Der Reitstall "Lettenhof" in Neustetten-Wolfenhausen steht unter Quarantäne. Das Pony "Lissy" war mit der Ansteckenden Blutarmut der Einhufer infiziert. Es musste nach der in Deutschland geltenden Schutzverordnung vorsorglich eingeschläfert werden. Der Hof ist ein Herzensprojekt von Ina Frank. Für sie ist der Vorfall ein tiefer Einschnitt, der schmerzt.
Krankes Pferd: Quarantäne auf Reiterhof in Neustetten
Die selbstständige Reitlehrerin und Reittherapeutin hat sich vor gut zwei Jahren den Herzenswunsch erfüllt, einen eigenen Reiterhof zu haben. Die 34-Jährige ist gerade in Elternzeit und hat sonst noch einen Teilzeitjob als Sozialpädagogin. Vor ein paar Monaten erst hat sie das Pony gekauft und weiter ausgebildet, damit sie Reitstunden für Kinder anbieten kann.
Vor knapp zwei Wochen zeigte das Pony aber plötzlich Symptome einer Kolik. In einer Klinik wurde dann die Diagnose "Equine Infektiöse Anämie" gestellt. Jetzt ist das Pony nicht mehr da. Auch die anderen Pferde von Ina Frank werden vom Veterinäramt getestet. Drei Monate dauert die Inkubationszeit, deshalb dauert auch die Quarantäne so lange.
Ich bräuchte wieder ein Pony.
Als kleiner Betrieb trifft sie der Ausfall ihres Kinderponys hart. Ob sie sich wieder ein Pony kaufen kann, weiß sie noch nicht. "Ich bräuchte wieder ein Pony - für die Kinder zum Reitenlernen", sagte Ina Frank dem SWR. "Ich denke, der Therapiebereich wird weiterlaufen. Aber der Reitschulbetrieb wird mit Sicherheit weniger werden, deutlich weniger."
Keine Einnahmen, aber viele Kosten für den Reiterhof
Tierarzt, Hufschmied, Sattler, Physio- und Osteotherapie und Futter - die Kosten laufen weiter, auch wenn ein Betrieb keine Einnahmen mehr hat. Die Pferde brauchen weiterhin Pflege und Bewegung. Die Tiere von Ina Frank dürfen nur mit Fliegenschutz am Kopf und in eine Decke eingepackt aus dem Stall heraus. Nur einzeln darf sie sie auf dem Reitplatz bewegen. Und niemand außer ihrer Familie darf den Stall betreten.
Die Sorge, dass ein Krankheitsfall die Existenz bedroht, kennt auch Ruth Stolzenburg. Bei ihr hat Ina Frank ein Praktikum während der Ausbildung zur Reittherapeutin gemacht. Auch Stolzenburg arbeitet mit ihren eigenen Pferden in Teilzeit als Reittherapeutin. In der übrigen Zeit arbeitet sie als Krankenschwester.
Ein Pferd zu verlieren - "Worst Case"
Gerade für Therapiepferde brauche es viel Fingerspitzengefühl und viel Arbeit, so die 42-Jährige. Denn das Pferd müsse gesund und gut ausgebildet sein, um in der Therapie zu funktionieren. "Der Worst Case: Wir verlieren von einem Tag auf den nächsten ein Pferd, das wir lange Zeit ausgebildet haben", sagt sie. "Und das lässt sich auch nicht so schnell ersetzen."
Beide Reittherapeutinnen verfolgen den Ansatz, dass zu einer Sitzung nicht nur das Reiten gehört. Sie vermitteln ihren Klientinnen und Klienten auch, wie man die Tiere von der Koppel holt, putzt und sattelt. Ihre Pferde sollen außerdem nicht eine Therapiestunde nach der anderen absolvieren, sondern auch ihre Ruhezeiten haben.
Fall der Pferdekrankheit zieht Kreise in ganz Baden-Württemberg
Wie bei Infektionsfällen mit Ansteckender Blutarmut vorgeschrieben, werden derzeit auch alle Kontakte der Tiere überprüft. Das infizierte Pony war in einer Klinik. Ina Frank hatte zuvor mit einem anderen Pferd Lehrgänge besucht.
Das baden-württembergische Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz und auch mehrere Veterinärämter sind darin involviert. Bislang wurde noch keine weitere Infektion entdeckt. Auch Ina Franks Pferde werden nach drei Monaten nochmals getestet. Sind sie weiter negativ, kann die Reitlehrerin mit ihrem Herzensprojekt wieder Geld verdienen.