Hirschkäfer, Landkärtchen oder Hummel: winzige Wesen, die sonst kaum jemand wahrnimmt, im Vorbeigehen vielleicht sogar als lästig abtut. An grauen Betonwänden werden sie zu Kunstwerken. Der Ulmer Graffiti-Künstler Milo schenkt ihnen Aufmerksamkeit: groß, bunt, leuchtend. Aus einer tristen Fassade wird ein Kunstwerk.
Farbenfroh und überdimensional
Was in der Natur den meisten kaum auffällt, wächst bei Milo zu riesigen Graffitigemälden heran. Er setzt Insekten überdimensional in Szene. Mit vielen verschiedenen Farbtönen, sanften Verläufen und einem scharfen Blick fürs Detail. Fast wie eine Mikroskopaufnahme wirken die Tierchen an den Wänden. Bevor er solche Bilder an eine Wand sprüht, studiert er Fotos der Tiere ganz genau. Gerade wegen der Farben ist es ihm wichtig, sie originalgetreu und erkennbar zu sprühen.
Übergroße Insekten sind ein roter Faden in meinen Werken, womit ich eben möglichst viel faszinieren möchte
Graffitis mit Botschaft
Der 37-jährige freischaffende Graffiti-Künstler hat Umweltingenieurswesen studiert und möchte die Betrachter nicht nur mit leuchtenden Farben und detailreichen Darstellungen begeistern, sondern auch zum Nachdenken über die Umwelt anregen: "Insekten sind Teil meines Portfolios. Also in Übergröße natürlich dargestellt, versuche ich so, Leute für Insekten zu motivieren und somit vielleicht auch zum Umweltschutz zu bringen."
Legale Graffitis
Seine Kunstwerke entstehen nicht heimlich nachts im Schatten der Straßenlaternen. Im Gegenteil: Viele seiner Aufträge bekommt Milo von der Stadt oder von Unternehmen. Neben den Insektenmotiven sprüht er auch klassische Graffiti: Bunte, verzierte Schriften oder fast fotografisch wirkende Gesichter.
Zusammen mit 24 weiteren Graffiti-Künstlern hat er in Ulm eine Unterführung zu einer urbanen Kunstausstellung verwandelt. Der Auftrag dafür kam ganz offiziell von der Stadt.
Weltweit unterwegs mit der Spraydose
"Mein erstes Graffiti war hier in Ulm und viele weitere auch", erzählt er. Inzwischen hat er seinen Radius deutlich erweitert und sich in über 20 Ländern mit seiner Sprühkunst verewigt. Für den Graffiti-Künstler gehören die Sprühereien zu einer lebendigen Stadt dazu.
Es gibt kaum ein Land, wo es kein Graffiti gibt.
Milo hat seine Sprühflaschen nicht nur selbst in der Hand
In Workshops mit Kindern und Jugendlichen gibt er sein Wissen weiter und möchte für die Kunst des Graffitis begeistern. "Kreatives Arbeiten fördern und zeigen, wie so ein Schaffensprozess aussieht." In Workshops gestaltet er zusammen mit Schulklassen triste Schulgebäude mit bunten Graffitis um.
Dass wir Schüler die Freiheit haben, unsere Schule zu gestalten, gefällt mir gut