4,5 Millionen Shopping-Touristen fahren jedes Jahr in die Outletcity Metzingen (Kreis Reutlingen): Ein Einkaufs-Imperium am Fuße der Schwäbischen Alb. Zur Auswahl stehen zahlreiche Luxuslabels. Trotzdem hoffen viele auf Schnäppchen. Aber nicht alle lieben das Outlet.
Was ist der Grund für den Kaufrausch? Und was bedeutet das Mode-Mekka für die Menschen, die hier leben? SWR Reporterin Leonie Maderstein will es herausfinden.
"Mehrere Tausend Euro pro Einkauf"
Die Shopping-Touristen kommen nicht nur aus der Region, sondern aus Dubai, der Schweiz, der ganzen Welt. Sie wollen Markenklamotten zu möglichst kleinen Preisen. Beim Nachfragen wird klar: Trotz vermeintlicher Schnäppchen wird der Einkauf schnell richtig teuer. Eine Kundin verrät, ihre Schmerzgrenze liege bei 2.000 Euro. Eine andere weiß gar nicht, wie viel sie schon ausgegeben hat - auf jeden Fall mehrere Tausend Euro.
Auch Promis kommen gerne in die Outletcity Metzingen, um sich einzukleiden, sagt Mitarbeiterin Isidora Muthmann. Moderatorin Michelle Hunziker, Sänger Adel Tawil und der Rapper Haftbefehl sollen hier schon Geld liegengelassen haben.
Nicht alle sind begeistert: Einwohner meiden das Outlet
Aber nicht alle sind begeistert. Für die ganz normale Bevölkerung von Metzingen kann es ganz schön nervig sein, sagt eine Fußgängerin. Sie wohne relativ nah am Outlet, und da würden die Touristen manchmal alles in ihrem Wohngebiet zuparken. Von der Stadt wünscht sie sich, "dass ein bisschen mehr an uns normale Einwohner gedacht wird, damit wir auch noch unser normales Leben leben können".
Ein anderer Passant erzählt, dass er das Outlet "meidet, wo er kann". Es sei ihm zu viel Trubel. Nur wenn er genau wisse, was er brauche, wage er sich kurz ins Shopping-Getümmel.
Metzingen profitiert von hoher Gewerbesteuer
Händlerinnen und Händler, die nicht im Outlet arbeiten, sondern einen Laden in der Innenstadt betreiben, haben unterschiedliche Meinungen zur Outletcity. Marvin Methner gehört ein Juweliergeschäft. Er hat kein Problem mit dem Outlet. Im Gegenteil: "Ich find's mega. Ich find's allgemein cool, dass Metzingen so eine Metropole geworden ist". Die Kombination aus Einzelhandel und Outlet findet Methner praktisch, er sieht da keine Konkurrenz. Auch dass die Stadt von der hohen Gewerbesteuer profitiert, komme der Wirtschaft zugute, so Methner.
Das bestätigt die Stadtverwaltung Metzingen: Nicht nur die Gewerbesteuer sei gut für die Stadt, sondern auch die vielen Touristen, die das Stadtleben ankurbeln. Zudem kämen auch neue Fachkräfte nach Metzingen.
"Outletcity macht kleine Läden kaputt"
In einem Laden von der Diakonie hat der SWR zwei ehrenamtliche Mitarbeiterinnen gefragt, was sie über das große Outlet denken. Eine von ihnen hebt hervor, dass es der Stadt dadurch finanziell gut gehe und deswegen auch an anderen Ecken nicht gespart werden müsse. Auch, dass viele Menschen hier Jobs finden, sei ein großer Pluspunkt. Die andere Mitarbeiterin ist aber besorgt um kleine eigenständige Läden, die es eh schon immer schwerer hätten.
Die normalen Lädchen verschwinden, das finde ich nicht gut.
Begonnen hat alles mit einer überschaubaren Hugo Boss Filiale. 1995 haben die Enkel von Ferdinand Hugo Boss dann die Holy GmbH & Co. KG gegründet. Immer mehr Marken kamen hinzu und bildeten die Outletcity. Im September 2022 wurde die ehemals HOLY AG in OUTLETCITY AG umbenannt. Inzwischen ist die Outletcity Metzingen nach eigenen Angaben Europas größtes Outlet.