Erzeuger und Händler kämpfen ums Überleben

Bio boomt - bei kleinen Höfen und Marktläden kommt davon aber wenig an

Ein Hühnerhof in Rottenburg setzt auf besonders hohe Tierwohlstandards. Das macht die Waren teurer. Wie er kämpfen auch regionale Bioläden gegen den Preisdruck der Supermärkte.

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Kleine Bio- und Naturkostläden spüren immer mehr den Konkurrenzkampf mit großen Supermarktketten. Regionale Erzeuger wie das Hofgut Martinsberg in Rottenburg am Neckar (Kreis Tübingen) gehen dabei oft im Preiskampf unter und werden ihre hochwertigen Produkte nicht los. Dass es den Nutztieren gut geht, ist ihnen aber wichtig.

"Wir müssen nah am Tier sein, damit wir sofort erkennen können, wenn irgendwas nicht stimmt", sagt der Betreiber des Hofguts, Severin Hauenstein. "Die eigene Aufzucht, die Bruderhahnaufzucht, Futter selbst zu machen – damit kann man auf das Tierwohl eingehen. Und das führt zu erhöhten Kosten."

Severin Heuenstein füttert seine Hühner, die im Freien sind.
Severin Hauenstein füttert seine Hühner. Weil seine Tierhaltung aufwändiger ist als in der konventionellen Landwirtschaft muss er einen höheren Preis verlangen.

Bio kommt gut an - aber nicht immer vom Landwirt aus der Region

Vor allem unter jüngeren Menschen in Baden-Württemberg kommt Bio gut an. Das beobachtet der Branchenverband BÖWL. Doch auf dem Hofgut Martinsberg kommt davon wenig an. Denn viele kaufen lieber in großen Supermarktketten oder Bio-Supermärkte ein. Deren Angebot stammt allerdings meistens nicht aus der Region.

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Sie bevorzugen meist größere Lieferanten, nicht die Eier vom Hofgut Martinsberg. Denn nach Angaben von Hauenstein bekommt er von diesen Märkten nicht annähernd das für seine Eier, was er für die Produktion benötigt, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

Ein Regal im Tübinger Marktladen wird mit Eiern befüllt.
Die Eier vom Hofgut Martinsberg werden im Tübinger Marktladen verkauft.

Hauenstein liefert an kleine Marktläden, wie der in Tübingen. Auch dort weiß man, dass man preislich nicht mit den "Großen" mithalten kann.

Marktladen ist deutlich teurer als die Konkurrenz. Und da versuchen wir auch wirklich nicht mitzuhalten. Da haben wir keine Chance.

Dennoch will Lennart Schinkel den Laden mit vielen regionalen Bio-Produkten weiter betreiben. Die bisherigen Inhaber gehen jetzt in Rente; nun soll der Laden als Genossenschaft weitergeführt werden. "Läden wie unserer in der Größe haben es einfach super schwer, sich noch zu behaupten gegen große Ketten", sagt Giulia Hille, die den Marktladen gemeinsam mit Schinkel übernommen hat. "Deswegen sagen wir, es braucht halt einfach nicht nur zwei Leute, die das machen. Es braucht eigentlich ein Dorf, das bereit ist, das Ganze mitzutragen."

Genossenschaft als Betriebsmodell

Ein Dorf ist Tübingen nicht aber es gibt dort auch finanzkräftige Kundschaft, die diese regionalen Waren haben will. Insofern könnten die beiden Glück haben und genügend Genossenschaftsmitglieder auftreiben. Das Ziel und die Hoffnung: eine Zukunft für den Betrieb, denn wer Anteile am Laden besitzt, kauft auch eher dort ein.

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Enrico Ferrari
Enrico Ferrari ist Reporter für Hörfunk, Fernsehen und Online beim SWR im Studio Tübingen.
Lisamarie Haas Baum
Lisamarie Haas Baum ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

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