Auf der Schwäbischen Alb könnte es zigtausende verwilderte Katzen geben. Svenja Große-Kleffmann vom Tierschutzverein "Mensch und Tier Region Schwäbische Alb" (MuT) spricht mehrfach von "Millionen". Aktuell ist sie jedes Wochenende mit Ehrenamtlichen unterwegs, um verwilderte Katzen zu kastrieren. "Ich könnte Ihnen in jedem Ort tausend Katzen zeigen", sagt Große-Kleffmann im Gespräch mit dem SWR. Der Verein ist auf dem gesamten Gebiet der Schwäbischen Alb aktiv.
Katzen sind schon früh geschlechtsreif
Zum Vergleich: Als Haustier wurden im Jahr 2023 deutschlandweit laut dem Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe 15,7 Millionen Katzen gehalten - klarer Platz eins vor Hunden. Wie kommt es also, dass vermutlich noch mehr auf den Straßen herumstreunen? "Ab einem Alter von drei Monaten sind Katzen geschlechtsreif und werfen bis zu viermal im Jahr", sagt Tierschützerin Große-Kleffmann. Hinzu kommt, dass sie keine natürlichen Feinde haben und sich ihr Futter selbst jagen.
Der extremste Fund des Vereins stammt aus dem vergangenen Jahr: 580 Katzen haben die Ehrenamtlichen allein auf einem Hof entdeckt und kastriert. In diesem Jahr gebe es dort bereits wieder neue Tiere, so Große-Kleffmann. Derzeit sind die Vereinsmitglieder jedes Wochenende unterwegs, um verwilderte Katzen einzusammeln und sie anschließend zu einem Tierarzt zu bringen. Dort werden die Katzen dann kastriert und medizinisch versorgt.
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Menschen bemerken verwilderte Katzen kaum
In seinem ersten Jahr hat der junge Tierschutzverein mit Sitz in Lichtenstein (Kreis Reutlingen) knapp 1.200 Katzen kastriert. Im Dezember 2023 wurde MuT gegründet. Aktuell sind 78 Menschen Mitglied im Verein, hundert Ehrenamtliche helfen bei den Wochenendaktionen. Große-Kleffmann möchte auf das Leid der Tiere aufmerksam machen. "Das Problem ist, dass es niemand merkt", sagt sie. Auch deshalb ist die Dunkelziffer so hoch. Gerade auf dem Land können sich die Tiere gut auf Höfen verstecken und unbemerkt vermehren.
Mit Mäusen oder anderen Kleinsäugern finden die verwilderten Katzen auf den Höfen schnell Nahrung und sehen deshalb teilweise gut genährt aus. Der Großteil der Tiere, die der Verein MuT findet, ist jedoch in einem schlechten Zustand. Ausgekratzte Augen, ausgermergelte Körper und auch tote Tiere finden die Ehrenamtlichen immer wieder. "Das ist die Realität", sagt Große-Kleffmann.