Geheimnisvolle Knospen

Zart, süß, harzig: Wie Knospen in Mössingen nach Frühling schmecken

In Mössingen zeigt eine Knospenwanderung wie Baumknospen zu natürlichen Heilmitteln und feinen Küchenzutaten werden. Eine besondere Tour durchs Streuobstparadies.

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Von Autor/in Sonja Legisa

Bei der Knospenwanderung in Mössingen (Landkreis Tübingen) lernen Interessierte die verborgenen Energien in Knospen von Apfel, Walnuss, Linde und Co. kennen und wie daraus Tinkturen, Toppings oder Honig-Essig-Elixiere entstehen.

Naturheilkunde direkt von der Knospe der Streuobstwiese

Im Frühling zieht die Kräuterpädagogin Daniela Häberle regelmäßig durch die Streuobstwiesen rund um Mössingen. In diesem Jahr begleiten sie acht Teilnehmerinnen. Sie sind auf der Spurensuche nach der Heilkraft der Knospen. Gesammelt werden unter anderem Zweige von Walnuss, Apfel, Birne, Rose, Brombeere, Linde und Haselnuss.

"Knospen sind wahre Energieträger", sagt Häberle. Sie enthalten konzentrierte Nähr- und Vitalstoffe, darunter Proteine, Aminosäuren, Vitamine und Mineralien. Die Kräuterpädagogin erklärt: "Der Baum steckt seine gesamte Kraft in die Reifung dieser kleinen Ansätze. Wer Knospen nutzt, profitiert von dieser Energie."

Teilnehmerinnen plücken die Knospen einer Rose für ihre Tinktur bei der Knospenwanderung
Daniela Häberle pflückt Knospen von einem Rosenstrauch. Jede Teilnehmerin braucht ein bis zwei Gramm Knospen, um eine Tinktur herstellen zu können.

Nie zuviele Knospen pflücken

Beim Sammeln legt Häberle großen Wert auf Rücksicht gegenüber der Natur. Sie demonstriert an einem Zweig, wie schonend geerntet werden kann: "Immer nur jede dritte Knospe pflücken, damit der Baum ungehindert weiterwachsen kann." Von giftigen Arten wie dem Goldregen sollten Sammlerinnen und Sammler grundsätzlich die Finger lassen.

Viele Knospen dürfen dagegen direkt probiert werden. Lindenknospen fühlen sich im Mund leicht schleimig an. Eine Eigenschaft, die sie bei Husten und Heiserkeit wohltuend wirken lässt. Pappelknospen schmecken hingegen deutlich herber, mit harzig-bitterer Note. Fein gehackt und mit Zucker vermischt, entwickeln sie ein aromatisches Ingwer-Zimt Aroma. Der Pappel wird zudem eine schmerzstillende und antibakterielle Wirkung zugeschrieben.

Daniela Häberle erklärt den Teilnehmerinnen der Knospenwanderung was man aus Knospen für Heilmittel herstellen kann.
Kräuterpädagogin Daniela Häberle zeigt den Teilnehmern der Knospenwanderung unterschiedliche Knospen. Die der Esche sind schwarz, andere hingegen lila oder grün.

Knospen als Heilmittel oder aromatische Zutat

Nach dem Sammeln werden die Knospen in der Werkstatt des Streuobst-Infozentrums Mössingen weiterverarbeitet. Für die Herstellung von Tinkturen werden sie in Alkohol, Glycerin oder einer Mischung aus Honig und Obstler eingelegt. Nach rund drei Wochen entsteht so ein Auszug, der in kleine Sprühfläschchen abgefüllt und auf die Zunge gesprüht werden kann.

Knospenzucker oder eine Flasche mit Honig-Essig-Elixier aus Knospen sowie eine Pfeffermühle mit Walnussknospen.
Mit den Baumknospen lassen sich Honig-Essig-Elixiere verfeinern oder Zucker aromatisieren. Die Knospen sind auch aus der Pfeffermühle schmackhaft oder als Parmesamersatz geeignet.

Neben ihrer Rolle in der Naturheilkunde finden Knospen zunehmend Eingang in die Küche. Häberle empfiehlt zum Beispiel eine Mischung aus Walnuss- und Haselnussknospen als pfeffrige Würzalternative. Auch eingelegt in ein Honig-Essig-Elixier entfalten sie ihr besonderes Aroma, als wohltuendes Heißgetränk an kühlen Tagen oder als außergewöhnliche Zutat in der Frühlingsküche.

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Sonja Legisa
Sonja Legisa ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

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