Wer in Tübingen übernachtet, muss schon bald eine extra Abgabe an die Stadt zahlen, eine Bettensteuer. Das hat der Gemeinderat am Montagabend mit großer Mehrheit beschlossen. Mit den Einnahmen will die Stadt Tübingen voraussichtlich ab 2026 eine neue Tourismusgesellschaft finanzieren. Sie rechnet mit jährlichen Einnahmen in Höhe von bis zu einer halben Million Euro. Übernachtungsgäste müssen pro Nacht etwas mehr bezahlen. Die Stadt rechnet mit einer Bettensteuer von knapp zwei Euro pro Übernachtung. Der endgültige Betrag stehe aber noch nicht fest, heißt es in einer Mitteilung.
OB Boris Palmer für Bettensteuer
Die Bettensteuer sollen Betreiber einer Unterkunft an die Stadt abführen. Nach deren Angabe ist das Geld nicht zweckgebunden. Es solle aber ausschließlich dem Tourismus zugutekommen. Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) hatte im Vorfeld die Steuer befürwortet: Die Verwaltung sei unkompliziert und die Steuer würde von Ortsfremden gezahlt und nicht von Tübinger Betrieben.
Neben der Bettensteuer wurden im Gemeinderat zwei weitere Ideen diskutiert, wie mit dem Tourismus mehr Geld eingenommen werden könnte: Kurtaxe und Fremdenverkehrsbeitrag. Doch für eine Kurtaxe, so die Stadtverwaltung, hätte sich Tübingen als Kurort zertifizieren lassen müssen und an einem Fremdenverkehrsbeitrag hätten sich alle Unternehmen beteiligen müssen, die vom Tourismus profitieren. Aus einer Vorlage der Stadt geht hervor, dass es im Jahr 2023 in Tübingen 316.000 Übernachtungen gab. Davon seien schätzungsweise die Hälfte Geschäftsreisende.
Tübinger Hoteliers wenig begeistert von Bettensteuer für Touristen
Viele Hoteliers in Tübingen sind mit der Bettensteuer nicht einverstanden. Sie fühlen sich benachteiligt, weil auch andere Branchen vom Tourismus profitieren. Bezahlen würden aber nur ihre Hotelgäste. Hotelier Herbert Rösch, Kreisvorsitzender vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband, befürchtet, dass die Bettensteuer zusammen mit der kürzlich erhöhten Grund- und Gewerbesteuer zu großen finanziellen Belastungen für Hotelbesitzer führt. Er glaubt, dass Leute auf umliegende Gemeinden ausweichen könnten, wenn Übernachten in Tübingen teurer wird.
Im Tübinger Gemeinderat gebe es keine Bedenken, dass wegen der Steuer Gäste ausbleiben, teilte die Stadt auf Nachfrage des SWR mit. Touristinnen und Touristen müssen auch in anderen Städten eine Abgabe zahlen. Auch Albstadt, Mannheim und Freiburg erheben eine Beherbergungssteuer.
Übernachtungssteuer in Heidelberg
Heidelberg führt nach langer Diskussion zum 1. Oktober 2025 eine Übernachtungsteuer ein, die in Heidelberg "City Tax" genannt wird. Wer in der Stadt übernachtet und älter als 16 Jahre ist, muss 3,50 Euro pro Nacht zahlen. Dabei ist es egal, ob die Reise geschäftlich oder privat ist. Der Gemeinderat hatte das im Sommer mit großer Mehrheit beschlossen. Das Hauptargument: Die Abgabe an die Stadt finanziert die touristische Infrastruktur mit, für die Heidelberg nach eigenen Angaben viel Geld aufwendet. Die Übernachtungssteuer oder auch Bettensteuer soll maximal für fünf Nächte gelten.
Heidelberg hat im Jahr 2024 rund 1,8 Millionen Übernachtungen verzeichnet, Tendenz steigend. Damit würden rund fünf Millionen Euro im Jahr eingenommen. Ausgenommen sind Krankenhäuser, Rehabilitationskliniken, Alten- und Pflegeheime, Hospize sowie vergleichbare Einrichtungen.
Der Gemeinderat hatte auch beschlossen, dass Tagestouristen, von denen Heidelberg außergewöhnlich viele hat, künftig an den Kosten für touristische Infrastruktur beteiligt werden sollen.