Die Fernpassstraße in Tirol war am Samstagvormittag für zwei Stunden gesperrt. Grund waren zwei Demonstrationen von Bürgern gegen zu viel Verkehr. Deshalb waren die B179 zwischen Reutte und Nassereith sowie die Ausweichroute über das Hahntennjoch von 10 bis 12 Uhr gesperrt. Anschließend wurden die Sperrungen wieder aufgehoben, wie eine Sprecherin des Bundeslandes Tirol der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte.
Trotz der kurzen Dauer der Blockade hatten die Behörden dazu aufgerufen, die für deutsche Urlauber wichtige Alpenroute am Samstag zu meiden, um Staus zu verhindern.
An den beiden Demos auf beiden Seiten des Fernpasses nahmen laut Polizeiangaben rund 700 Menschen teil. Anwohner protestierten gegen die Verkehrsbelastung und gegen ein geplantes Verkehrsmanagement-Paket der Tiroler Landesregierung.
Staus blieben aus
Trotz der Sperre der Fernpassstraße im österreichischen Bundesland Tirol wurden am Samstagvormittag keine Staus gemeldet. "Im Moment ist alles ruhig", sagte ein Verkehrsexperte des österreichischen Autofahrerclubs ÖAMTC der dpa kurz vor Beginn der zweistündigen Blockade.
Fernpass-Sperrung: Das empfehlen Polizei und ADAC
Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West rechnete vor und auch nach der Sperrung mit erheblichen Verkehrsbehinderungen und langen Staus. Doch "die blieben aus", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums am Samstagmittag. Auch auf der A7 ab Ulm Richtung Füssen sei der Verkehr gerollt, hieß es. Zuvor war vor nicht unbedingt erforderlichen Fahrten in Richtung Tirol abgeraten worden. Polizei und der Allgemeine Deutsche Automobil Club (ADAC) empfahlen, den Fernpass weiträumig zu umfahren.
Generell muss man sich auf deutlich mehr Verkehr einstellen an diesem Samstag.
Der ADAC empfahl, die Fahrt über den Fernpass auf Freitag oder Sonntag zu verschieben. Doch auch an diesen Tagen werde voraussichtlich mehr los sein als sonst. "Die Auswirkungen dieser Sperrung werden sich vermutlich auf das ganze Wochenende ausdehnen", sagte Julian Häußler vom ADAC.
Die mautfreie Fernpass-Route sei beliebt, an Spitzentagen würden hier bis zu 30.000 Fahrzeuge durchfahren. "Das heißt, der Verkehr wird sich auf die Ausweichrouten verlagern und an diesen Samstag wird es eng werden in Österreich", befürchtete Häußler.
Warum war der Fernpass für zwei Stunden voll gesperrt?
Die Fernpass-Straße ist eine wichtige Transitroute. Sie soll ab 2027 ausgebaut werden. Geplant ist unter anderem ein Scheiteltunnel, also ein Tunnel unter der Passhöhe, der die Passstraße ergänzen soll. Eine Bürgerinitiative fordert Bahn- statt Straßenausbau. Der von ihr organisierte Protest richtet sich auch gegen die geplanten Tunnelprojekte auf der Fernpass-Route. Die Bürgerinitiative befürchtet mit dem Ausbau der Fernpassstrecke unter anderem eine weitere Zunahme des Verkehrs.
Die Tiroler Behörden hatten geprüft, ob die Versammlung auf dem Fernpass untersagt werden kann. Laut einer Rechtssprechung des Landesverwaltungsgerichts sei das aber nicht möglich. Neben der Demo am Samstag wurde eine weitere Protestaktion für den 1. August angekündigt, dem ersten Sommerferienwochenende in Baden-Württemberg und Bayern. Sie wurde allerdings noch nicht genehmigt.
Demo am Brenner Ende Mai: Stauchaos blieb aus
Der Brenner-Pass an der Grenze zwischen Österreich und Italien war acht Stunden lang wegen eines Protests gegen die hohe Verkehrsbelastung blockiert. Erstmals hatte ein Gericht eine Demonstration direkt auf der Autobahn genehmigt. Sie bekam viel Aufmerksamkeit, wahrscheinlich ein Grund, warum das befürchtete Chaos ausblieb.
Auch ADAC-Experte Julian Häußler war von der Wirkung der Warnungen überrascht. Zwar sei der Fernpass mit dem Brenner nicht zu vergleichen, weil der Brenner als Verkehrsachse deutlich wichtiger sei und es dort kaum Ausweichmöglichkeiten gebe. Doch die Informationen von Behörden, Medien und Mobilitätsclubs hätten gewirkt: Viele Urlauber verschoben ihre Fahrt, ein Stauchaos blieb aus. Genau darauf hoffte Häußler auch für die Sperrung am Fernpass.