In einer SWR-Dokumentation blickt der Burladinger Unternehmer und ehemalige Trigema-Chef Wolfgang Grupp auf sein Leben, das Streben nach Erfolg und auch auf seine Altersdepression und seinen Suizidversuch. Im exklusiven SWR-Interview erzählt der 84-Jährige so persönlich wie selten. Er berichtet, wie es zu diesem "Tiefpunkt", wie er es selbst bezeichnet, in seinem Leben gekommen ist und wie er diesen überwunden hat.
Mein Hausarzt ist meine Frau.
Eine Therapie macht Wolfgang Grupp nicht. Er habe es versucht, sie aber wieder abgebrochen. Es sei für ihn jetzt erledigt. Einen Hausarzt habe er auch nicht. Der größte Rückhalt ist für Wolfgang Grupp die Familie und vor allem seine Frau Elisabeth. "Sie sagt zu mir, ich solle die Tablette nehmen und das mache ich dann", sagt Grupp. "Meine Frau weiß genau, was ich machen muss und da ich gewohnt bin zu folgen, mache ich das."
Nachdem der Kaufmann seine Firma Trigema im Dezember 2023 nach mehr als 50 Jahren an seine Frau und seine Kinder übergeben hatte, habe er in langen Nächten das Gefühl bekommen, dass er nicht mehr gebraucht werde. So sei es zu seinen Depressionen gekommen. "Das Schönste im Leben ist das Gefühl von den Mitmenschen zu bekommen, dass man gebraucht wird", sagt Wolfgang Grupp im Gespräch mit SWR-Moderatorin Jana Kübel.
Altersdepression: Wie erlebte Wolfgang Grupp sein Tief?
Der Suizidversuch im Juli 2025 sei eine Kurzschlussreaktion gewesen, so Grupp. "Die bereue ich nachträglich sehr." Seiner Frau sei er sehr dankbar, denn sie sei es gewesen, die ihn sofort betreut habe. Auch danach habe sie immer zu ihm gestanden. So wie er selbst im Nachhinein sauer auf sich gewesen sei, so habe sich seine Frau sicherlich auch gefragt, "warum hat er das gemacht?". Aber heute sei es in der Familie kein Thema mehr, es sei abgehakt und werde nicht mehr besprochen.
Bereits aus dem Krankenhaus, wo er zwei Tage im Koma lag und 14 Tage stationär aufgenommen wurde, schrieb Grupp einen Brief an seine ehemaligen Mitarbeiter bei Trigema. Dieses Schreiben wurde auch veröffentlicht. Auch von außerhalb habe er über 2.000 Briefe mit guten Wünschen bekommen, die meisten Absender kenne er gar nicht persönlich. Alle Briefe habe er beantwortet. Dadurch habe er erst erkannt, dass das Thema Altersdepression sehr verbreitet sei.
Krisenberatung in Reutlingen und Tübingen Was kann bei Altersdepression helfen? Ein Betroffener will Mut machen
Ex-Trigema-Chef Wolfgang Grupp hat nun ausführlich über seine Altersdepression und seinen Suizidversuch gesprochen. Wer an Depressionen leidet, kann sich helfen lassen.
Zurück im Leben: Was Grupp Halt gibt
Es sei nicht einfach, sich nach 100 Prozent im Betrieb gefordert an das Leben als Rentner mit Spaziergängen zu gewöhnen. Er selbst sei noch jeden Tag in der Firma und werde von seiner Familie noch häufig nach seiner Meinung und Expertise gefragt. "Es ist doch schön, dass ich noch immer wieder das Gefühl habe, dass man mich gerne sieht." Vor allem, dass man ihn gerne gesund sehe. Er wisse, die Firma ist in sicheren Händen.
Die SWR-Dokumentation blickt auf das dunkle Kapitel in Grupps Leben, aber auch auf seinen Lebensweg und seinen Erfolg als Unternehmer. Auch der Autor seiner Biographie kommt zu Wort. Er hat den 84-Jährigen begleitet und durfte in seine Tagebücher schauen. Die gesamte Doku und das exklusive Interview mit Wolfgang Grupp sind in der ARD-Mediathek verfügbar.