Die Mannheimer Traditionsbrauerei Eichbaum hat ihre Produktion eingestellt. Nach der gescheiterten Rettung und monatelanger Insolvenz stehen die Anlagen still, die meisten Beschäftigten verlieren ihren Arbeitsplatz. Betriebsratsvorsitzende Vanessa Crucetta beschreibt die Lage als "keine einfache, keine schöne Situation“.
Betrieb von Eichbaum in Abwicklung
Die Produktion sei beendet, der Betrieb stehe quasi still, sagt Crucetta im Gespräch mit dem SWR. Vergangenen Freitag seien Interessenausgleich und Sozialplan unterschrieben worden, in einer Betriebsversammlung sei die Belegschaft informiert worden. Seit Dienstag und Mittwoch sind nach SWR-Informationen rund 180 Kündigungen ausgesprochen worden. Ein Teil der Beschäftigten wurde freigestellt.
Rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben vorerst. Sie kümmern sich in den kommenden Monaten um die letzten Aufgaben: Pfandflaschen werden angenommen, die insolvenzrechtliche Buchhaltung abgewickelt, Maschinen und Anlagen verkauft oder verschrottet. "So eine Abwicklung von einem Unternehmen nimmt schon einige Zeit in Anspruch", sagt Crucetta. Für viele der verbliebenen Beschäftigten sei dies nun die Aufgabe bis zum Ende ihrer Kündigungsfrist, meist bis Jahresende.
Zermürbende Monate für die Eichbaum-Belegschaft
Seit der Insolvenzanmeldung im Oktober vergangenen Jahres habe die Belegschaft "immer in einem Auf und einem Ab" gelebt, so Crucetta. Hoffnung auf eine Rettung, Gespräche mit Investoren – und am Ende doch das Aus. "Das hat an den Leuten genagt. Die sind mit den Nerven am Ende", sagt sie.
Mit den Kündigungen sei nun wenigstens Klarheit entstanden: "Es ist keine schöne Gewissheit, aber je nach Kündigungsfrist werden die meisten noch bis Ende des Jahres hier beschäftigt sein." Das gebe den Menschen die Möglichkeit, "mit der Marke Eichbaum abzuschließen“.
Viele Jobangebote – Solidarität aus der Region
Beim Betriebsrat laufen seit Tagen zahlreiche Nachfragen auf: Urlaubsansprüche, Zeitkonten, individuelle Fristen. Man versuche, für die Belegschaft da zu sein und "das Ende so gut wie möglich zu bereiten", sagt Crucetta. Trotz der schwierigen Lage sieht sie positive Entwicklungen für einen großen Teil der Belegschaft. Zahlreiche Unternehmen hätten sich bei Eichbaum gemeldet und Arbeitsplätze angeboten. "Wir haben hier an den Schwarzen Brettern jeden Tag Stellenangebote ausgeschrieben. Die Bereitschaft war riesengroß", berichtet sie.
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und die Gewerkschaft IG Metall organisierten zusätzliche Vermittlungsaktionen, die Agentur für Arbeit arbeitete mit Südwestmetall zusammen. Laut Crucetta kamen "immens" viele Rückmeldungen von Arbeitgebern: "Ich kann nicht für jeden sprechen, aber es haben einige schon eine neue Stelle gefunden." Für jene, bei denen die Jobsuche länger dauere, bleibe der Betriebsrat Ansprechpartner: Alle eingehenden Stellenangebote würden "eins zu eins weitergegeben".
Die große Hilfsbereitschaft in der Region empfindet Crucetta als Zeichen der Verbundenheit mit der Brauerei: "Es war schön, dass man uns als Eichbaum wirklich mit Mannheim so in Verbindung bringt und dass jeder seine Solidarität mit uns erklärt hat."
Marke Eichbaum zieht in die Pfalz – Zukunft in Mannheim offen
Ganz verschwinden wird Eichbaum als Biermarke nicht. Die pfälzische Brauerei Park & Bellheimer hat sich die Markenrechte gesichert und will nach SWR-Informationen ab 1. Oktober verschiedene Eichbaum-Biere in der Pfalz brauen – nach der Originalrezeptur. Langfristig soll das Bier auch wieder aus Mannheim kommen. Auf dem bisherigen Eichbaum-Gelände ist eine kleinere Braustätte geplant, Details zur künftigen Nutzung sind aber noch offen. Auch das Universitätsklinikum Mannheim hat Interesse an dem Areal bekundet.
Zur Markenübernahme durch Park & Bellheimer möchte sich Betriebsratschefin Crucetta nicht äußern. Sie blickt vor allem auf die Menschen, die hinter der Marke standen: "Die Menschen sind das, was die Marke Eichbaum ausgemacht hat. Wir, die tagtäglich hier unseren Einsatz gebracht haben, die Geschichten, die hier von den Mitarbeitern gelebt und mit denen man mitgelebt hat." Mit dem Ende des Betriebs gehe für sie mehr verloren als ein Standort: "Ob Markenrecht jetzt hin oder her, mit dem Ende dieser Ära wird für mich auch die Marke Eichbaum sterben."