- Wahlkreis 269 Backnang-Schwäbisch Gmünd: Gräßle hätte sich mehr gewünscht", Rupp spricht von "historischem Ergebnis"
- Wahlkreis 270 Aalen-Heidenheim: Kiesewetter "zuversichtlich, dass mit Merz eine stabile Regierung gebildet wird"
- Wahlkreis 291 Ulm: Linke feiern, CDU-Frau Kemmer warnt nach starkem AfD-Ergebnis, Katerstimmung bei FDP
Die CDU hat in Ulm und in Ostwürttemberg deutliche Zugewinne verzeichnet. Wie bei der letzten Bundestagswahl hat die Union laut vorläufigem Endergebnis die Wahlkreise Backnang-Schwäbisch Gmünd (+6,7 Prozentpunkte auf 32,6 Prozent), Aalen-Heidenheim (+7,2 auf 34,7) und Ulm (+7,3 auf 33,9) gewonnen. Noch deutlicher legt die AfD in allen drei Wahlkreisen zu. Die großen Verlierer sind dagegen die FDP und die SPD. Nach dem Abschied von Leni Breymaier im Wahlkreis Aalen-Heidenheim hat die Region keinen SPD-Abgeordneten mehr. Alle Ergebnisse - unter anderem nach Wahlkreisen und Orten - gibt es in unserem Wahlergebnisportal:
SWR Wahlergebnisportal Bundestagswahl 2025 - Ergebnisse der Wahlkreise in Baden-Württemberg
So hat mein Wahlkreis bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 gewählt.
Wahlkreis 269 Backnang-Schwäbisch Gmünd: CDU-Politikerin Gräßle hätte sich "mehr gewünscht", Rupp spricht von "historischem Ergebnis"
Die CDU-Haushaltsexpertin Inge Gräßle hat den Wahlkreis zwar gewonnen, ist aber mit dem Ergebnis ihrer Partei nicht ganz zufrieden: "Ich hätte mir natürlich auch mehr gewünscht", so Gräßle im SWR-Gespräch. Sie hoffe auf eine Regierung mit lediglich zwei Parteien. Denn je mehr Parteien, desto schwieriger werde es. Über eine mögliche Zusammenarbeit mit der SPD sagte Gräßle, die SPD sei kein einfacher Partner. Die Grünen hält Gräßle dagegen für "einen schwierigen Partner". Eine Koalition mit der AfD schließt die frühere Europaabgeordnete aus. Gräßle ist seit 2021 Mitglied im Bundestag.
Der AfD-Kandidat Ruben Rupp spricht von einem historischen Ergebnis für die AfD. Die Partei habe die Bürger überzeugt, mit Lösungen, mit ihrem Programm. Der Politiker wird in den Bundestag einziehen und dann sein Landtagsmandat niederlegen. Dass die Partei tatsächlich in der Opposition bleiben wird, stehe noch nicht eindeutig fest, sagte der Politiker mit Blick auf Österreich. Sollte die CDU die Brandmauer zur AfD nicht abreißen, werde es der letzte CDU-Kanzler der Geschichte der Bundesrepublik sein, so Ruben Rupp weiter. Die Bürger wollten diese CDU nicht.
Insgesamt hat der Wahlkreis Backnang-Schwäbisch Gmünd drei Abgeordnete im neuen Bundestag. Die Grünen schicken erneut Ricarda Lang nach Berlin.
Das war die Wahl im SWR Ticker zur Bundestagswahl in BW: ++ Mögliche Folgen für Landtagswahl ++ SPD sieht sich nicht zur Koalition gezwungen ++ Merz als Kanzler - fähig, aber unsympathisch? ++
CDU/CSU haben die Wahl vor der AfD gewonnen. Die FDP wird aus dem Bundestag gewählt - es gibt erste Rücktritte. Wahlergebnisse, Reaktionen und Analysen im Ticker.
Wahlkreis 270 Aalen-Heidenheim: Kiesewetter "zuversichtlich, dass mit Merz eine stabile Regierung gebildet wird
Der Militärexperte und langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter ist erneut Wahlkreisgewinner. Der 61-Jährige sagte dem SWR, das Wahlergebnis müsse mit Demut angenommen werden, zugleich müsse die Partei nun mit voller Kraft Prioritäten setzen. Er sei zuversichtlich, dass mit Friedrich Merz eine Regierung gebildet wird, die wieder Stabilität für Deutschland schaffe.
Die Prioritäten liegen für Kiesewetter vor allem in einer starken Wirtschaft und einer starken Sicherheit. Es gehe auch darum, Extremisten zu verhindern. Es bleibe dabei, die CDU sei eine Partei der Mitte, die mit anderen Parteien der Mitte ringen und sich nach links und rechts abgrenzen müsse. "Wir müssen die Menschen wieder erreichen", so Kiesewetter. Die hohe Wahlbeteiligung steht für Kiesewetter für eine hohe Erwartung der Wählerinnen und Wähler.
Was seine eigene Zukunft in der kommenden Legislatur angeht, komme es ihm darauf an, eine vernehmbare Stimme der Union zu sein. "Wenn ich in ein Kabinett eingebunden werde, gerne. Aber wenn ich weiterhin freier Abgeordneter bin, für die Union, dann auch sehr gern."
Passanten in Heidenheim zeigten sich am Sonntagabend teilweise überrascht vom Wahlergebnis: Melissa hätte die CDU nicht so stark erwartet. Das starke Ergebnis der AfD habe die junge Frau dagegen so erwartet. Philipp Ziegler hält die 20 Prozent für die AfD für "sehr besorgniserregend", das mache dem 16-Jährigen Sorgen.
Wahlkreis 291 Ulm: Linke feiern, CDU-Frau Kemmer warnt nach starkem AfD-Ergebnis, Katerstimmung bei FDP
Der Ulmer SPD-Kandidat Sebastian Gillmeister sieht die Ursache für das historisch schlechte Abschneiden seiner Partei vor allem in der Migrationsdebatte der letzten Wochen. "Ich glaube, das hat einige Wähler und Wählerinnen verschreckt, oder doch nochmal zu den Parteien getrieben, die sie dann doch letztlich gewählt haben", so Gillmeister am Wahlabend im Ulmer Rathaus. Die starken Verluste würden den Sozialdemokraten für die kommenden Jahre einige Hausaufgaben aufgeben. Jetzt gehe es darum, soziale Politik stärker an die Menschen heranzutragen.
Gewonnen hat den Wahlkreis Ulm die amtierende Bundestagsabgeordnete Ronja Kemmer von der CDU. Die 35-Jährige bezeichnete das Abschneiden der AfD im SWR-Interview als einen großen "Weckruf an alle demokratischen Parteien". Nehme man noch Linke und BSW mit dazu, hätten mehr als 30 Prozent extreme Parteien gewählt.
"Es ist höchste Eisenbahn, wirklich auch die Probleme zu lösen. Wenn wir die Probleme nicht lösen, werden diese Parteien nicht kleiner, sondern tendenziell wahrscheinlich leider noch größer werden." Es sei ein großer Auftrag für die CDU, die Arbeit fange mit dem morgigen Tag an.
Der grüne Bundestagsabgeordnete Marcel Emmerich aus Ulm behält sein Mandat. Er geht angesichts des vorläufigen Wahlergebnisses von einer "sehr, sehr schwierigen Regierungsbildung" aus. Zum Wohle des Landes sei es wichtig, zusammenzuarbeiten und miteinander zu reden. "Ich hoffe, dass das auch irgendwann Markus Söder erkennt und von seiner Ausschließeritis wegkommt", sagt Emmerich mit Blick auf das Nachbarbundesland und eine mögliche Zusammenarbeit zwischen Union und Grünen. In Ulm holen die Grünen voraussichtlich die zweitmeisten Stimmen nach der CDU.
Rund 80 Anhängerinnen und Anhänger der Linken sind zur Wahlparty der Linken nach Ulm gekommen. Dort läuft Musik bei ausgelassener Stimmung. Bundesweit liegt die Partei bei rund 8,5 Prozent, in Ulm hat sie voraussichtlich rund 9,5 Prozent erreicht. Der Ulmer Linken-Direktkandidat Leopold Hurst sagte dem SWR am Abend: "Wir haben es gut geschafft, Leute zu aktivieren, beziehungsweise hat es die CDU geschafft, Leute für uns zu aktivieren". Damit spielt er auf den Migrationsantrag an, den die Union Ende Januar gemeinsam mit Stimmen von AfD und FDP im Bundestag durchgebracht hatte. Auch habe die starke Präsenz der Linken in den Sozialen Medien zum Wahlerfolg beigetragen.
Katerstimmung dagegen unter Anhängern der FDP in Ulm. Man hoffe natürlich, dass die fünf Prozent doch noch erreicht werden. "Es ist schon bitter", so die FDP-Spitzenkandidatin für den Wahlkreis Ulm, Anke Hillmann-Richter, im SWR-Interview. "Wir haben gute Argumente, die wir aber nicht so platzieren konnten, dass es sich in einem besseren Wahlergebnis niedergeschlagen hat", so Hillmann-Richter. "Wie auch immer es ausgeht, es wird Veränderungen in der FDP bewirken", ergänzt Uwe Schwarz, Kreisvorsitzender der FDP im Alb-Donau-Kreis. Das Ergebnis sei ein Feedback der Bürger. Es gelte jetzt, aus diesem Feedback zu lernen.
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