Wenn auf der Bahnstrecke zwischen Tübingen und Stuttgart mal wieder der Ersatzverkehr per Bus angekündigt wird, sind manche Pendler darüber gar nicht traurig. Im Gegenteil: "Auf den Bus kann ich mich verlassen, auf den Zug nicht", sagt etwa Frank Bisinger, der seit Jahren zwischen Tübingen und Stuttgart pendelt. Am frühen Montagmorgen steht er wieder am Tübinger Busbahnhof und wartet auf den Schnellbus in die Landeshauptstadt.
"Der Zug ist ja in der Zeit nur schlechter geworden", klagt er. Wenn er mit der Bahn fahre, lege er berufliche Termine extra nicht auf den Morgen. "Ich baue immer eine Stunde Puffer ein, aber das ist ja kein Zustand", sagt Bisinger. Schon seit Juli kommt es wegen Bauarbeiten der Bahn zu vielen Zugausfällen auf der viel genutzten Strecke. Noch bis in den September hinein müssen sich Pendlerinnen und Pendler auf Einschränkungen einstellen.
Kommentare in sozialen Medien: "Ich liebe den Schienenersatzverkehr nach Stuttgart"
Bisingers Eindruck teilen viele andere Betroffene, die am Montagmorgen am Bussteig stehen: "Mit dem Bus klappt es besser als mit der Bahn. Der ist zuverlässiger und fährt auf jeden Fall", sagt Hanna Höger. Wenn sich bei der Deutschen Bahn nichts ändere, würde sie eine dauerhafte Schnellbus-Verbindung begrüßen, sagt sie.
Auch in den sozialen Medien fallen Kommentare wie "Ich liebe den Schienenersatzverkehr nach Stuttgart". An den Direktbus könne man sich gut gewöhnen. Der Direktbus sei die schnellste ÖPNV-Verbindung in die Landeshauptstadt. Gerhard Schnaitmann ist langjähriger Sonderbeauftragter für die Qualität des regionalen Bahnverkehrs im Land. Er kann den aktuellen Eindruck der Pendler zwar nachvollziehen: "Im Augenblick ist der Schienenersatzverkehr eine echte Alternative zum Zug", sagt er.
Bahnexperte: Dauerhafte Schnellbus-Verbindung nicht leistbar und nicht bezahlbar
Aber das liege auch daran, dass in den beliebten Urlaubsmonaten Juli und August weniger Verkehr auf den Straßen ist - und weniger Menschen Bus und Bahn nutzen. Für eine direkte Busverbindung über die B27 im Herbst und Winter wäre "die aktuelle Zuverlässigkeit weg", sagt er. Außerdem sei eine dauerhafte Schnellbusverbindung nicht leistbar und nicht bezahlbar, sagt Schnaitmann: "Beim Zug befördert ein Lokführer 700 bis 800 Menschen, im Bus haben wir 54 Sitzplätze." Man müsste "Armadas von Bussen" losschicken.
Am Tübinger Busbahnhof gibt es auch Leute, die den Regel-Bahnverkehr vermissen: "Lieber wieder Zug, ist bequemer", sagt ein Pendler. "Der Bus ist zuverlässiger, aber ich fahre vom Komfort her lieber Zug", sagt ein anderer. Eine direkte Busverbindung brauche er nicht unbedingt: "Mit dem Zug können viel mehr Leute fahren." Die Bahn sei das bessere Verkehrsmittel - wenn sie denn fährt.