Am Standort des früheren Atomkraftwerks in Gundremmingen (Kreis Günzburg), nicht weit von der Landesgrenze zu Baden-Württemberg, soll nach dem Willen der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag ein Kernfusions-Reaktor entstehen. Das hat CSU-Chef Markus Söder am Dienstag bei der Fraktionsklausur mitgeteilt. Experten gehen davon aus, dass es noch Jahrzehnte dauern wird, bis der erste Fusionsreaktor ans Netz geht.
"Starkes Zeichen" für Landkreis und Gemeinde
Das Atomkraftwerk Gundremmingen hat bis 2021 mittels Kernspaltung Strom produziert. Künftig könnte an dem Standort durch Kernfusion Strom erzeugt werden. Bayern plane, mit Partnern wie dem Energiekonzern RWE und dem Technologieunternehmen Proxima in Gundremmingen einen Reaktor auf den Weg zu bringen, der "schon Funktionsweise hat", erklärte der CSU-Chef.
Der Landkreis Günzburg und die Gemeinde Gundremmingen haben die Entscheidung der Bayerischen Staatsregierung begrüßt, in Gundremmingen das erste kommerzielle Kernfusions-Kraftwerk in Deutschland zu bauen. Das sei Zukunftstechnologie und ein "großer Griff", erklärte Landrat Hans Reichhart (CSU).
Das ist ein starkes Zeichen, dass es in Gundremmingen weitergeht, dass wir nicht nur etwas verlieren mit dem Abbau des Atomkraftwerkes.
So könnte künftig wieder Strom produziert werden am Standort Gundremmingen. Nach dem Abbau des Atomkraftwerkes sei die Ankündigung ein starkes Zeichen, sagte Reichhart. Der Bürgermeister von Gundremmingen, Tobias Bühler (CSU), hofft, dass Arbeitsplätze gesichert werden und auch die Infrastruktur am Ort weiter genutzt werden kann.
Ein Münchner Start-up-Unternehmen soll die Technologie weiterentwickeln, an der Forscher weltweit tüfteln. Wie der Energieversorger RWE dem SWR sagte, unterstützt der Bund in seiner Hightech-Agenda den Bau eines Fusionskraftwerks. In den kommenden Wochen wollen RWE und das Start-up Proxima Fusion eine Vereinbarung mit der bayerischen Staatsregierung unterzeichnen. Darin soll stehen, wie der Bau des ersten Magnetpilot-Fusionskraftwerks in Gundremmingen konkret umgesetzt werden kann.
Das ARD-Magazin "Kontraste" hat im April 2025 unter dem Titel "Gamechanger für die Energiewende oder Fehlinvestition?" über den Stand der Forschung und die Pläne der Union berichtet:
Bayern will Technologie voranbringen - Hessen aber auch
Weltweit wird daran geforscht, wie die bei der Kernfusion freiwerdende Energie für die Stromerzeugung genutzt werden kann. Bei dieser Forschung soll Bayern laut Söder ein "Player" sein, der diese Technologie voranbringt. Das Kraftwerk in Gundremmingen will der Freistaat Bayern zusammen mit anderen Bundesländern verwirklichen, unter anderem mit Baden-Württemberg. Zuvor soll ein Demonstrationsreaktor in Garching entstehen.
Bayern ist nicht das einzige Bundesland, das auf Stromgewinnung aus Kernfusion setzt. Pläne für ein solches Kraftwerk gibt es auch für das Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks im hessischen Biblis. Der Mitgründer eines Unternehmens aus Darmstadt, das an einem Kraftwerk forscht, kann sich vorstellen, dass der Prototyp in Biblis schon im Jahr 2035 Strom produzieren kann.