Die Schleusen zu ihrem neuen Gehege öffnen sich und sofort stürmt Gaia, die zu ihrem Schutz nur noch JJ4 genannt wird, in die neue Anlage. Diese Szenen zeigt das neueste Video vom Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald in Bad Rippoldsau-Schapbach (Kreis Freudenstadt), das der Park auf seiner Instagram-Seite veröffentlicht hat. Nach anderthalb Wochen in einem Übergangsgehege ist die Bärin damit in ihrem endgültigen Zuhause angekommen.
"Das ist keine Freude, die wir da in dem Video sehen, sondern ein Fluchtverhalten vor uns Menschen", erklärt Parkleiter Bernd Nonnenmacher. Die Bärin habe einfach viel Temperament, trotzdem sei dieser nochmalige Umzug für sie enormer Stress. "Wir überwachen sie momentan pausenlos", sagt Nonnenmacher, der gerade die dritte Nachtschicht hinter sich hat. "Wildbären sind nachtaktiv. Am Tag schlafen sie meistens. Deswegen beobachten wir vor allem in den Nächten, wie sich JJ4 verhält und ob sie das neue Gehege annimmt."
Mit Wärmebildtechnik und Kameras verfolgen Nonnenmacher und seine Kollegen, wie sich die Bärin in ihrem neuen Zuhause bewegt. "Sie erforscht jetzt erstmal alles und das ist auch gut so. Sie geht dabei sehr strategisch vor und nimmt jede Nacht eine neue Ecke unter die Lupe." Besonders wichtig für den Park: die Bärin würde bis jetzt die Zäune als Begrenzung akzeptieren.
Ausbruchssicheres Gehege für "Problembärin" Gaia
Das neue Freigehege ist ein wahrer Hochsicherheitstrakt. Die Betonmauern des Geheges reichen fast zwei Meter in die Erde hinein. Außerdem ist das Areal von über drei Meter hohen Stahlträgern sowie einem Elektrozaun umgeben. Die Anlage kostet eine Millionen Euro und wird durch Spenden finanziert. Die Hochsicherheitsanlage war aufwändiger und teurer als zunächst geplant, weshalb sich die Ankunft um mehrere Monate verzögert hat.
Der Instagram-Account des Alternativen Wolf-und Bärenparks
Kein Happy End für Gaia
Der Einzug der "Problembärin" in ihr neues Gehege - trotzdem kein Grund zum Feiern für die Parkmitarbeiter. "Uns standen allen die Tränen in den Augen", so Bernd Nonnenmacher. "Wir wussten: es beginnt ein neuer Weg für sie. Zwar der beste Weg, der ihr übrig bleibt. Aber trotzdem ein harter Weg und einer, den sie nicht verstehen kann. Glücklich wird sie hier nicht werden."
Die knapp 20 Jahre alte Bärin war am 20. Juli in den Park in Bad Rippoldsau-Schapbach nach einer Reise aus Italien angekommen. Sie hatte 2023 im italienischen Trentino einen Jogger getötet und hätte erschossen werden sollen. Das wurde gerichtlich verhindert.