Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Tübingen hat in Südafrika einen mehr als 220.000 Jahre alten Steinbruch entdeckt. Das zeigt, dass Menschen schon in der Altsteinzeit gezielt Rohstoffe abgebaut haben - früher als bislang gedacht. Bisher ging die Forschung davon aus, dass Jäger und Sammler das Material für ihre Werkzeuge beiläufig gefunden haben.
Menschen vor 220.000 Jahren lebten wohl nicht nahe des Steinbruchs
An der Fundstelle in Südafrika sollen die Steinzeitmenschen Stücke aus dem Fels gebrochen und wahrscheinlich zu Steinwerkzeug weiterverarbeitet haben. Denn dafür wurde der feinkörnige Hornfels, der auch an der Fundstelle vorkommt, verwendet. Manuel Will aus der Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen schließt daraus: "Die Menschen bearbeiteten hier vor Ort Felsblöcke und schlugen so lange Material ab, bis sie aus dem Stein die gewünschten Formen gewonnen hatten".
Die Ausgrabungen zeigen außerdem, dass die Menschen nicht in unmittelbarer Nähe des Steinbruchs gelebt haben. Vielmehr seien sie nur dorthin gewandert, wenn sie Material brauchten, so die Uni Tübingen in einer Mitteilung. Daraus schließt das Archäologenteam, dass sich der Homo sapiens schon vor mehr als 220.000 Jahren gezielt Rohstoffe beschafft hat. Das zeige die Fähigkeit zu langfristiger Planung.
Tübinger Forscher: "Perfekt erhaltene" Funde
Die Fundstelle Jojosi befindet sich im Osten Südafrikas. Sie liegt etwa 140 Kilometer von der Küste des Indischen Ozeans entfernt. Die Freilandfundstelle sei eine absolute Seltenheit, erklärt einer der Tübinger Archäologen. Dort gebe es viele Bereiche, an denen perfekt erhaltene Funde sichtbar gewesen seien.