen, die nicht demonstrieren, warum sie nicht demonstrieren".
Felix Bürkle, einer der Organisatoren vom Bündnis gegen Rechts, erklärt die geringere Beteiligung mit den Pfingstferien und dem Brückentag. Er zeigt sich aber "sehr glücklich", dass immerhin 500 auf den Schlossberg gekommen seien und "mit Offenheit, guter Laune und Fröhlichkeit hier zusammenstehen und ein Zeichen setzen".
Korrekturhinweis: In einer vorherigen Version des Artikels haben wir vom Schloss-Erlebnistag statt vom Schlossberg-Erlebnistag geschrieben. Außerdem hieß es, dass dieser für den 6. Juni geplant war. Der Tag sollte aber ursprünglich am 07. Juni stattfinden.