Zwischen Vertrauen und Generalverdacht

Wenn der Abistreich teuer wird: Tübinger Schule verlangt 2.000 Euro Kaution

Abi geschafft: Für Schüler ein Grund zu feiern, für Schulleiter ein Risiko: Immer wieder sind im Kreis Tübingen Abistreiche eskaliert. Müssen sich Schulen vor Vandalismus schützen?

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Von Autor/in Lea Pflüger, Enrico Ferrari

Mehrere tausend Euro Schaden nach Abistreichen in Rottenburg und Tübingen: Solche Späße zum Schulabschluss haben im Kreis Tübingen immer wieder für hohe Kosten gesorgt. Das Carlo-Schmid-Gymnasium verlangt von seinen Abiturientinnen und Abiturienten deshalb seit Jahren eine Kaution. Hilft das - oder setzt das alle unter Generalverdacht?

Immer wieder Schäden bei Abistreichen  

Eigentlich sollten Abistreiche für alle Beteiligten lustig sein. Die Abiturienten freuen sich, nach den geschafften Prüfungen mal die Kontrolle in der Schule übernehmen zu können. Im Kreis Tübingen kam es dabei aber in den letzten Jahren immer häufiger zu teuren Schäden: Am Eugen-Bolz-Gymnasium (EBG) in Rottenburg sprühten Schülerinnen und Schüler mit vermeintlich abwaschbarer Sprühfarbe Botschaften an die Wände - doch die ließen sich nicht mehr entfernen.

Am Eugen-Bolz-Gymnasium in Rottenburg hatten die Abiturienten beim Abistreich Stühle an die Decke geklemmt.
Am Eugen-Bolz-Gymnasium in Rottenburg (Kreis Tübingen) hatten die Abiturientinnen und Abiturienten 2024 Stühle an die Decke geklemmt. Die haben sie später selbstständig wieder abgebaut. Privat

An der Geschwister-Scholl-Schule in Tübingen entstand vor zwei Jahren ein großer Schaden. Bei ihrem Abistreich hatten die Abiturienten über Nacht im gesamten Gebäude Wasserhähne laufen lassen. Das Foyer und der Fahrstuhlschacht standen unter Wasser. Glasscherben und Müll lagen herum. Die Bilanz: Ein Schaden von etwa 4.000 Euro.  

Carlo-Schmid-Gymnasium: Schüler müssen 2.000 Euro Kaution zahlen

Oft können die Verursacher nicht ausfindig gemacht werden. In der Praxis bleiben die Schulträger - häufig die Stadt- dann auf den Kosten sitzen. Um das zu vermeiden, nimmt das Carlo-Schmid-Gymnasium (CSG) in Tübingen schon seit Jahren eine Kaution von seinen Abiturientinnen und Abiturienten, wie auch die Südwest Presse berichtete.

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25 Euro pro Nase - insgesamt rund 2.000 Euro - werden dafür in diesem Jahr vom Abiturjahrgang gefordert. Das sei aber "kein Freibrief, sondern soll dafür sorgen, dass die Schüler Verantwortung übernehmen", erklärt Michael Schneider, der stellvertretende Schulleiter des CSG. Die Kaution habe dazu geführt, dass weniger beschädigt wird. Im letzten Jahr sei etwas kaputt gegangen, der Verantwortliche habe sich aber gemeldet und sei privat dafür aufgekommen.

Wenn die Schule auf den Kosten sitzen bleibt, kann es so nicht weiter gehen. Dann wären die Abiturienten in Zukunft ohne Fest. Das wäre schade, der Abistreich gehört ja dazu.

Schüler unter Generalverdacht? 

Trotzdem ist die Kaution in den letzten Jahren wohl gestiegen: 2023 waren es laut einem damaligen Abiturienten noch 10 Euro pro Person. Jetzt zahlt der Abschlussjahrgang mehr als das doppelte. Warum, konnte Schneider nicht sagen - er arbeitet erst seit zwei Jahren am CSG. Vermutlich, damit auch teurere Schäden wie in Rottenburg abgedeckt wären. Teil des diesjährigen Schutzkonzepts ist es laut aktuellen Abiturienten außerdem zum ersten Mal, dass die Schüler in der Nacht zuvor nicht in die Schule dürfen.

Die Schulleitung handle innerhalb ihrer Rechte, wie die Stadt Tübingen bestätigt: "Ob eine Kaution erhoben wird, entscheiden die jeweiligen Schulleitungen in Abstimmung mit den Abischülerinnen und -schülern."

Ein Abiturient erklärt dem SWR: Die Kaution sei zwar sehr hoch. Er habe aber Verständnis dafür, dass sich die Schulleitung absichern müsse. Dennoch: wenn das Geld futsch wäre, weil jemand sich nicht benehmen könne, "wären viele sehr sauer". Und wenn man wüsste, wer es wäre, würden das bestimmt auch Lehrer erfahren.

Nach hohen Kosten: Vertrauen statt Kaution  

Martin Schall, Schulleiter der Geschwister-Scholl Schule, sagt trotz Wasserschaden: "Vertrauen ist für mich das Wichtigste. Meine Schüler*innen müssen keine Kaution bezahlen." Die damaligen Abiturienten hätten damals "den gesamten Schaden bis auf den letzten Cent bezahlt und darüber hinaus eine Wiedergutmachung geleistet", so Schall. Auch am Rottenburger Eugen-Bolz-Gymnasium komme so eine Kaution nicht in Frage, heißt es aus dem Sekretariat. Sie verlassen sich auf vorherige Absprachen und Zusammenarbeit mit der Stufe.    

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Lea Pflüger
Enrico Ferrari
Enrico Ferrari ist Reporter für Hörfunk, Fernsehen und Online beim SWR im Studio Tübingen.

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