Verein "Freiraum" sorgt für Freundlichkeit

Kreatives Miteinander: Innenhof in Balingen wird bunt und bringt die Nachbarn zusammen

Nicht warten, nicht schimpfen, sondern machen. Das ist ein Motto des Balinger Vereins "Freiraum". Jetzt haben Künstlerinnen und Künstler in seinem Auftrag einen Innenhof bemalt.

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Stand

Von Autor/in Peter Binder

Früher mal, erzählt Bernhard Jung, der seinen Friseursalon an der Ecke hat, gab es immer wieder kleine Feste im Hof. Da haben sich die Anwohner getroffen. Irgendwann sei diese Tradition eingeschlafen. Schade. Doch an einem Nachmittag Ende September ist der Hof wieder voller gut gelaunter Menschen.

Ein Hof zwischen Wohnhäusern. Rechts und links sind Garagen bunt bemalt, auf der gegenüberliegenden Wand kann man groß "Love" lesen. In der Mitte beugen sich drei Personen über Pflastersteine, die sie gerade bemalen.
Vorher waren hier leere Wände. Man hat einander höflich gegrüßt, das ja. Aber jetzt, hofft der Verein Freiraum Balingen, kommen die Leute richtig miteinander ins Gespräch. Peter Binder

Die meisten, die da malen oder sprayen, sind lokale Kunstschaffende. Der Verein "Freiraum Balingen kreativ e.V." zahlt ihnen eine Aufwandsentschädigung. Denn, sagt Bernhard Jung, Vorsitzender des Vereins, Kunst verdient Anerkennung. Auch finanziell.

Links eine bunte Wand mit abstrakter Malerei, auf der aber zwei rote Stühle deutlich zu erkennen sind. Daneben unterhalten sich die Anwohner gut gelaunt mit der Künstlerin.
Bernhard Jung lobt das Kunstwerk, das Künstlerin Petra Penz auf eine Wand malt. Die achtjährige Marie zwischen den beiden wohnt auch in einem der Häuser am Hof, Tobias Rager

Jung betont aber auch: Man braucht nicht immer Geld, um etwas zu bewegen. Die erste Farbe, die in den Hof gekommen ist, war Grün. Kostenloses Grün. Unter anderem scharfer Mauerpfeffer, einfach in die Fugen zwischen den Pflastersteinen gepflanzt. Dadurch soll der Hof im Sommer auch etwas kühler werden. Was Bernhard Jung besonders begeistert hat: Kaum waren einige Fugen begrünt, hat eine Nachbarin sie abends gegossen.

Sukkulenten zwischen Pflastersteinen - viele rosettenartige Polster dicht an dicht in den Fugen. So soll der Hinterhof in Balingen nicht nur hüscher, sondern auch kühler werden.
Die Begrünung zwischen Bodenplatten oder Pflastersteinen sorgt nicht nur für mehr Farbe im Hof. Sie kühlt auch im Sommer - der Verein Freiraum hat das mit einer Wärmebildkamera messen lassen. Peter Binder

Etwas Kleines, das wächst, das macht Bernhard Jung Freude. Der Verein "Freiraum" möchte mit seinen Ideen auch andere inspirieren, selbst etwas in die Hand zu nehmen. Man muss nicht warten, bis etwas Großes passiert, sagt Jung. Seine Überzeugung: Man braucht nur Engagement und Leidenschaft, dann kann man viel bewegen.

Künstler machen Innenhof bunt

Der Street-Art-Künstler Matze Bartl hat von der Stadt Balingen die Erlaubnis bekommen, eine Wand zu besprühen. "Love" steht da jetzt in riesigen Lettern, mit unzähligen kleinen bunten Herzen in jedem Buchstaben. Über das Projekt hatte auch die Schwäbische Zeitung schon berichtet, nun geht es immer weiter. Angela Jung und Baba Cham malen einen Schmetterling auf eine Garagenrückwand. Sein Körper sieht aus wie der Balinger Kirchturm mit einer feinen Prise Phantasie, seine Flügel sind bunt und fröhlich.

Mit dem Rücken zum Betrachter bemalen zwei Personen eine Wand mit einem Schmetterling mit bunten Flügeln.
Die Künstler Baba Cham und Angela malen einen Schmetterling auf eine Garagenmauer. Vom Verein Freiraum Balingen bekommen sie eine Aufwandspauschale. Sie machen es aber vor allem aus Freude am Gestalten und am Kontakt mit Menschen. Peter Binder

Die achtjährige Marie arbeitet an einem Weltall-Bild, das bald an ihre Hauswand kommen soll. Petra Penz lässt zwei Stühle plastisch aus einem abstrakten Gemälde hervortreten. Darüber hängt ein T-Shirt mit dem Zeichen, das auf Bildschirmen Pause bedeutet. Ihre Botschaft: Wo kein Bildschirm dazwischen ist, da beginnen die wichtigen Begegnungen.

Und Begegnungen finden an diesem Tag in diesem Balinger Innenhof überall statt. Das im Wortsinn bunte Treiben zieht auch Menschen an, die weiter weg wohnen. Eine Nachbarin bringt einen frisch gebackenen Eierlikör-Kuchen vorbei. Ein Mann spielt Gitarre und singt. Marie, die das Weltraum-Bild gemalt hat, legt sich flach auf den Hof, ihre Mutter und Petra Penz malen mit Kreide ihre Umrisse nach. Dann bemalen die drei alle Steine innerhalb des Umrisses. So ist Marie jetzt auch von oben zu sehen. Die Stimmung ist fröhlich-entspannt. Es geschieht bereits das, was Bernhard Jung sich gewünscht hat: Die Menschen kommen näher zusammen.

Nachbarn bemalen grauen Hinterhof
Tobias Rager

Bernhard Jung glaubt, dass die Menschen durch die Farbe offener geworden sind. Wenn sie sich nun begegnen, kann es sein, dass sie schon nicht mehr nur "Hallo" zueinander sagen, sondern: "Hallo, wie geht's?" - und das kann der Anfang sein für einen tieferen Austausch. Für mehr Nähe.

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Autor/in
Peter Binder
Peter Binder ist Reporter für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

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