In der Turnhalle des Dorfgemeinschaftshauses in Empfingen-Wiesenstetten (Kreis Freudenstadt) ist an diesem Nachmittag viel los. Etwa 25 Personen rollen durch den Raum, die meisten davon Kinder und Jugendliche. Sie alle sitzen im Rollstuhl und schieben, drücken oder prellen einen großen Ball Richtung Tor: Es ist Wheelsoccer-Training, das heißt Fußball spielen im Rollstuhl. Und mitmachen dürfen alle: auch Eltern, Geschwister oder Freunde, die sonst nicht im Rollstuhl sitzen.
Vater macht Trainerschein und gründet Wheelsoccer-Gruppe vor Ort
Einer der Spieler ist Nevio. Der Junge ist 13 Jahre alt. Er hat Spina Bifida und ist seit seiner Geburt querschnittsgelähmt. Früher war Nevio immer beim MTV in Stuttgart. Da gibt es auch Sport für Menschen im Rollstuhl, doch dorthin ist es halt ein weiter Weg für ihn und seine Familie. Deswegen hat sein Vater den Trainerschein gemacht und die Wheelsoccer in Empfingen-Wiesenstetten gegründet. So kann Nevio jetzt auch vor Ort trainieren und sogar mit dem Rollstuhl direkt zur Sporthalle fahren - barrierefrei sozusagen.
"Wir machen Inklusion umgekehrt"
Ein großes Glück für Nevio, denn im Alltag stoßen Menschen mit Behinderung noch immer auf viele Hürden. Nicht so bei seiner Wheelsoccer-Gruppe. Jeder und jede soll mitmachen dürfen. Und alle sollen sich auch mal in den Rollstuhl setzen und merken wie das ist. "Wir machen Inklusion umgekehrt", sagt Nevio's Vater, Chris Kaufmann: "Bei uns dürfen auch Fußgänger-Kinder mitmachen, oder auch Eltern, die das einfach mal probieren möchten". Er möchte allen die Augen öffnen und versuchen, seinem Sohn ein Leben in Vielfalt zu ermöglichen - zumindest dort, wo es geht.
"Mein Spruch ist eigentlich immer, wenn hundert Fußgänger-Kinder mitmachen und einer wird Architekt von denen und baut statt einer Treppe eine Rampe, dann ist das Ziel erreicht."