Seit rund anderthalb Jahren erforschen Archäologinnen und Archäologen eine keltische Grabkammer nahe Riedlingen (Kreis Biberach). Seither bringt sie immer wieder neue Geheimnisse zu Tage: Ein junger Mann wurde vor etwa 2.600 Jahren im Grabhügel bestattet. Später nahmen Grabräuber den Leichnam und wertvolle Beigaben mit. Jetzt haben die Forschenden aber trotzdem einen spektakulären Fund gemacht, berichtet das Landesamt für Denkmalpflege (LAD) in einer Mitteilung.
Besonderes Fundstück im Keltengrab ist ein Stück Birkenrinde
Ein schmaler Streifen Birkenrinde ist wohl einer der bedeutendsten Funde aus dem Keltengrab. Darin sind feine Motive eingeritzt. Etwa ein "stilisierter Hengst", so das Landesamt für Denkmalpflege und weitere, "nicht eindeutig interpretierbare Modelle" sind auf dem Rindenstück abgebildet. Sie wurden mit einer speziellen "Ritz- und Punkttechnik" eingraviert. Die Birkenrinde gehörte offenbar zu einem Gefäß, das vor rund 2.600 Jahren als Grabbeigabe in das Keltengrab gelegt wurde.
Der Fund ist in mehrfacher Hinsicht einmalig.
Was auf den ersten Blick unscheinbar wirken mag, entpuppt sich aus kulturhistorischer Perspektive als kleine Sensation. Solche Tier- und Menschenfiguren seien in der frühkeltischen Kunst äußerst selten, sagt Landesarchäologe Dirk Krausse in der Mitteilung. Außerdem seien derartige Motive bisher nur auf Gegenständen aus Metall oder Ton gefunden worden. Der Fund in der Grabkammer zeige demnach, dass Darstellungen auf Holz- und Rindenstücken vor 2.600 Jahren offenbar häufiger waren, als bisher vermutet.
Dank Grabräubern gut konserviert
Im Grab haben die Archäologinnen und Archäologen noch viele weitere Gegenstände aus Holz gefunden. Darunter Möbelstücke, wie einen Schemel oder einen Tisch, größere Wagenteile oder verzierte Fragmente. Aus dieser Fülle an Grabbeigaben könne man schließen, dass der Verstorbene "außergewöhnlich reich" und Mitglied "der sozialen Elite" gewesen sein muss, sagt Landesarchäologe Krausse. Der junge Mann sei im Alter von 17 bis 19 Jahren gestorben, ergab eine Analyse der gefundenen Skelettreste.
Dass diese Fundstücke auch nach mehr als 2.000 Jahren noch erhalten sind, verdanken die Forschenden ausgerechnet den Räubern, die das Grab einst geplündert haben. Auch das ist eine neue Erkenntnis der Untersuchungen. Offenbar haben sie für ihren Grabraub einen Tunnel gegraben und später wieder zugeschüttet. Dadurch sei in kurzer Zeit "ein luftdichtes und feucht-nasses Milieu" entstanden, heißt es in der Mitteilung. Dieses habe das Grab und die verbliebenen Beigaben konserviert. "Man kann hier durchaus von Glück im Unglück sprechen", sagt Roberto Tarpini, der die Ausgrabung betreut.
Grabräuber waren wohl vor über 2000 Jahren am Werk
Bis zuletzt war unklar, wann der Grabraub etwa stattgefunden hat. Auch darauf haben die Archäologinnen und Archäologen mittlerweile eine Antwort gefunden. Sie haben einen Weidekorb analysiert, den die Grabräuber offenbar zurückgelassen hatten. Das Ergebnis: Die Räuber sind anscheinend "frühestens 200 Jahre nach der Bestattung" in das Grab eingebrochen, um wertvolle Gegenstände mitzunehmen.
Die Grabkammer wurde 2023 in der Nähe von Riedlingen entdeckt und 2024 freigelegt. Nur sieben Kilometer vom Fundort entfernt liegt die Heuneburg. Sie war zur frühen Keltenzeit eine wichtige Metropole.