Bei der Spielemesse "Gamescom" dabei

Tübinger Unternehmen stellt Spiel vor - wie geht es der Branche in BW?

Dominic Lupas und Jan Riebe haben es geschafft - bei der Gamescom in Köln stellen sie ihr erstes Spiel vor. Sie sind ein Beispiel, warum Förderung in der Branche so wichtig ist.

Teilen

Stand

Von Autor/in Anne Jethon

Dominic Lupas und Jan Riebe haben ihr eigenes kleines Unternehmen gegründet - "Myriad Tales". Bei der Gamescom stellen sie in den kommenden Tagen ihr Spiel "Paragon's Hand" vor.

Am Montagabend sitzen die beiden noch im Wohnzimmer von Jans WG, sein Laptop steht auf dem Tisch. Vor der Gamescom spielen sie die Demo-Version ihres Spiels ein letztes Mal durch, reparieren kleine Fehler. Schließlich soll das Spiel für die Nutzer entspannend sein - und: eine Geschichte erzählen, so Dominic Lupas: "Ich finde es schön, wenn Welten zum Leben kommen", erzählt er.

Darum geht es im Spiel "Paragon's Hand"

In ihrem Spiel "Paragon's Hand" geht es um eine Gruppe Freunde, die sich auseinandergelebt hat und sich jetzt wiederfindet. Im Spiel kommt immer wieder ein Trading Card Game vor - also ein Sammelkartenspiel. Ähnlich wie früher, als Jugendliche mit Pokémon-Karten gegeneinander spielten.

Gamescom 2026: Dominic Lupas und Jan Riebe sind bei der Spielemesse vor Ort.
Dominic Lupas und Jan Riebe stellen bei der Gamescom in Köln ihr eigens konzipiertes Spiel "Paragons Hand" vor.

Damit wollen die beiden bei der Gamescom junge Erwachsene zwischen 20 und 30 erreichen, die sich gerne an die Spiele von früher erinnern. Laut Jan Riebe ist ihr Konzept an alte Spiele angelehnt, "die wir auch sozusagen in unserer Kindheit vielleicht gespielt haben."

Kennengelernt haben sich die beiden bei einer Veranstaltung der Medien- und Filmgesellschaft (MfG) im Januar 2024. Beim Global Game Jam waren unterschiedliche Leute zusammengekommen, um Computerspiele zum Spaß zu entwickeln. Weil Jan und Dominic aus Tübingen kommen, trafen sie sich weiter, irgendwann kamen sie auf die Idee zu "Paragon's Hand".

Gaming-Branche in Deutschland: Es gibt Luft nach oben

Noch immer hinkt Deutschland in der Gaming-Entwicklung hinterher. Das hat im Januar dieses Jahres eine Studie im Auftrag des Game-Verbands gezeigt. Nur fünf Prozent des Umsatzes, der in Deutschland gemacht wird, stammt von deutschen Produktionen, erzählt Geschäftsführer Felix Falk dem SWR. Der Rest geht ins Ausland: USA, Kanada oder Großbritannien sind besonders erfolgreich.

Unser Abstand zur Weltspitze ist immer noch sehr groß. Da müssen wir wirklich hinterherkommen, um bei diesem wichtigen Zukunftsmarkt Games, der wirtschaftlich, kulturell, aber auch technologisch ganz entscheidend ist, voranzukommen.

Vorankommen - das will die Bundesregierung unter anderem mit Förderungen von Games-Unternehmen erreichen. Auch für die Wirtschaft in Deutschland lohne sich das, sagt Felix Falk. Denn für jeden Euro Förderung kämen mehr als drei Euro Steuereinnahmen an den Staat zurück. "Das ist auch ein gutes Geschäft für Deutschland", so Falk.

Auch für Tübinger Entwickler ist Förderung wichtig

Auch Jan und Dominic wissen: Bis ein Gaming-Unternehmen erfolgreich ist, braucht es Zeit. Manchmal sogar mehrere Jahre. Um die Zeit zu überbrücken, in der das Unternehmen allein durch Verkäufe finanziert werden kann, sei Unterstützung wichtig.

Die beiden bewarben sich auf eine Förderung - und bekamen Hilfe über den Developer Boost der MfG. Sie bekamen 1.000 Euro und einige Schulungen. Zum Beispiel, wie man ein Unternehmen gründet oder wie man sich für weitere Förderungen bewirbt. So konnten sie auch "Myriad Tales" gründen.

Außerdem können die beiden durch die Förderung jetzt an einem Stand der Medien-und Filmgesellschaft auf der Gamescom ihr neues Spiel in einer Demoversion zeigen. Das sei auch wichtig, weil sie so besser Kontakte knüpfen können: "Unsere Hoffnung ist gerade jetzt auf der Gamescom auch mit Influencern in Kontakt zu kommen", so Jan Riebe.

Denn in der Gaming-Szene sei gerade der Einfluss von Influencern ein zentraler Marketing-Faktor. Auf YouTube oder anderen Plattformen sprechen sie zum Beispiel über das Spiel - oder machen "Let's Plays". Dabei spielen die Influencer ein Spiel und kommentieren es. Dass die beiden mit ihrem Spiel von der MfG gefördert werden, freut sie.

Games-Branche: Baden-Württemberg steht deutschlandweit gut da

Bei der MfG ist man indes im Blick auf die Gamescom positiv gestimmt. In Deutschland gehört Baden-Württemberg zu den fünf Bundesländern mit den meisten Gaming-Unternehmen. Das habe zum einen mit einer "starken Tradition im Bereich der Games-Industrie" zu tun. Zum anderen gebe es im Land gute Hochschulen und Universitäten, "die in den Bereichen Game Design, Game Entwicklung, Game Mechanics ausbilden", erzählt Ellen Koban von der MfG.

Wirklich große Unternehmen fehlen in Baden-Württemberg noch, allerdings gebe es eine starke Indie-Szene. Das sind kleinere Studios wie "Myriad Tales" von Jan und Dominic. "Die Indie-Szene resultiert definitiv aus diesem starken Hochschulnetzwerk hier in Baden-Württemberg", so Ellen Koban. Auch diese Unternehmen können international sehr erfolgreich sein, weiß Koban.

So sieht die Zukunft aus für "Myriad Tales"

Ob Jan und Dominic mit ihrem Spiel erfolgreich sein werden, wissen sie noch nicht. Sie wünschen sich aber, dass sie zusammen nach "Paragon's Hand" noch weitere Spiele entwickeln können. "Wenn wir uns damit auch halten können, dann wird das nächste Spiel ein ganz anderes sein." Denn: Kreativität könne man mit jedem neuen Projekt wieder neu ausleben. "Und das finde ich jetzt eine wirklich erfüllende Sache." 

Felix Falk wünscht sich indes, dass die Bundesregierung umsetzt, was im Koalitionsvertrag steht: Ein steuerliches Förderkonzept für Games-Unternehmen. Das gebe es in Deutschland noch nicht. International sei es aber schon Standard.

Eingang zur gamescom in der Koelnmesse.

Gamescom in Köln eröffnet „KI ist für die Games-Branche Produktivitätsversprechen und Arbeitsplatzrisiko“

In Köln startet die Gamescom, die weltweit größte Computer- und Videospiele-Messe. In diesem Jahr steht sie unter dem Motto „Lust auf Zukunft“.

SWR Kultur am Morgen SWR Kultur

Computerspieler testen das Spiel «World of Warcraft». Die Computerspielemesse Gamescom findet vom vom 20.-24. August 2025 in Köln statt.

Spiele aus Baden-Württemberg BW-Gaming auf der Gamescom: Wachstum mit Schmerzen

Kleine Betriebe, große Kreativität: Die Gamingbranche in Baden-Württemberg hat schwierige Jahre hinter sich. Das Potenzial der Unternehmen bleibt aber riesig.

Besucher der Gamescom testen 2025 das Computerspiel "Anno 117" des deutschen Entwicklerstudios Ubisoft Blue Byte: Die Games-Branche kriselt, deutsche Studios hinken bei Top-Spielen hinterher. Finanzierung und Programmierung sind eine Herausforderung.

Spieleentwicklung Games Made in Germany – Wie Computerspiele entstehen

Die globale Games-Branche kriselt. Das beeinflusst auch deutsche Studios, die bei Top-Spielen hinterherhinken. Finanzierung und Programmierung stellen sie vor Herausforderungen.

Das Wissen SWR Kultur

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Anne Jethon
Anne Jethon ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!